Feuerwehrdienst ist „praktizierte Demokratie“

Manfred Theile

Werdohl - Ein Zeppelin sei einst als Einsatzfahrzeug im Dienste der Feuerwehr Eveking gewesen, berichtete Alfred Hinsching. Er hielt vor mehreren hundert Festgästen anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Löschzuges ein Grußwort im Auftrag der Alterskameraden.

Das Flugschiff habe aber nicht in die Halle gepasst, so hätten es die Kameraden für jeden Einsatz „mühsam aufpumpen“ müssen. Das habe im Zweifel zu lange gedauert. So sei der Zeppelin anschließend im Aluminium-Werk nebenan eingeschmolzen worden.

Hinsching landete mit dieser verbürgten Anekdote, wie er versicherte, den ein oder anderen Lacher. Zuvor hatten Kameraden aus anderen Löschzügen – sogar aus Lüdenscheid – sowie Vertreter von CDU und SPD ihre Grußworte gehalten. Sozialdemokrat Andreas Späinghaus hatte gesagt: „Ich wünsche Ihnen möglichst wenig Einsätze. Und wenn Sie doch einmal ausrücken müssen, so kommen Sie alle gesund wieder.“

Gut eine halbe Stunde zuvor hatte Zugführer Thomas Scharpe die Festgäste begrüßt. Er erklärte, ein derartige Jubiläum sei „ein großer und wichtiger Moment“. Aber eine Feuerwehreinheit lebe von den Zuwendungen und Zuschüssen aus der Bevölkerung. Deshalb freue er sich, dass diese fortwährend flössen. Scharpe bilanzierte auch, dass die Lebensumstände der Menschen in den vergangenen 125 Jahren komplexer geworden seien. Deshalb stelle sich die Arbeit der Feuerwehrleute heutzutage auch viel technisierter dar. Darauf habe sich der Löschzug Eveking indes eingestellt. „Wir arbeiten zunehmend mit computer-gestützten Systemen.“ Für den weiteren Verlauf des Abends kündigte der Löschzugführer einen Großen Zapfenstreich und vorab eine Chili-Gulasch-Suppe an. „Für den dadurch entstehenden Brand, möchte ich mich jetzt schon bei Ihnen entschuldigen. Wir haben aber auch etwas da, um ihn zu löschen“, so Scharpes Wortspielerei.

Stadtbrandinspektor Manfred Theile listete auf: Der Löschzug Eveking sei gut ausgebildet. Die Fahrzeuge seien aktuell. Das Gerätehaus sei modern. Das alles belege, dass der Löschzug auch nach 125 Jahren „nicht zum alten Eisen“ gehöre. Allerdings bekämpfen die Frauen und Männer dort längst häufiger Umweltgefahren als Brände. Für ihre Arbeit seien „Idealismus, Opferbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und Nächstenliebe“ unabdingbar. Der Dienst bei der Feuerwehr sei „praktizierte Demokratie“. Besonders dankte Theile „den Lebenspartnern der Kameraden“.

Anschließend erinnerte Bürgermeisterin Silvia Voßloh an den schrittweisen Auf- und Ausbau des Löschzuges Eveking. Sie betonte die „ganz entscheidende Bedeutung“ der Feuerwehr-Arbeit, die „keineswegs selbstverständlich“ sei. Das Stadtoberhaupt lobte den „enormen Einsatz“ der Kameraden. Sie hob aber auch den Beitrag ihrer eigentlichen Arbeitgeber hervor, die sie für Einsätze freistellten.

Der stellvertretende Kreisbrandmeister Dieter Grefe erklärte die Herkunft des Begriffs „Feuerwehr“. Qualitätsmerkmale einer solchen seien unter anderem „eine militärische Ausbildung“ und „turnerisches Potenzial“. Heute seien die „Personalressourcen“ knapp. Dabei spiele auch eine Rolle, dass sich die sogenannten „normalen Arbeitszeiten“ immer mehr ausgeweitet hätten.

Von Michael Koll

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