Ein Mann, mit sich im Reinen

Manfred Wolf: Werdohls erster hauptamtlicher Bürgermeister wird 80 Jahre alt

Hell, klar, schnörkellos, aber auch mit deutlicher Kante und Linie: Manfred Wolf hat sein Haus so gestaltet, wie er selbst in Erscheinung tritt. Heute wird der erste hauptamtliche Bürgermeister der Stadt Werdohl 80 Jahre alt.
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Hell, klar, schnörkellos, aber auch mit deutlicher Kante und Linie: Manfred Wolf hat sein Haus so gestaltet, wie er selbst in Erscheinung tritt. Heute wird der erste hauptamtliche Bürgermeister der Stadt Werdohl 80 Jahre alt.

Der Mann hat Stil, nach wie vor. Manfred Wolf kleidet sich stets klassisch-elegant. Großformatige Karo-Hemden sind seine Sache nicht, er mag es eher klar und hell.

Manfred Wolf, Werdohls erster hauptamtlicher Bürgermeister, wird 80 Jahre alt und ist dabei mit einer bemerkenswerten Fitness von Körper und Geist gesegnet. „Von nichts kommt nichts“, sagt Wolf, und ein paar Stunden später radelt er in der frühlingshaften Luft an der Lennepromenade entlang.

Corona schränkt natürlich auch seine gesellschaftlichen Aktivitäten ein. Wolf sitzt im Sonnenlicht im Esszimmer und schenkt Kaffee ein, nebenan nimmt seine Ehefrau Annette online an einem Yoga-Kurs teil. Beide Wolfs halten sich fit. Der 80-Jährige ist stolz darauf: Tennis, Wandern, Radfahren und außerhalb von Corona das Fitnessstudio. Gesundheit ist ein kostbares Gut, das hat er am eigenen Leib erfahren.

Sieg als parteiloser Bürgermeisterkandidat

Im Jahre 1999 erlebte er den größten Erfolg in seiner beruflichen Laufbahn. Als parteiloser Bürgermeisterkandidat gewann er mit 74,5 Prozent gegen den bestens bekannten SPD-Kandidaten Ulrich Hopmann. Die Sozis hatte in Werdohl die Mehrheit, doch jemand ohne Parteizugehörigkeit gewann haushoch? Wolf: „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Immer wieder blitzt der Schalk durch sein Gesicht, Wolf lacht oft und gern. Sein Vorgänger im Amt des Stadtdirektors war Wilfried Leven, ein Mann mit SPD-Parteibuch. Eigentlich hätte ein Genosse Bürgermeister werden sollen, doch Manfred Wolf schaffte es aufgrund seiner Erfahrung und seiner Persönlichkeit. Er habe sich bewusst nie einer Partei angeschlossen. In ein Amt nur mit einer Parteizugehörigkeit zu gelangen, war seine Sache nicht.

„Ich habe es durchgezogen“, lacht er wieder. „Eigentlich war es so gut wie ausgemacht, dass Uli Bürgermeister werden würde“, erinnert sich Wolf genau an die Stimmung in Werdohl vor fast 22 Jahren. Seine Amtszeit als hauptamtlicher Bürgermeister dauerte so bis Frühjahr 2004.

Erfolgreicher Kampf gegen den Krebs

Wolf wollte 2004 noch einmal kandidieren, bekam aber mit 63 die Diagnose Darmkrebs. „Ich hätte gerne weitergemacht“, erinnert er sich, „aber nicht mit so einer Krankheit“. Wolf schied nach 43 Dienstjahren in der öffentlichen Verwaltung aus und kämpfte erfolgreich gegen den Krebs.

Geboren in Straupitz im Riesengebirge

Manfred Wolf wurde am 23. Februar 1941 in dem niederschlesischen Ort Straupitz im Riesengebirge geboren, das Gebiet gehört heute zu Polen. Als Kleinkind floh er mit seiner Mutter und seinem Bruder aus Niederschlesien, der Vater war 1945 in Russland gefallen.

