Mächtig was los beim „kleinen Müllmann“

Peter Habraschewski stand mit seinem Presswagen erst am Riesei und am Nachmittag in Ütterlingsen.

WERDOHL ▪ Es ist eisekalt auf dem schattigen Parkplatz am Riesei an der Einmündung zur Stadionstraße. Peter Habraschewski kann nur kurz in die aufgewärmte Kabine seines großen Sperrmüllwagens, dann muss er wieder nach hinten, zum Presen und Reden.

Die Werdohlerinnen und Werdohler nutzen das Angebot des Zweckverbands für Abfallbeseitigung (ZfA) in Scharen, ihren Müll direkt zum Entsorgungsfahrzeug zu bringen. Mancher denkt wohl, dass es eigentlich nicht ganz richtig ist, für die Müllentsorgung voll zu zahlen, die stinkenden Säcke aber jetzt selbst im Auto zur Müllabfuhr zu bringen. Laut sagen es die wenigsten, die meisten sind froh, den sich zu Hause anhäufenden Müll endlich los zu werden.

„Es gibt nur wenige Meckerköppe“, meint Peter Habraschewski, der von sich selbst auch als „armer kleiner Müllmann“ spricht. Die meisten hätten Verständnis für die Situation, dass die Entsorgungswagen von Lobbe nicht in zugeschneite, enge und steile Nebenstraßen fahren können. Oft ist es so, dass die Tonnenvorzieher die Behälter vom Grundstück an die Straße holen, der Wagen anschließend aber trotzdem nicht die Behälter abholen kann. Das stiftet Verwirrung.

Straßen wie der Klosterweg, am Fahrenstück, Bremfeld, Bergstraße, Waldschlösschen oder die meisten Nebenstraßen in Pungelscheid, da könnten die Müllwagen trotz der Schneeketten einfach nicht hin. Sich auf einer zugeschneiten Fahrspur zwischen parkenden Autos und Schneebergern durchzulavieren, sei für ein Entsorgungsfahrzeug zu schwierig und für die parkenden Autos zu gefährlich.

Habraschewski zieht sich die Handschuhe an und geht nach hinten zum Presswerk seines Wagens. Eigentlich fährt er ausschließlich Sperrmüll ab und hat dabei auch viel mit den Kunden zu tun. Gestern war Habraschewski auch der inoffizielle Sprecher von Lobbe und dem ZfA. Jeder zweite Müllbürger hatte etwas zu fragen oder zu sagen, und Habraschewski gab bereitwillig Auskunft, fing die eine oder andere Beschwerde mit einem launigen Wort ab und sorgte dafür, dass die Stimmung gut blieb.

Morgens um neun Uhr hatte er seinen Wagen bei minus neun Grad in Position gebracht und musste erstmal die Hinterlassenschaften an den Containern aufräumen. „Viele stellen in der Nacht vor dem Entsorgungstermin ihre Brocken an den Standort“, so Habraschewski. Das sei schlicht und einfach verboten und „blöde“ für ihn sowieso, weil der Müllfahrer unbedingt erst den Containerstandort sauber machen muss, bevor er seine Kunden am Wagen bedienen kann. Habraschweski kriegt von allen einen „Guten Rutsch“ gewünscht, viele bedanken sich tatsächlich mit einem Händedruck und einem persönlichen Wort. So kurz nach Weihnachten und kurz vor Silvester gehört das offensichtlich zum guten bürgerschaftlichen Umgangston.

Gegen Mittag wird der Andrang immer größer, die Autos parken kreuz und quer, dann kommt auch noch der Linienbus. Säcke und Plastiktüten wandern in den Schlund des Presswagens, herausgewuchtet von Rücksitzen und Kofferräumen. Ein junger Mann fragt, ob er mit seinem Anhänger gleich die vollen Tonnen aus der Nachbarschaft bringen darf. „Klar“, sagt Habraschewski, „geht“ – aber er solle noch einen starken Mann mitbringen. Der Presswagen hat nicht die Vorrichtung zur Behälteraufnahme.

Habraschewski verabschiedet sich von seinen Kunden: „Wir sehen uns beim Sperrmüll.“ Oder auch schon früher. Der Winter ist noch lang und sicher wird es noch den ein oder anderen Tag mit einer Sonderentsorgung geben.

Volker Heyn

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