Ein Leben für die Feuerwehr

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Manfred Theile (Mitte) bei einem seiner letzten großen Einsätze, dem Brand der Firma AB-EK im Oktober dieses Jahres.

Werdohl - „Ganz unverbindlich“ sollte der 19-jährige Manfred Theile im April 1975 beim Löschzug Eveking vorbeischauen, um die Arbeit der Feuerwehr näher kennen zu lernen. „Daraus sind dann fast 42 Jahre geworden“, stellt Theile heute fest. Am 23. Dezember dieses Jahres hat der Stadtbrandinspektor seinen 60. Geburtstag gefeiert – und ist somit in den Ruhestand eingetreten.

Auch wenn die offizielle Verabschiedung noch aussteht, blickt der Werdohler im Gespräch mit der Redaktion schon einmal auf die vergangenen Jahrzehnte im Dienst der Allgemeinheit zurück. An die Anfänge erinnert sich Manfred Theile ganz genau: Der junge Mann absolvierte seine Ausbildung zum technischen Zeichner in der Firma Kolben Schmidt. Er wurde von Arbeitskollegen aus dem Werkzeugbau angesprochen, die im Löschzug Eveking aktiv waren. „Die Kollegen waren hartnäckig“, schmunzelt der Stadtbrandinspektor außer Dienst. Und so kam es zu jenem unverbindlichen Besuch.

Kurz darauf hatte Theile sein Schlüsselerlebnis: Die erste Übung. „Das war auf dem Dösseln. Ich werde sie nie vergessen. Für mich als Neuling war es sehr beeindruckend. Jeder Trupp wusste genau, was er zu tun hatte. Alles war ganz klar strukturiert“, schildert Theile.

Feuer- statt Bundeswehr

Von diesem Tag an nahm seine Karriere bei der Feuerwehr ihren Lauf. Er leistete den damals verlangten Bundeswehrersatzdienst bei der Freiwilligen Feuerwehr und musste sich zehn Jahre neben seiner beruflichen Tätigkeit bei Kolben Schmidt verpflichten. Am 4. April 1979 machte er sein Hobby zum Beruf: Er wurde als feuerwehrtechnischer Angestellter bei der Stadt Werdohl beschäftigt und nach einigen Jahren in das Beamtenverhältnis übernommen. 1985 wechselte er seinen Arbeitsplatz zum Märkischen Kreis und war als Hauptbrandmeister in der Kreisleitstelle in Lüdenscheid tätig.

Ehrenamtlich wurde er nach entsprechenden Qualifikationsnachweisen immer weiter befördert: 1988 folgte die Ernennung zum Oberbrandmeister, 1994 zum Hauptbrandmeister, 2002 wurde der Werdohler Brandinspektor und 2004 Brandoberinspektor. Am 18. März 2009 kehrte er nach Werdohl zurück und übernahm hauptamtlich als Stadtbrandinspektor die Leitung der gesamten Werdohler Feuerwehr. 

Seit diesem Tag hat sich für den Feuerwehrmann Theile, der von 1992 bis 2009 Leiter des Löschzuges Eveking war, einiges verändert: „Der Personenkreis für den man denken muss, ist um einiges größer. Zudem gilt es, viel mehr perspektivisch zu denken und alle Handlungen auf die gesamte Werdohler Feuerwehr auszurichten.“

Viele Feiern vorzeitig zu Ende

Als Verantwortlicher für die komplette Wehr hat Theile auch großen Wert auf die Nachwuchswerbung gelegt. „Die Jugendfeuerwehr ist ein gutes Fundament, das aber nicht mehr ausreicht. Wir brauchen auch Seiteneinsteiger“, stellt er fest. Diesbezüglich sieht er die Wehren auf einem guten Weg. Das gesamte Ausbildungssystem sei umgestellt worden, jetzt liege vor den Neulingen nicht mehr so ein riesiger Block, den sie auf einen Schlag bewältigen müssten. „Vielleicht hat das früher auch einige abgeschreckt“, glaubt Manfred Theile. Einen Teil ihrer Freizeit müssen ehrenamtliche Feuerwehrleute natürlich nach wie vor für die Allgemeinheit opfern – schließlich sind die Einsätze nicht planbar.

Der Stadtbrandinspektor im Ruhestand erinnert sich an viele Familienfeiern, die er vorzeitig verlassen musste. „Die Geburtstage der Kinder hat es besonders oft getroffen“, blickt Manfred Theile zurück. Und obwohl der Wehrleiter nicht bei jedem Routineeinsatz dabei sein muss, war er doch über jedes Ausrücken der ehrenamtlichen Helfer informiert – auch nachts: „Und wenn der Pieper geht, dann ist man einfach wach“, stellt der 60-Jährige fest.

An wie vielen Einsätzen er insgesamt bei der Feuerwehr beteiligt war, kann Manfred Theile natürlich nicht mehr sagen. Einige sind ihm aber im Gedächtnis geblieben. Dazu gehören jene Brände, die die Wehrmänner und -frauen stunden- oder tagelang beschäftigt haben, zum Beispiel der VDM-Großbrand im Juni 1997 oder der Brand des Reifenhandels in Versevörde im Dezember 2002.

Andererseits war seine ehren- und hauptamtliche Tätigkeit mit Unfallereignissen verbunden, in deren Rahmen sich den Helfern teils schreckliche Bilder boten. „Mich haben solche Ereignisse zum Glück nie lange verfolgt. Ich war immer jemand, der gut abschalten konnte“, sagt Theile. Er weiß aber, dass es nicht allen Wehrmännern so geht. „Deshalb ist es sehr gut, dass es heute eine Betreuung für die Kameraden gibt, die so etwas nicht mehr loslässt.“

„Kameradschaft und enger Zusammenhalt“

Rückblickend könnte Theile von vielen Höhen („Es ist ein sehr gutes Gefühl, wenn man helfen konnte“) aber auch Tiefen erzählen. Trotzdem habe er niemals daran gedacht, der Feuerwehr den Rücken zu kehren. Dazu, so sagt er, habe in all den Jahren auch die „besondere Kameradschaft und der enge Zusammenhalt“ beigetragen. Auf diese Werte muss Manfred Theile auch in Zukunft nicht verzichten, denn seit dem 23. Dezember ist er Mitglied der Alters- und Ehrenabteilung. „Mit dem Löschen habe ich aber nichts mehr zu tun“, erklärt er. Fehlen würden ihm die Einsätze aber nicht. Seine Frau freue sich, wenn jetzt etwas mehr Ruhe ins Familienleben einkehre. Das wird sich bereits morgen bemerkbar machen, denn der Silvesterabend wird für Manfred Theile garantiert ohne Einsätze enden: „Es wird das erste Silvester sein, an dem ich vielleicht mit einem Glas Sekt auf den Jahreswechsel anstoße. Bisher habe ich zu diesem Anlass nie Alkohol getrunken.“


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