Freiwilliges Engagement als Berufsorientierung

Spaß bei der Arbeit: Jenny Schmidt hilft ihren Schützlingen Sabine und Thorsten bei der Arbeit an den Geräten. Miteinander und Füreinander, das hat bei der BFDlerin erste Priorität.

WERDOHL ▪ „Meine Mutter weiß immer am besten, was gut für mich ist“, sagt Jenny Schmidt. Deswegen zögerte sie nicht, als sie den mütterlichen Tipp erhielt, sich sozial zu engagieren. Ein Weg, der die 19-Jährige zum Werdohler Standort der Märkischen Werkstätten geführt hat. Dort arbeiten Menschen, die wegen einer Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aktiv werden können.

Als BFDlerin geht Jenny Schmidt den Beschäftigten bei Montagetätigkeiten zur Hand und hilft bei der Überprüfung der gefertigten Teile. So montiert sie in ihrer Gruppe Hochschiebesicherungen für Rollos. Fünf Plastikteile müssen aneinander gesetzt werden, eine Arbeit, die auch schon Feingefühl der Finger verlangt. Sehr sorgfältig gehen die Angestellten der Märkischen Werkstätten dabei vor. „Es gab sogar schon Mitarbeiter, die von hier in eine Festanstellung bei anderen Firmen übergegangen sind,“, weiß Jenny Schmidt, „das motiviert natürlich nicht nur die Kollegen, sondern auch uns Betreuer.“

Viele Angestellte in den Märkischen Werkstätten arbeiten sehr selbstständig, kennen ihren Arbeitsbereich und sind durchaus in der Lage, Probleme zu lösen. Die Aufgabe von Jenny Schmidt bezieht sich dann vor allem darauf, eine letzte Kontrolle durchzuführen. „Oft muss ich aber auch einfach mal motivieren und zum Weitermachen aufmuntern, nicht jeder ist von morgens bis abend mit Herzblut dabei.“

Auch in allen anderen Belangen steht sie ihnen zur Seite. „Wenn es sich ergibt, setze ich mich in der Werkstatt gerne zu den Beschäftigten und unterhalte mich mit ihnen”, erzählt die Freiwillige. „Denn es geht hier ja nicht nur um die Arbeit, sondern vor allem um die Menschen selbst.“ Füreinander da zu sein, das findet Jenny Schmidt wichtig.

Zwei Mal im Monat

geht sie zur Reit-AG

Als vor Kurzem Jemand aus dem Team einen epileptischen Anfall erlitt, kümmerte sich auch die BFDlerin um die Erkrankte. „Als sie nach einigen Krankheitstagen wieder in die Werkstatt kam, brachte sie mir ein kleines Geschenk als Dankeschön mit. Diese Aufmerksamkeit hat mich sehr gefreut“, erzählt Schmidt.

Auch außerhalb des Arbeitsalltags finden die BFDlerin und das Beschäftigtenteam immer wieder zum Austausch zusammen, beispielsweise in Arbeitsgemeinschaften. Jenny Schmidt engagiert sich in der Reit-AG. Jeden zweiten Donnerstag besucht sie mit den Beschäftigten einen benachbarten Reiterhof. Die BFDlerin schätzt die gemeinsame Zeit, die sie mit den Menschen in ihrer Einsatzstelle verbringen kann. „Hier sind alle immer so ehrlich, das finde ich toll. Und ich bekomme viel zurück.“

Vor ihrem freiwilligen Engagement absolvierte Jenny Schmidt ein Schulpraktikum in ihrer jetzigen Einsatzstelle. „Nach meiner Schulausbildung wusste ich nicht genau, wohin es beruflich gehen sollte. Ich wusste nur, dass ich wieder in die Werkstatt kommen wollte.“

Die Möglichkeit, als BFDlerin in die Märkischen Werkstätten zurückzukehren, war für sie genau richtig: „Ich habe nämlich vor, noch in weitere Arbeitsbereiche hereinzuschauen“, erläutert Schmidt. „Zum Beispiel möchte ich noch den sogenannten Förderbereich und die heilpädagogische Gruppe kennenlernen.“ Denn die 19-Jährige hat herausgefunden, dass sie Heilerziehungspflegerin werden möchte. Einziger Wermutstropfen für sie ist, dass sie dann die Einrichtung verlassen muss. „Die Beschäftigten und das Mitarbeiterteam sind mir alle sehr ans Herz gewachsen.“

Einsatz zwischen sechs und 24 Monaten

Den Bundesfreiwilligendienst sieht sie als gute Chance, sich in der Arbeitswelt umzusehen und erste Erfahrungen zu sammeln. Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Projekt der Bundesregierung. Er ist ein Angebot an Männer und Frauen, Jung und Alt, sich außerhalb von Beruf und Schule für einen Zeitraum zwischen sechs und 24 Monaten zu engagieren.

Er kann nicht nur in den Bereichen Soziales und Ökologie geleistet werden, sondern auch im Sport oder in der Integration, Kultur und Bildung. Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ist mit mittlerweile mehr 38 000 Freiwilligen im Dienst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Einsatzmöglichkeiten sind dabei ebenso vielfältig wie die Motivation der Engagierten selbst. Der freiwillige Einsatz ist grundsätzlich sozialversichert, wird professionell begleitet und ist offen für Menschen aller Altersgruppen nach Erfüllung der Vollzeitschulpflicht.

Mehr zum Bundesfreiwilligendienst erfährt man im Internet unter http://www.bundesfreiwilligendienst.de.

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