Als Vertriebener gelangte Manfred Wolf als Vierjähriger in die damalige britische Zone nach Groß-Lafferde. Im Wege der Familienzusammenführung kam Wolf als Zwölfjähriger 1953 nach Werdohl, wo schon die Oma und die Tante Zuflucht gefunden hatten.

Wolf schloss 1955 an der Roten Schule in Werdohl seine achtjährige Schulzeit ab und begann mit 14 Jahren eine Ausbildung bei der Stadt Werdohl. Von 1964 bis 1966 besuchte er die Verwaltungsakademie Westfalen und schloss das Studium als Diplomkommunalbeamter ab. Von 1970 bis 1976 arbeitete er als Vertreter des Gemeindedirektors der Gemeinde Herscheid.

Ab 1976 bis zu seiner Ernennung zum Stadtdirektor von Werdohl im Jahre 1993 leitete er die Kämmerei. Insgesamt elf Jahre war er bis zu seiner Pensionierung der Spitzenbeamte der Stadt: Von 1993 bis 1999 als Stadtdirektor und von 1999 bis 2004 als hauptamtlicher Bürgermeister.

„Letztlich bin ich heilfroh, dass ich aus dem Berufsleben ausscheiden konnte, ohne von irgendwem nicht mehr gewollt zu werden.“ Er denkt mitfühlend an die bislang einzige weibliche Nachfolge in seinem früheren Amt: „Ich hätte eine Abwahl schwer verkraftet, daran hätte ich zu knacken gehabt.“ Zu seinem Glück sei es ihm erspart geblieben, nicht mehr gebraucht oder nicht mehr gewollt zu werden.

Ehrenamtliches Engagement

Nach der Erholung von der Krebs-Erkrankung mied Wolf Verwaltung und Politik und engagierte sich ehrenamtlich beim Bürgerbusverein und später im Heimat- und Geschichtsverein. In aktuelle Geschehnisse habe er sich nie einmischen wollen, er legte sich eine kluge Zurückhaltung auf: „Es gibt doch nichts Schlimmeres als Leute, die nicht mehr auf dem Laufenden sind und trotzdem meinen, sie wüssten alles besser.“ Da gebe es genügend Beispiele auf den großen Bühnen in Politik oder Wirtschaft: „Da möchte ich mich nicht einreihen.“

Selbstverständlich verfolge er vor allem die Dinge in seiner Heimatstadt Werdohl ganz genau, die Tageszeitung hilft ihm dabei. Mit dem Lesen von Büchern und Zeitschriften komme er kaum nach, zu vielfältig sind seine Interessen.

Aufgabe war ein „großes Geschenk“

Wolf ist dankbar und in vielerlei Hinsicht mit sich im Reinen: „Ich habe es als Privileg empfunden, Stadtdirektor und Bürgermeister sein zu dürfen.“ So viele interessante Dinge und Menschen im Beruf kennenlernen zu dürfen, sei ein großes Geschenk gewesen.

Um sein Leben möglichst lange selbstbestimmt gestalten zu können, treibt der frühere Fußballer des TuS Jahn Werdohl viel Sport. Schon sein ganzes Leben habe er sich fit gehalten. Man sieht es ihm an. Dynamisch und beweglich ist er, da kommt manch ein halb so alter Mann nicht mit. Wolf zwinkert: „Die Fitness kommt einem auch im Kopf zugute.“

Corona verhindert die Geburtstagsparty

Über die Ausgestaltung seines Geburtstags brauchte er sich keine Gedanken machen. Corona verbietet alles. Wolf hat zwei Kinder und drei Enkel. Tochter Jessica lebt mit Mann und den Kindern Nicolas, Franca und Eric in Gummersbach.

Sohn Moritz ist mit 32 um einiges jünger als seine Schwester, er lebt des Berufs wegen in London. Moritz kommt die Tage zu Besuch in sein Werdohler Elternhaus. „Und mit den Enkeln freuen wir uns auf einen Urlaub auf Langeoog – wenn es Corona im Sommer hoffentlich wieder zulässt.“

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