Not macht erfinderisch: Wie Meschede & Co. Azubis findet und gute Mitarbeiter zu halten versucht

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Unternehmer Dirk Middendorf (links) erklärt Sandra Pawlas und dem Landtagsabgeordneten Thorsten Schick, warum an der Hasenhelle auch nach fast 100 Jahren noch Elektromotoren repariert werden.

Werdohl - Auszubildende seien noch einigermaßen gut zu finden, sagt Dirk Middendorf, auch wenn es zunehmend schwieriger werde und man bei der Qualität Abstriche machen müsse. Für einen Zweig seines Unternehmens sucht der Geschäftsführer von Meschede & Co. jedoch seit Jahren erfolglos nach Fachkräften.

Die Situation auf dem heimischen Arbeits- und Ausbildungsmarkt und die Suche nach Fachkräften und Auszubildenden waren die Themen, die der Werdohler Unternehmer gestern mit Sandra Pawlas, Chefin der Agentur für Arbeit in Iserlohn, und mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Thorsten Schick erörterte. Dabei versuchte Middendorf, die Probleme, die ein mittelständischer Handwerksbetrieb bei der Mitarbeitersuche hat, greifbar zu machen. 

Mit einem kleinen Unternehmenszweig besetzt Meschede & Co. eine Marktnische: 1920 als Reparaturwerkstatt für Elektromotoren gegründet, bieten die Werdohler diesen Service immer noch an. Mittlerweile werden am Stammsitz an der Hasenhelle immer weniger Reparaturen ausgeführt. „Früher haben wir dafür sechs, sieben Leute beschäftigt, heute sind es noch zweieinhalb“, sagt Middendorf. Nicht, dass zu wenig Arbeit da wäre. Middendorf glaubt sogar, dass der Bedarf dafür noch lange Zeit bleiben wird, weil viele Maschinen in der Industrie mit Elektromotoren laufen. „Es ist aber schwierig, jemanden zu finden, der das machen will“, hat der Unternehmer festgestellt. „Auszubildende für den Elektromaschinenbau suchen wir seit zehn bis zwölf Jahren vergeblich.“ 

Verschiedene Ausbildungsgänge möglich

Immerhin bildet Meschede & Co. aber noch in anderen Berufen aus: Angehende Elektroniker der Fachrichtungen Energie- und Gebäudetechnik beispielsweise können in dem Unternehmen Karriere machen. Leicht zu finden seien gute Bewerber aber auch dafür nicht, sagt Middendorf, der seinen Azubis sogar in einer umgebauten Wohnung Firmenräume zum gemeinsamen Lernen in der Gruppe zur Verfügung stellt. Doch Not macht erfinderisch: „Wir suchen verstärkt auf alternativen Wegen, beispielsweise im Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft.“ Auch Studienabbrecher seien Kandidaten für eine Ausbildung – und nicht zuletzt Zuwanderer. Erst kürzlich hat Middendorf einen 28-jährigen Syrer eingestellt, der eine Ausbildung zum Elektrotechniker machen wird. 

Ärgerlich findet Middendorf, der regelmäßig, aber nur für den eigenen Bedarf ausbildet, dass Mitarbeiter immer wieder von Industriebetrieben abgeworben werden. „Die Industrie bildet selbst zu wenig aus und bedient sich dann beim Handwerk“, beklagt er. Von guten Mitarbeitern, die er zu Fortbildungen schickt, lässt er sich deshalb auch schon einmal vertraglich zusichern, dass sie im Unternehmen bleiben. 

Middendorf brach auch eine Lanze für das System der Dualen Ausbildung mit den Lernorten Betrieb und Berufsschule. Überhaupt glaubt er, dass eine handwerkliche Ausbildung eine gute Basis für die Berufskarriere sein kann. Middendorf selbst hat zwei Semester Automatisierungstechnik studiert. „Dann habe ich erkannt, dass das der falsche Weg ist, habe Meister und Betriebswirt gemacht und dann die Firma übernommen“, zeigte er einen möglichen Weg auf, auch ohne akademischen Abschluss im Handwerksberuf zum Erfolg zu kommen.

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