Mitternachtsmesse lässt Blut kochen

+
Breitbeinig stellte sich Lord Bishop direkt vor die Fans: ein Musiker zum Anfassen. ▪

WERDOHL ▪ Einen hochkarätigen Konzertabend bescherte der New Yorker Lord Bishop wieder einmal den Werdohler Musikfans. Am Vorabend des Feiertages wackelten in der Musikkneipe Alt Werdohl ordentlich die Wände – so, wie sich das gehört, wenn der Lord zu Gast ist.

Bishop mischte sich erst einmal unters Publikum, gab Autogramme, scherzte mit den Sauerländern und verfolgte, was seine Kollegen auf der Bühne veranstalteten.

Da war zunächst das Kölner Quartett Rita Dando. Geboten wurden deutschsprachige Songs mit Titeln wie „Der am Ufer sitzt, sollte mit Steinen werfen“ und teils auch mit Begleitung vom Akkordeon.

Die beiden Frontmänner machten sich bereits nach ihrem zweiten Stück obenrum teilweise frei. „Ist ganz schön warm im alten Werdohl“, kommentierte das einer der beiden. Zwar mögen die Gemäuer des Alt Werdohl schon betagt sein, doch der Gypsy-Punk von Rita Dando war richtig frisch. So was hatte das musikbegeisterte Publikum dort längst einmal verdient.

Noch besser sogar war die Kost, die die Gruppe Super Hard Boys servierte. Zwar hatten sich die Musiker einen extrem albernen Bandnamen ausgedacht, doch ihr Sound ließ angenehme Erinnerungen an die legendären Kyuss wach werden: Ein brutal-knackiger Bass bildete die Basis für staubtrocken-kreischende Gitarrenriffs. Das Ganze wurde mit Hilfe von Verzerrern sphärisch verfremdet und mit Pink-Floyd-esken Effekten veredelt – und zwar immer dann, wenn es gerade zu eingängig zu werden drohte. Logisch, dass die „harten Jungs“ die einzige Band des Abends war, von denen eine Zugabe gefordert wurde.

Dann folgte ein Heimspiel: Dass der Werdohler Instrumentalist Benny Peiser ein Ausnahmegitarrist ist, ist an Lenne und Verse schon ewig kein Geheimnis mehr. Mit seinem neuen Instrumental-Trio Wolfman Blues Orchestra spielte er – wie der Bandname schon verrät – Blues. Die Musik besaß eine urgewaltige Kraft. Bennys Soli waren saftig, der Bass funky.

Aus Melbourne in Australien kamen dann Cast Iron Piñata. Die Enttäuschung des fünfstündigen Abends bot altbackenen Hau-Drauf-Hard-Rock mit klischeehaften Songtiteln wie „Devil Woman“. Beim Publikum kam das zu fortgeschrittener Zeit aber durchaus an.

Dann hielt Lord Bishop seine segensreiche Mitternachtsmesse, welche Adrenalin, Glück und kochendes Blut erzeugte. „Rock me ‘til my Back Ain’t got no Bone“ (zu deutsch: Schüttelt mich durch, bis mein Rückgrat keinen einzigen Knochen mehr enthält) forderte er die Fans auf.

Der Lord hat mehr Soul in der Stimme als alle Adeles dieser Welt zusammen. Dabei kommt sein Sound durchaus so rotzig daher, wie ein Zwei-Minuten-Kracher der Ramones. „Death is Democratic“ (zu deutsch: Der Tod ist demokratisch) stellte der Zwei-Meter-Hüne in einem Song fest. Mitgebracht hatte der bunte Vogel Bishop auch ein paar Coverversionen. Besonders gelungen war seine Interpretation des Überhits der White Stripes „Seven Nation Army“. Der New Yorker verabschiedete sich von seinen Fans mit den Worten: „My name is Helge Schneider“.

Von Michael Koll

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare