Manipulation am Solarstromzähler

Werdohl - Ein ungewöhnlicher Tatvorwurf beschäftigte am Dienstag das Amtsgericht Altena: Die Staatsanwaltschaft warf einem 49-jährigen Werdohler die Manipulation eines Stromzählers vor. Um eine höhere Einspeisevergütung von dem Energieversorger Enervie zu bekommen, soll er an dem Zähler seiner Solarstromanlage gedreht haben.

Dieser ist normalerweise durch ein Dienstsiegel und eine angebrachte Plombe vor Manipulationen geschützt. Doch dieses Dienstsiegel war beschädigt, was bei einer Reparatur der Anlage deutlich wurde.

Wie es zu dieser Beschädigung gekommen war, wurde zur zentralen Frage der Verhandlung, denn der Angeklagte bestritt den Vorwurf, dass er den Stromzähler manipuliert habe: „Es ist nicht wahr, was hier vorgetragen wird“, versicherte er. D

er 49-Jährige hatte seit 2011 in dem Haus Strom erzeugt. Für das Jahr 2012 rechnete er 21.500 statt höchstmögliche 13.775 Kilowattstunden ab. Der dadurch entstandene Schaden soll etwa 3740 Euro betragen. Als möglichen Täter benannte der Angeklagte den ehemaligen Mieter in dem Haus, der ebenfalls Zugang zu der Anlage hatte.

Das erschien Richter Dirk Reckschmidt allerdings wenig plausibel: Warum sollte ein Mieter die Werte nach oben verändern? Einen Nutzen hätten Mieter doch nur dann, wenn ihr Verbrauch scheinbar niedriger wäre. Ganz abgesehen davon, dass die Verbrauchswerte des Mieters nichts mit der Energieerzeugung zu tun haben.

Der Angeklagte trug seine ganz eigene Vermutung über den Grund des Mieters zur Manipulation an der Anlage vor: „Er hat mir ein ‘schönes’ Abschiedsgeschenk hinterlassen, damit ich dadurch Ärger bekomme.“

Richter Dirk Reckschmidt äußerte eine andere Vermutung: Weil die Uhr nach den Manipulationen nicht mehr weiterzählte, sondern auf dem eingestellten Wert stehenblieb, habe der Angeklagte den Service gerufen. „Es war möglicherweise Pech, dass der Mechanismus das Auseinanderbauen nicht überlebt hat.“

Endgültig geklärt wurde die Sache nicht. Das hohe Einkommen des Angeklagten und einige andere Umstände sprachen auch für ihn. Der 49-Jährige akzeptierte schließlich eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 500 Euro. Den unzweifelhaft entstandenen Schaden begleicht der Angeklagte mit Stromlieferungen: Bis die Überzahlung ausgeglichen ist, lässt der Sonnenschein seine Geldbörse nicht klingeln. - Von Thomas Krumm

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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