Lord rockt weniger als sonst

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Akustisch kamen Cry Free aus Ungarn ihren Idolen Deep Purple extrem nahe: Wer die Augen schloss, hörte beinahe keinen Unterschied zwischen Original und Fälschung mehr.

Werdohl - Von laut bis leise, von wildem Kopfschütteln bis hin zu Tanzen: Der Donnerstagabend in der Musikkneipe Alt Werdohl bot alles, was den Fan begeistert.

Vier Bands spielten in der Gaststätte von Kultwirt Jürgen „Pöngse“ Krutzsch. Umstrittener Höhepunkt war dabei die australische Funk-Rock-Gruppe Pimpin’ Horus. Nicht alle Zuschauer fanden sie gut, aber wer einen Zugang zu diesem Quintett fand, genoss die außergewöhnliche Sound-Mischung, die sie boten. Die Gruppe klang, als würde Stevie Wonder mit den Red Hot Chili Peppers eine Party feiern – und zwar eine ziemlich heftige.

Vor den weit gereisten Musikern von Down Under allerdings spielten am Donnerstag bereits Any Beats Counts – kurz: ABC. Dabei handelt es sich um das neue Projekt der Werdohler Sängerin Elisabete Vidal.

„Du wirst auch mit jeder Band besser“, sagte nach dem Auftritt ein Zuschauer zu Elli. Und tatsächlich: Ihre Stimme klang schwärzer als gewohnt. Und dieser Umstand zog bereits beim ersten Stück der Cover-Band verzückte Jubelstürme nach sich. Schon nach Sekunden war die Premiere des Trios damit gelungen.

Dann ließen sie Metallicas „The Unforgiven“ wie einen Eagles-Klassiker erscheinen. Als dann Damian Copp noch in den Background-Gesang einstieg, hörte der Fan in Gedanken das Lagerfeuer knistern. Bei „Who Knew“ von P!nk wehte einem dagegen imaginäre Stadionluft um die Nase.

Die ist der New Yorker Lord Bishop längst gewohnt, tourt er doch seit Jahren um die Welt mit seinem Rock-Circus. Gewohnt krachig und energetisch stieg er bei seinem erneuten Gastspiel im Alt Werdohl ein, um dann allerdings ungewohnt bluesige Töne über weite Strecken anzuschlagen. Damit enttäuschte er seine sauerländer Fans allerdings.

Der Witzbold begrüßt seine Fans in Werdohl jedes Mal unter einem anderen Pseudonym. Am Donnerstag nannte er sich Cyndi Lauper („Girls Just Wanna Have Fun“) – vielleicht eine Hommage an seine junge Tochter, die der extrem bunt gekleidete Gitarrist und Sänger ins Alt Werdohl mitgebracht hatte.

Der amerikanische Hüne trat dieses Mal aber freiwillig ins zweite Glied. Den Vortritt ließ er einer weiteren Cover-Band: Cry Free aus Ungarn haben sich spezialisiert auf die Songs von Deep Purple. Sie traten vor Jahresfrist bereits einmal in Pöngses Wohnzimmer auf.

Wer am späten Donnerstagabend die Augen schloss, glaubte fast, das Original zu hören. Cry Free boten eine umjubelte und makellose Show – von „Highway Star“ über „Smoke on the Water“ bis hin zu „Child in Time“.

Von Michael Koll

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