1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Mann aus dem MK seit Mitte Dezember verschwunden: Familie hat die Hoffnung aufgegeben

Erstellt:

Von: Volker Heyn

Kommentare

Nur in bestimmten Fällen suchen Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr nach vermissten Personen mit Hubschrauber (Foto bei einem Einsatz an der Lenne), Spürhunden und Hundertschaften. Bei der immer noch aktiven Vermisstenfahndung nach einem seit Dezember aus einem Werdohler Altenheim verschwundenen Mannes wurden aber keine solchen Maßnahmen ergriffen. Die Familie fragt sich, warum das so ist.
Nur in bestimmten Fällen suchen Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr nach vermissten Personen mit Hubschrauber (Foto bei einem Einsatz an der Lenne), Spürhunden und Hundertschaften. Bei der immer noch aktiven Vermisstenfahndung nach einem seit Dezember aus einem Werdohler Altenheim verschwundenen Mannes wurden aber keine solchen Maßnahmen ergriffen. Die Familie fragt sich, warum das so ist. © Volker Heyn

Mutter, Bruder und Schwester eines bereits Mitte Dezember aus einer Werdohler Alteneinrichtung verschwundenen Mannes sind traurig: Sie rechnen fest damit, dass ihr alkoholkranker und psychisch eingeschränkter Angehöriger tot ist.

Die Familie fragt sich allerdings, warum der bei der Polizei als vermisst gemeldete Mann nicht beispielsweise mit Hubschraubern oder Spürhunden gesucht wurde.

Aus Gründen der Wahrung der Persönlichkeitsrechte des Vermissten dürfen hier nur wenige Hinweise darauf gegeben werden, unter welchen Umständen der Mann verschwunden ist. Während die Mutter in der bekannten Facebook-Gruppe „Blitzer, Verkehr und mehr im Märkischen Kreis“ mit einem Foto und unter Nennung des Klarnamens ihren Sohn sucht, hat die Polizei keine öffentliche Vermisstenanzeige herausgegeben.

Aus einer Senioreneinrichtung verschwunden

Der Mann, der noch nicht das 40. Lebensjahr erreicht hat, war Mitte Dezember aus einer der Werdohler Senioreneinrichtungen verschwunden. Wie viele Bewohner auch war er in seinen Freiheitsrechten nicht eingeschränkt, durfte sich also frei bewegen. Während seiner Unterbringung in der Werdohler Einrichtung war der Mann häufig in der Stadt gesehen worden. Ursprünglich stammt er aus einer anderen Stadt im Märkischen Kreis, hatte im Grunde aber keinen festen Wohnsitz. Das sagen seine Mutter und sein Bruder.

Die beiden wundern sich ohnehin, dass sie erst zwei Tage nach dem Verschwinden ihres Sohnes und Bruders von der Polizei informiert wurden. Aufgrund seines schwerwiegenden Alkoholismus und seiner Lebensweise hatte er auch schon lange einen gesetzlichen Betreuer, einen sogenannten Berufsbetreuer.

Um Unterbringung in geschlossener Einrichtung bemüht

Dieser Betreuer hatte sich erst vor kurzem noch um die Unterbringung seines Klienten in einer geschlossenen Einrichtung bemüht. In einem Schreiben hielt er fest, dass die Unterbringung erforderlich sei, weil der Mann selbstgefährdet sei und sich erheblichen gesundheitlichen Schaden zufügen könne.

Wann und mit welchen Mitteln wird nach einer Person gesucht?

Polizei-Pressesprecher Christoph Hüls sagt aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nichts zu dem konkreten Fall des Mannes, der Mitte Dezember aus einer Werdohler Senioreneinrichtung verschwunden ist. Seine Erklärungen, wie die Polizei generell mit Vermisstenanzeigen umgeht, seien allgemeingültig und nicht auf den konkreten Fall bezogen.

Jeder Fall einer Vermisstenanzeige werde von der Polizei sehr ernst genommen, das Verschwinden von Menschen sei für die Angehörigen immer dramatisch. Wie allerdings nach der vermissten Person gesucht werde, sei Abwägungssache. Zwei Kriterien stehen an erster Stelle: Die Wahrung der Persönlichkeitsrechte und die Feststellung, ob eine akute Gefahr für Leib und Leben des Vermissten oder für andere Menschen bestehe.

Jeder Erwachsene habe das Recht, so zu leben, wie er es wolle. Jeder Volljährige könne einfach so verschwinden und habe ein Recht darauf, sich unerkannt an einem selbst gewählten Ort aufzuhalten. Suchende Angehörige würden zum Beispiel nicht informiert, wenn die Polizei den Gesuchten antrifft, der aber gar nicht möchte, dass es dessen Angehörige wissen.

