Werdohler Männer werden immer mutiger

Peter Ebener ist im WK-Warenhaus zuständig für die Herrenmode-Abteilung. Und er weiß: Das Einkaufsverhalten seiner Geschlechtsgenossen hat sich im vergangenen Jahrzehnt grundlegend geändert. - Foto: Koll

WERDOHL - Männer gehen nicht gerne einkaufen. Und sie ziehen sich auch stets gleich an: Knallige Farben und körperbetonte Schnitte sind verpönt bei den Herren. Soweit die Klischees. Die Realität sieht ganz anders aus. Das jedenfalls haben die Verantwortlichen im WK beobachtet.

„Bestimmt die Hälfte der Herren kommt sogar schon alleine, um Kleidung für sich einzukaufen“, weiß Peter Ebener, Verantwortlicher für den Bereich Herrenmode. „Das war vor zehn Jahren noch ganz anders.“

WK-Geschäftsführer Manfred Beiske schätzt sogar, dass es 60 Prozent seien, die auf die Begleitung ihrer Partnerin verzichten, wenn es um den Mode-Einkauf gehe. „Ganz anders sieht das bei Unterwäsche aus“, verrät er. „Die kaufen zu 80, wenn nicht gar 90 Prozent die Damen alleine für ihre Männer.“

„Und der Mut zu Farbe und engeren Schnitten nimmt absolut zu“, erläutert Mirco Benz, Mode-Einkäufer des Werdohler Kaufhauses. „Vor einem Jahr haben die Bis-35-Jährigen vorgelegt, bei den Ab-35-Jährigen fängt das aktuell im Herbst an.“

Grün sei in diesem Bereich derzeit die Trendfarbe, die sich am besten verkaufe. Auch rosa ginge gut. Lachs dagegen werde nur verhalten angenommen von den Werdohler Männern. Die Bis-35-Jährigen, die im Herbst noch etwa ein knalliges Gelb tragen, kehren demnächst jedoch wieder zu den gedeckten Farben zurück: grün, schwarz, blau und braun.

Benz blickt weiter in die Zukunft: „Im Frühjahr 2014 kommen die amerikanische Flagge und der britische Union Jack in Mode – auf T-Shirts, Gürtel, Jacken, Schals und sogar eingearbeitet in Jeans-Hosen.“ Überhaupt gebe es eine Wiederauferstehung des Jeans-Stoffes im Frühjahr: als Hosen, Hemden und Jacken.

„Und auffällig ist: Männer zeigen Figur. Alles wird wieder schmaler und die Jacken kürzer“, weiß Benz. Das sei eine Renaissance der 80er-Jahre. „Hemdkragen sind jetzt höher angesetzt“, ergänzt der Einkäufer in Bezug auf die Mode für die älteren Herren. „Im Jugendbereich gibt es dagegen auch Mal einen Schalkragen.“

Auch im Business-Bereich gilt nicht mehr nur: Was geht sind Anzüge in schwarz oder dunkelblau, dazu ein weißes Hemd. Vielmehr bekommt auch der beruflich schick gekleidete Mann mehr Mut zu Farbe. Ebener zählt auf: „Anzüge haben aktuell sehr oft die Farbe marine. Auch anthrazit geht. Die Silhouette wird auch hier schmaler.“

Ebenso übrigens die Krawatten, laut Ebener „der Schmuck des Mannes“. Dieser kommt aktuell kaum noch unifarben daher. Karo-Muster stehen hoch im Kurs. Ebener: „Schals dagegen werden kaum noch getragen bei Erwachsenen. Was dagegen wieder kommt – auch bei Jüngeren – ist die Fliege statt der Krawatte.“

Generell sei es vorbei mit der Eintönigkeit in den Kleiderschränken der Männer. Beiske erlebt oft: „Die Herren kommen gezielt und verlangen von uns was peppiges.“ Seine Erfahrung sei selbst bei den Farb-Skeptikern: „Man muss es einmal anprobieren und an sich selbst sehen. Dann ist jeder überzeugt.“

Die wenigen Männer, die noch mit der Partnerin zum Einkaufen gehen, seien einfacher zu animieren, Mut zu zeigen. Beiske: „Die Partnerinnen sind da aufgeschlossener.“

Von Michael Koll

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