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Malteser-Helfer aus dem MK am Steuer eines Hilfstransports für die Ukraine

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Von: Volker Griese

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Essenspause auf dem Rückweg: In Ungarn tischte ein Restaurant für die zwölf Flüchtlinge und ihre sieben Helfer reichlich auf.
Essenspause auf dem Rückweg: In Ungarn tischte ein Restaurant für die zwölf Flüchtlinge und ihre sieben Helfer reichlich auf. © Clemens Bauckhage

Es war so etwas wie ein Abenteuer für Clemens Bauckhage, jedoch keines der Art, wie es junge Menschen zu ihrem Vergnügen suchen. Der 20-jährige Helfer von den Werdohler Maltesern hat in dieser Woche einen LKW eines Hilfskonvois gefahren, der ukrainische Kriegsflüchtlinge versorgt hat.

Werdohl/Plettenberg ‒ Nach den Nachrichten aus der Ukraine sei er schon in Bereitschaft gewesen, sagte der Auszubildende zum Notfallsanitäter bei der Feuerwehr Plettenberg. Ihm sei klar gewesen, dass seine Hilfe als Kraftfahrer gebraucht werden könnte. So kam es dann auch: Die Caritas im Bistum Essen hatte Hilfsgüter gesammelt und suchte nun Ehrenamtliche, die sie nach Sighetu Marmatiei, eine 35.000-Einwohner-Stadt unmittelbar an der rumänischen Grenze zur Ukraine, brachten. Bauckhage hatte gerade Urlaub und war sofort bereit, einen 7,5-Tonner der Werdohler Malteser zu fahren, musste das nur noch seiner Familie und seiner Freundin beibringen. „Die haben sich natürlich Sorgen gemacht, ich habe aber auch Zuspruch erhalten“, erzählt er von einem Zwiespalt der Gefühle. Letztlich saß der 20-Jährige aus Selscheid aber am vergangenen Sonntagmorgen um 5.30 Uhr am Steuer des Lastwagens und machte sich auf den Weg nach Südosteuropa.

Unterwegs habe er dann noch Mitfahrer eingesammelt und sich mit weiteren Fahrzeugen zum Hilfskonvoi zusammengeschlossen, berichtet er. Bis Sonntagabend hatte die Gruppe die Zisterzienser-Abtei Heiligenkreuz vor den Toren Wiens erreicht, wo sie übernachten konnte. Montags ging es dann quer durch Ungarn und im Schneetreiben durch einen Ausläufer der Karpaten bis an den nördlichen Rand Rumäniens. Nach rund 40 Stunden und knapp 1700 Kilometern war die Fahrt gegen 22 Uhr am Montagabend beendet.

„Wir sind da sehr herzlich mit einem Drei-Gänge-Abendessen empfangen worden“, erzählt Bauckhage von der Gastfreundschaft in der griechisch-katholischen Gemeinde, für die die Hilfsgüter bestimmt waren. Dort hatten etwa 200 ukrainische Staatsbürger Zuflucht gefunden, die mit Decken, Schlafsäcken und Isomatten, aber auch mit medizinischem Material versorgt werden mussten.

Clemens Bauckhage (rechts) und andere Helfer steuerten die Fahrzeuge des Konvois.
Clemens Bauckhage (rechts) und andere Helfer steuerten die Fahrzeuge des Konvois. © Clemens Bauckhage

All das luden die Helfer aus Deutschland aber erst am nächsten Tag aus ihren Fahrzeugen aus, denn nach zwei Tagen nur mit kurzen Stopps zum Tanken und Fahrerwechsel nach jeweils etwa 400 Kilometern sowie fast ohne warmes Essen stand erst einmal die Regeneration im Vordergrund.

Mit der Ablieferung der Hilfsgüter hatte die Gruppe aber nur den ersten Teil ihrer Mission erfüllt. Auf dem Rückweg nach Deutschland wollte sie nämlich auch ukrainische Flüchtlinge mitnehmen. Nach kurzer Beratung hätten sich zwölf Personen gefunden, die mit einem Hund und zwei Katzen in die Kleinbusse gestiegen seien, berichtet Bauckhage.

„Anfangs herrschte bei den Flüchtlingen schon eine bedrückte Stimmung“, beschreibt Bauckhage die Atmosphäre auf der Rückfahrt. Sie hätten ihre Reise nach Deutschland wohl als eine Fahrt ins Ungewisse empfunden, vermutet er. In Wahrheit war es aber wohl vor allem die Fahrt durch Ungarn, die den Ukrainern Unbehagen bereitete. „An der Grenze zwischen Rumänien und Ungarn gab es Probleme mit den Zöllnern, die uns nicht ins Land lassen wollten“, erzählt Bauckhage. Erst nach Intervention der Caritas und des Duisburger Grünen-Politikers Sebastian Ritter, der auch Teil des Helferteams war, seien die Schlagbäume nach einer Stunde schließlich hochgegangen.

„Erst in Österreich ist die Anspannung von den Ukrainern dann abgefallen“, blickt Bauckhage zurück auf den zweitägigen Heimweg, der von Verständigungsversuchen in englischer Sprache oder mit dem Google-Übersetzer geprägt gewesen sei. Auf dem Weg ins Ruhrgebiet setzten die Helfer ihre ukrainischen Mitfahrer auf eigenen Wunsch dann in verschiedenen Städten in Süddeutschland ab.

„Ich nehme auf jeden Fall Demut und Dankbarkeit von diesem Einsatz mit“, sagt Clemens Bauckhage rückblickend. „Dankbarkeit vor allem dafür, dass ich hier jeden Abend ohne große Sorgen zu Bett gehen kann.“ Einen weiteren Hilfstransport würde er „auf jeden Fall“ wieder mitmachen, wenn es seine Zeit erlaube. „Weil man sieht, dass man etwas bewegen kann“, begründet er.

Derweil wollen die Werdohler Malteser den an Lenne und Verse angekommenen Ukraine-Flüchtlingen mit Kleidung, Haushaltsartikeln und Spielzeug für die Kinder helfen. Sie nehmen deshalb montags von 17 bis 19 Uhr und donnerstags von 16 bis 19 Uhr in ihrem Kleiderladen an der Schnurrestraße in Werdohl Spenden entgegen. „Aber bitte nur brauchbare Kleidung und funktionsfähiges Spielzeug“, betont Malteser Stadtgeschäftsführer Jens Beyer.

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