Düstere Geschichten aus dem Mittelalter im Gewölbekeller

Geisterstunde in Pungelscheid

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Doris Althoff umschwirren im Keller Fledermäuse aus Papier

Da gefror den Besuchern das Blut in den Adern: In Doris Althoffs Fortführung der alten Sage vom Freischütz von Pungelscheid kam der düstere Geselle an das Eingangstor des Kellers von Burg Pungelscheid.

 Er blickte auf das Schild mit der Aufschrift „Theodore’s Burgtaverne“, ließ zwei große Holztüren hinter sich und blickte nach dem Eintreten auf die Rücken zahlreicher Zuhörer sowie auf die Säbel und Messer, die in die Decke gerammt waren. In einer kerzenerleuchteten Nische des Kellerraums unter einem imposanten Tonnengewölbe stand einer, der die Sage vom Freischütz von Pungelscheid vortrug: „Es wurde seine Geschichte erzählt – bis zum Ende“, ließ Gastgeberin Doris Althoff die alte Sage vom Freischütz in der Gegenwart ankommen.

Am Samstagabend lag diese für etwa 40 Besucher im alten Kellergeschoss von Burg Pungelscheid. An ihrer Seite hatte die heimische Autorin den mittlerweile in England lebenden Werdohler Michael Martin, der zuvor die klassische Sage vom Freischütz von Pungelscheid erzählt hatte. Der Bursche hatte es in sich: War er doch mit dem Teufel im Bunde und im Besitz einer Zauberkugel, die ihr Ziel nie verfehlte – auch nicht das Herz des Freischützen, als diese Kugel einem Widersacher in die Hände fiel.

Doch der Tod hatte nicht das letzte Wort, variierte Doris Althoff die Geschichte. Sie ließ den Finsterling aus seinem Erdloch kriechen und auf den Weg zu der Taverne machen, die ihren Namen einem einstigen König von Korsika verdankt: Theodor von Neuhoff. Überhaupt tauchten die beiden Vortragenden tief ein in die Geschichte Werdohls: Michael Martin berichtete von seinen Forschungen über Märchen und Sagen des Sauerlandes, von denen es offenbar mehr gibt, als man gemeinhin glaubt. Unverzichtbar für Sagen sind Landschaftsmarken und Auffälligkeiten einer Region, in der eine Sage verortet wird: Im Fall von Werdohl waren das unter anderem der Klosterberg, die Dörfer Almecke und Repke sowie Versevörde und die Lenne, für deren Überquerung die Menschen einst die Dienste eines Fährmanns in Anspruch nehmen mussten. Zwei „Fräulein von der Burg Pungelscheid“ gelang es in der gleichnamigen Sage nicht, zwei wenig ritterlichen Wüstlingen zu entkommen. „Voller Verzweiflung befahlen sie ihre Seele Gott“ und stürzten sich in die Lenne.

Wer genau hinhört, kann bisweilen immer noch ihren verzweifelten Ruf hören: „Fährmann, hol über!“ Und das Raunen der Lenne: „Mörder, Mörder!“ Ebenfalls nicht gut ging die „Geschichte von den weißen Jungfrauen vom Klosterberg“ aus. Aber sie erklärte, warum bei Nebel auf der Hakemet immer noch ihr leises Wehklagen zu hören ist. Eine moderne Sage widmete Michael Martin dem Lenneken – jener Figur, die mit Dutt, Regenschirm und Handtasche über der Lennebrücke thront. In ihr klärte er die Frage, was sie mit dem Werdohler Wetter zu tun hat. Vergnüglich wirkte auch jene Erzählung, die Doris Althoff genau dort nicht weiter las, wo es spannend wurde: In ihr träumen ein Bürgermeister, ein Ordnungsamtsleiter und ein Gärtnermeister vom ganzen großen Geld und geraten rund um Burg Pungelscheid auf Abwege. Wohin diese schließlich führen, wussten einige der Besucher.

Sie verlebten in Theodore’s Taverne einen unterhaltsamen Abend in einer ganz besonderen Umgebung, die bestens zu den vorgetragenen Geschichten passte.

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