In vielen Fällen verbiete es sich aus Gründen des Persönlichkeitsrechtes, öffentlich mit Foto und Namen nach der Person zu suchen. In anderen Fällen wiederum sei es hingegen geboten, sofort mit Hundertschaften, Spürhunden und Hubschraubern nach Personen zu suchen, um einer unmittelbaren Lebensgefahr entgegenzuwirken. Alle polizeilichen Suchmaßnahmen müssten zudem der individuellen Situation angepasst sein.

Hüls betonte, dass bei der Suche nach Vermissten jeder Fall einzeln beurteilt werde, aber immer unverzüglich gehandelt werde. Zudem gebe es polizeiliche Suchmaßnahmen, die nicht offen kommuniziert würden.

Die Mutter berichtet ähnliches: Ihr Sohn sei alkoholabhängig und an früheren Orten und später auch in Werdohl oft genug von der Polizei von der Straße aufgelesen worden. Der Mann sei bis auf ein minimales Taschengeld mittellos gewesen. Die ihm ausgehändigten kleinen Beträge habe er stets in Alkohol umgesetzt.

Indizien und Berichte von Zeugen

Mutter, Bruder und Berufsbetreuer hatten an Weihnachten, also knapp zwei Wochen nach dem Verschwinden des Mannes, bei der Polizei nachgefragt. Es gebe Indizien, anhand derer man glaube, wo sich der Gesuchte aufhalten könnte. Diesen Indizien sei man nachgegangen, hieß es bei der Polizei, es habe auch Berichte von Zeugen gegeben, die meinten, den Vermissten gesehen zu haben. Die Mutter: „Viele haben meinen Sohn in Werdohl vom Sehen gekannt.“ Vor seinem Aufenthalt in einer Werdohler Senioreneinrichtung war der Gesuchte bei einem Bekannten in der Stadt an Lenne und Verse untergekommen.

Der ältere Bruder wohnt in einer anderen Stadt im Märkischen Kreis und machte sich persönlich auf die Suche. Er klapperte Tankstellen, Geschäfte und Einrichtungen in der Fußgängerzone von Werdohl ab. Seinen Bruder hatte er regelmäßig in der Senioreneinrichtung besucht. Beide hatten ein gutes Verhältnis, das lässt sich zumindest auf Fotos erkennen.

Kein Ausweis und Handy

Auch in einer anderen Stadt im Kreis, in der der Vermisste sich vor seinem Aufenthalt in Werdohl aufgehalten hatte, wurde von der Familie gesucht. Dort war er persönlich für einen längeren Zeitraum bei den Anonymen Alkoholikern bekannt.

Der Verschwundene lebte oft draußen, hatte nie einen Ausweis bei sich und verweigerte die Mitnahme eines Handys. Der Bruder hatte ihm ein Mobiltelefon gegeben, das habe er aber weggeworfen und die Sim-Karte verschluckt. Aus dem Heim sei er nur sehr leicht bekleidet weggegangen, seine Jacke hatte der Bruder im Umfeld der Einrichtung gefunden.

Persönlichkeitsrechte müssen gewahrt bleiben

Trotz aller Umstände gilt es, in der Öffentlichkeit die Persönlichkeitsrechte des Mannes wahren. Da dem Mann nicht die Freiheitsrechte entzogen worden sind, darf er gehen, wohin er möchte. Da er kein Mobiltelefon bei sich trug, so die Polizei in einer Antwort an die Familie, mache eine technische Suche nach dem Vermissten keinen Sinn.

Vermisstensachen: Sinkende Fallzahlen

Polizeisprecher Hüls teilte mit, dass die Zahl der Vermisstensachen im Märkischen Kreis in den Corona-Jahren gesunken ist. Im Jahre 2019 gab es 693 Vermisstensachen, rein rechnerisch also fast zwei pro Tag. In 2020 waren es 574 und im Jahr 2021 sank die Zahl auf 445. Die Zahlen zeigten, dass Vermisstensachen kein Nebengeschäft der Polizei seien, sondern tägliche Praxis. Viele Fälle erledigten sich schnell, es gebe aber auch etliche Langzeitvermisste.

Die Familie kann dennoch nicht erkennen, warum nicht gleich am Anfang mit großem Aufwand nach dem Vermissten gesucht wurde. Gerade in der Zeit um den Jahreswechsel habe sie von vielen öffentlichen Vermisstensuchen im Lennetal gelesen. Verschwundene Personen, sogar im ähnlichen Alter wie ihr Angehöriger, seien mit Hubschraubern, Polizeihunden und vielen Einsatzkräften gesucht worden.

Private Veröffentlichung wird vielfach geteilt

Die private Veröffentlichung der Suche in der Gruppe „Blitzer, Verkehr und mehr im Märkischen Kreis“, ist von Mitgliedern mehrere hundert Male geteilt worden. Die Familie hat jetzt die Hoffnung aufgegeben: „Wir nehmen an, dass er tot ist.“ Die Mutter hatte vor Jahren schon einen Sohn an den Alkohol verloren.

Auch interessant

Kommentare