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Sprengung von Geldautomaten: „Man muss es Tätern unbequem machen!“

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Von: Ina Hornemann

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Erneut wurde in Kierspe ein Geldautomat gesprengt. Diesmal in der SB-Filiale der Volksbank in Kierspe-Dorf
Zuletzt wurde im Märkischen Kreis in Kierspe ein Geldautomat gesprengt. © Zacharias, Frank

Das Bundeskriminalamt (BKA) geht für das vergangene Jahr von einem Höchstwert an gesprengten Geldautomaten aus. Man rechne mit rund 500 versuchten und vollendeten Geldautomatensprengungen in Deutschland. Die jüngsten Fälle bei der Vereinigten Sparkasse und der Volksbank Märkischer Kreis sind zum Glück schon einige Jahre her. Beide Geldinstitute haben allerdings die Gefahren engmaschig im Blick.


Märkischer Kreis - Standortanalysen führen sowohl Volksbank als auch Sparkasse regelmäßig durch – „auch in Zusammenarbeit mit den Kriminalbehörden“, betonen sowohl Tomislav Majic (Sparkasse) als auch Benjamin Sekavcnik (Volksbank). Im Blick sind dabei vorwiegend Geldautomaten an verkehrsgünstigen Stellen, die Tätern für „schnelle Nummern“ gelegen sind.

Beide heimischen Geldinstitute sind an Standorten mit hohem Gefährungspotenzial bereits dazu übergegangen, Foyers nächtlich ganz zu schließen, sodass auch der Bankkunde mit seiner Karte keinen Zugang mehr zu den Automaten hat. „Wir haben uns da an den Handlungsempfehlungen des Landeskriminalamts orientiert“, berichten Benjamin Sekavcnik und Tomislav Majic.

Die Raumsituationen, wo sich Geldautomaten befinden, sind sehr unterschiedlich. Über manchen Standorten befindet sich Wohnraum, andere Geldautomaten sind komplett von Geschäftsräumen umschlossen.

„Früher hat sich doch kein Mieter Gedanken darüber gemacht, ob so ein Automat ein Gefährdungspotenzial für ihn darstellt“, bringt Tomislav Majic auf den Punkt, weshalb mittlerweile allgemeine Besorgnis aufkommt. Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat die Sparkasse veranlasst, ganz neue Schutzmaßnahmen zu ergreifen. „Die Zündung mit der Gaskartusche ist von gestern. Täter wissen mittlerweile, dass man als Geldautomatbetreiber dagegen steuern kann. Deshalb ist Plastiksprengstoff viel gefragter und der kann deutlich schlimmere Detonationen auslösen. Da wird nicht nur der Automat gesprengt, sondern noch viel mehr...“

Aufsehenerregend war in Altena 2018 der gescheiterte Sprengversuch an der reinen Automatenfiliale der Sparkasse am Knerling. Nachdem es da zunächst so ausgesehen hatte, als ob kein größerer Schaden entstanden war, mussten Sprengstoffexperten den Sprengsatz aufwendig entfernen und am Waldrand des Reineckestadions eine kontrollierte Detonation auslösen, um Schaden vom Stadtteil abzuwenden. In der Folge blieb lange Zeit ein leeres Loch in der Wand – denn Geldautomaten sind keine Waren, die „mal eben“ im nächsten Heimwerkermarkt nachbestellt sind. Am für Kriminelle attraktiven Standort an der verkehrsgünstig gelegenen B236 hielt die Sparkasse trotzdem fest, weil er bei Kunden stets gut frequentiert war. „Und weil Außenautomaten immer unter deutlicherer öffentlicher Beobachtung stehen“, so Majic.

„Das gilt auch für die Bankfilialen, die heutzutage kaum noch überfallgefährdet sind“, berichtet Benjamin Sekavcnik. „Täter werden dort beobachtet und wissen, dass kein Kassierer ihnen auf die Schnelle Bargeld aushändigen kann. Geldausgabe findet heutzutage immer mit Zeitverzögerung statt, das macht kein Bankräuber mit.“ Einbruchsversuche wie jüngst in der Nachrodter Filiale scheitern entsprechend. „Es ist kein Geld zu holen. Wir haben nur Ärger mit dem beschädigten Gebäude und eventuellen Verwüstungen.“

Schlimm hatte es 2019 die Volksbank-Filiale in Neuenrade-Affeln erwischt, nachdem Täter dort den Geldautomaten gesprengt und damit gleichzeitig schwere Schäden am Interieur verursacht hatte. Wenige Wochen später versuchten Täter es in Küntrop – auch dort entstand Sachschaden im fünfstelligen Bereich. Verletzt wurde zur großen Erleichterung des Teams Volksbank niemand. „Einen hunderprozentigen Schutz gegen kriminelle Banden wird es nie geben, aber wir haben alle relevanten Themen und Möglichkeiten im Blick und in der Anwendung. Sehr hilfreich ist es auch, wenn die Bevölkerung auffällige Aktivitäten und Bewegungen rund um GAA-Standorte, insbesondere in den Abend- und Nachtstunden, unmittelbar der Polizei meldet“, so Benjamin Sekavcnik.

„Tätern muss man es unbequem machen“, bringt Tomislav Majic das Gesamtkonzept der Prävention auf den Punkt – wohlwissend, dass das kriminelle Geschäft mit dem Geld anderer Leute immer merkwürdigere Blüten treibt. „Die meisten Täter stammen ja aus dem Ausland. Und da gibt es mittlerweile in manchen Ländern sogar einen Markt für angekokelte oder durch Farbpatronen beschädigte Geldscheine. Wir müssen auf jeden Fall am Thema dran bleiben!“

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