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„Lustig ist das alles nicht“: Speditionen ächzen unter A 45-Sperrung

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Von: Maximilian Birke

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Kehren nicht mehr jeden Tag nach Werdohl zurück: Die Fahrzeuge von NBTK Ulbrich.
Kehren nicht mehr jeden Tag nach Werdohl zurück: Die Fahrzeuge von NBTK Ulbrich. © Maren Krombach

Dass die Sperrung der Talbrücke Rahmede auf der A 45 weitreichende Folgen hat, ist unbestritten. Auch die Spediteure in Werdohl beklagen, dass sich Umwege und Staus massiv auf ihren Berufsalltag auswirken.

Werdohl – „Es ist eine Katastrophe“, sagt Marc Andreas Krombach, Geschäftsführer von NBTK Ulbrich. „Diese Sperrung nimmt uns die Grundlage unseres täglichen Arbeitens.“

Wegen beschädigter Straßen und Baustellen nach dem Hochwasser sei man ohnehin leidgeplagt. Und nun auch noch das. Fahrzeiten verdoppeln und verdreifachen sich zum Teil. Nach Bochum habe man sonst mit dem Lkw etwa eine Stunde und zehn Minuten gebraucht. Aktuell sind es zweieinhalb bis drei Stunden. „Wir merken jetzt erstmal, wie sehr wir an der A 45 hängen“, sagt Krombach. Es gebe derzeit so gut wie keine Ausweichwege.

NBTK hat schnell reagiert und einen Teil seiner Fahrzeuge bei einem Unternehmen in Hagen abgestellt, um von dort aus schneller agieren zu können. „Ich habe mich am vergangenen Freitag schon von dem Gedanken getrennt, meine Fahrer noch regelmäßig zu sehen“, schildert Krombach.

Die Lkw zurück ins Lennetal zu fahren, sei nicht in jedem Fall sinnvoll und zudem müssen die Fahrer ihre Lenkzeiten beachten, die gesetzlich beschränkt sind. Daher werden die Fahrzeuge nun zum Teil an anderen Stellen geparkt. „Die Lieferscheine schicken die Fahrer per Post.“

Die Verzögerungen auf den Straßen sorgen dafür, „dass die Produktivität massivst nach unten geht“, beklagt Krombach. Die Logistikkosten steigen und auf den Mehraufwendungen bleibe NBTK zum größten Teil sitzen.

„Jetzt sind schlaue Leute gefragt, die sich Gedanken machen“, sagt Krombach. Eine schnelle Lösung müsse her, um besonders Lüdenscheid zu entlasten. Die Anpassung der Ampelschaltungen und die Einrichtung der weiträumigen Umleitung, habe bereits Erfolg gezeigt. Dennoch sei es „brandgefährlich für die Anwohner“, wenn in Lüdenscheid längerfristig Lkw fahren müssen.

Auch der Asphalt werde der Belastung nicht lange standhalten. „Die Stadt werden wir kaputt fahren, wenn es keine Lösung gibt. Wir alle gemeinsam.“

Krombach bezeichnet es als „abenteuerlich“ wie mit der A 45 als Lebensader für den Märkischen Kreis umgegangen wurde. Seit zig Jahren seien die Schäden an der Brücke bekannt. Nicht nur im Fall der Talbrücke Rahmede ließen sich „große politische und planungstechnische Versäumnisse“ erkennen: Probleme gebe es auch auf kleinerer Ebene, zum Beispiel an den Lennebrücken in Ütterlingsen und Nachrodt. Für ihn sei das besonders ärgerlich, weil er als Spediteur Mautabgaben leisten muss.

„Wir zahlen im Jahr mehr als eine Million Euro Mautkosten. Man fragt sich schon, wo das Geld eigentlich hingeht“, sagt Krombach frustriert. Dennoch gibt er sich optimistisch, dass es eine Lösung geben wird. „Um es mit den Worten unserer Altkanzlerin zu sagen: Wir schaffen das – wenn man jetzt gemeinsam nach Lösungen sucht. Es nutzt nichts, sich zurückzulehnen und zu sagen, dass die Politik versagt hat.“

Weniger optimistisch ist Michael Schmidt, Geschäftsführer von Haaf STS in Bärenstein. Auch er kann berichten: „Die Sperrung der Brücke wirkt sich extrem aus.“ Fahrzeiten vervielfachen sich und jeden Tag entstehen Mehrkosten, auf denen die Firma sitzen bleibt. Wie teuer die erste Sperrwoche Haaf STS zu stehen kommt, werde man am Freitag auswerten.

„Lustig ist das jedenfalls alles nicht“, sagt Schmidt. Er hofft, dass sich die Situation zumindest etwas bessern wird, sobald die B 236 als direkte Verbindung zwischen Werdohl und Altena wieder geöffnet ist. Was die Situation auf der Talbrücke Rahmede betrifft, geht Schmidt nicht davon aus, dass sich vor März viel ändern wird.

Die Unternehmen in Werdohl spüren die Auswirkungen der Talbrücken-Sperrung ebenfalls. So berichtet Philip Verbnik, Sprecher von Werdohls größtem Arbeitgeber VDM Metals, dass einige Kollegen aus dem Ruhrgebiet pendeln und jetzt deutlich länger für ihren täglichen Arbeitsweg brauchen. Auch für den notwendigen Verkehr zwischen den verschiedenen VDM-Werken, zum Beispiel dem Schmelzwerk in Unna und dem Warmwalzwerk in Siegen, ist die Sperrung ein Problem.

„Wir haben Krisengespräche geführt. Den zeitlichen Mehraufwand müssen wir einplanen. Logistisch ist die Situation eine große Herausforderung“, sagt Verbnik. Eine gute Verkehrsinfrastruktur sei für die täglichen Abläufe wichtig. „Die Situation jetzt ist sehr kritisch und hat sich enorm zugespitzt.“

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