Lutherjahr: Leben ohne Rechtfertigungsdruck

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Mit rund 90 Teilnehmern war der Auftakt der vierteiligen Veranstaltungsreihe der Evangelischen Kirchengemeinde zum Lutherjahr am Donnerstagabend gut besucht.

Werdohl - „Du bist angekommen – bedingungslos“ hieß es am Donnerstagabend zum Auftakt der Veranstaltungsreihe zum Lutherjahr im Gemeindehaus in der Stadtmitte.

Vier Abende sollen bis Ende des Monats „die vier Grundgedanken der Reformation“ ausführlich darstellen, wie Pfarrer Dirk Grzegorek zur Begrüßung den rund 90 Besuchern mit Petra Müller, Predigerin der Evangelisch-Landeskirchlichen Gemeinschaft, erläuterte. 

Beim Auftaktabend stand der Grundgedanke „Allein die Gnade“ im Mittelpunkt. Alle vier Abende – die folgenden lauten: „Allein Christus“, „Allein der Glaube“ und „Allein die Schrift“ – seien „elementar, konkret und zeitgemäß“, erklärten die beiden Moderatoren. 

Tisch-Gesprächsrunden als "Eisbrecher"

Zum Beginn sollten sich dann alle Besucher von einem prall gefüllten Tisch einen Gegenstand aussuchen, der für ihn typisch sei. In Kleingruppen stellten sich die Anwesenden so einander vor. Einen „Eisbrecher“ nannte Grzegorek diese Tisch-Gesprächsrunden. Eine weitere folgte nach zwei Theater-Spielszenen zum Thema Rechtfertigungsdruck – eine spielte im Büro, eine im privaten Leben. 

Ergebnisse der Kleinrunden wurden dann auch im großen Plenum zusammengetragen. Manchmal müsse ein Mensch sich gar nicht rechtfertigen, denn gelegentlich werde ihm sowieso nicht geglaubt, manchmal treffe eine so genannte höhere Gewalt – wie ein Stau – die Schuld. 

Insbesondere bei einem Vorgesetzten mache der Ton die Musik und „in einer Beziehung hat der Mann zum Beispiel immer Unrecht“, sagte schließlich ein Teilnehmer des Abends. Selbstkritisch gestand dann Pfarrer Grzegorek ein: „Ich kenne das von mir, dass ich mich manchmal vor mir selbst rechtfertige.“ Andere rechtfertigten sich häufig vor Mitmenschen. 

Grzegorek stellte jedoch klar: „Das muss man nicht, wenn der andere einen wertschätzt. Dann nimmt er auch meine Fehler hin.“ Diesen Weg der Erkenntnis sei Martin Luther ebenso gegangen. Dieser habe sich gefragt: „Wie kann ich mich, wenn ich meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werde, vor Gott rechtfertigen?“ 

"Bin ich Gott genug?"

So sei er als junger Mann ins Augustiner-Kloster gegangen. Grzegorek schilderte: „Doch je mehr er dort leistet, umso unsicherer wird er: Bin ich Gott genug?“ Gott aber mache nicht gerecht, indem er Sünder bestrafe. Grzegorek betonte: „Luther erkennt vor 500 Jahren: Der Glaube allein macht gerecht.“ 

Weiter führte der Geistliche aus: „Gott ist kein Richter, nein, er rechtfertigt uns.“ Er sei nicht verurteilend, sondern barmherzig, gnädig und liebend: „So ist das Leben jedes Gläubigen gerechtfertigt.“ Es folgte die Vertiefung der theologischen Inhalte mit besonderem Hinblick auf die Person und das Wirken Martin Luthers. 

„Jeder Abend wird seinen eigenen Charakter haben“

Predigerin Müller rezitierte Bibelstellen und überlieferte Aussagen des Reformators. Diese wurden so aufbereitet – teils auch in Gruppenarbeiten an den Tischen –, dass jeder sie für sich individuell auslegen konnte, damit sie möglichst lange in seinem Leben wirken. 

Auf die weiteren drei Runden der Veranstaltungsreihe blickend, sagte Pfarrer Grzegorek: „Jeder Abend wird seinen eigenen Charakter haben.“ So werden auch Film-Einspieler benutzt werden. 

Die Überschriften lauten für Donnerstag, 9. Februar: „Gott interessiert sich für Dich“; für Donnerstag, 16. Februar: „Ich glaub’ an Dich – Dein Gott“; und für Donnerstag, 23. Februar: „Darauf kannst Du Dich verlassen“. Alle Abende beginnen um 19.30 Uhr im Gemeinderaum der Christuskirche an der Freiheitstraße.

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