VDM Metals steht vor dem nächsten Verkauf

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Seit Herbst 2015 leiten Dr. Thomas Ludwig (links) von Lindsay Goldberg Vogel und Dr. Niclas Müller als Geschäftsführer der VDM Metals das Unternehmen. Wenn das Werdohler Unternehmen verkauft wird, dürften wieder neue Chefs an der Plettenberger Straße das Sagen bekommen.

Werdohl - Die Zeichen mehren sich, dass das traditionsreiche Unternehmen VDM Metals ein weiteres Mal verkauft wird. Die Nachricht, dass der Eigentümer Lindsay Goldberg Vogel (LGV) aus Düsseldorf den Nickel-Spezialisten wieder veräußert, bleibt unwidersprochen.

Erst im Dezember hat VDM 280 Millionen Euro zu besseren Konditionen umgeschuldet. Interessenten aus allen Weltmärkten lassen sich Portfolios, Finanzierungen und Prognosen vorstellen. In den Veräußerungsprozess soll die Investmentbank Morgan Stanley eingebunden sein.

Der Werdohler VDM-Betriebsratsvorsitzende Ralf Fenner klingt allerdings nicht besorgt. Bei der Übernahme durch LGV im Herbst 2015 hatte Geschäftsführer Dr. Thomas Ludwig gegenüber unserer Redaktion erklärt, dass die Private-Equity-Gesellschaft VDM nur deshalb übernehme, um das Unternehmen nach einer Wertsteigerung wieder zu verkaufen. Fenner: „Die Interessenten, die uns damals ebenfalls kaufen wollten, sind weiter an uns interessiert.“

Keine Stellungnahme von LGV

Ob der Verkauf aktuell in eine heiße Phase eingetreten sei, wisse er nicht. Fenner: „Da gebe ich im Moment aber auch nichts drauf.“ LGV gebe prinzipiell keine Stellungnahmen zur Geschäftstätigkeit ab, hieß es am Dienstag auf Nachfrage.

Von den aktuellen Eigentümern ist der Betriebsratsvorsitzende angetan: „Hier hat sich nichts geändert, alles läuft weiter wie vorher.“ LGV habe seit dem Verkauf Wort gehalten und kräftig investiert. Gegenüber dem Süderländer Volksfreund hatte Dr. Ludwig erklärt, dass ein Tarifvertrag für Werdohl, Altena und Unna bis 2019 vereinbart sei.

Das neue Werdohler Wahrzeichen, der blaue Turm neben der Vorthbrücke, sei laut Fenner ein offenkundiges Zeugnis. Auch in den Werken in Altena und Unna werde investiert. Fenner ist sich persönlich sicher: „Die LGV achtet darauf, dass wir an einen vernünftigen Käufer weitergegeben werden.“ Anfragen gebe es von den Chinesen, aus asiatischen Märkten und aus Amerika. Fenner: „Es steht noch nichts fest, jedenfalls weiß der Betriebsrat nichts davon.“

Lindsay Goldberg Vogel kaufte VDM im Jahr 2015

Lindsay Goldberg Vogel hatte die VDM im April 2015 Thyssen Krupp abgekauft. LGV in Düsseldorf vertritt die 13 Milliarden Dollar schwere New Yorker Hauptgesellschaft Lindsay Goldberg im deutschsprachigen Europa. Private Equity ist privates Kapital, dass schwer reiche Unternehmer in Fonds anlegen. Diese Fonds werden mit dem einzigen Ziel der Wertsteigerung und Vermögensvergrößerung in Wirtschaftsunternehmen wie die VDM Metals Gruppe gesteckt.

„Wir sind nicht mehr zu übersehen in Werdohl“, spielt Betriebsratsvorsitzender Ralf Fenner auf den riesigen Neubau neben der Vorth- brücke an. Am Turm wurde gerade die Anbringung des Unternehmensschriftzuges vorbereitet.

Nachdem LGV der kapitalschwachen VDM ein solides finanzielles Fundament untergeschoben hatte, wurde mit Dr. Niclas Müller ein neuer Geschäftsführer in Werdohl eingesetzt. Die Wertsteigerung hat durch die großen Investitionen in den Werken der VDM-Gruppe bereits eingesetzt. Finanz-Online-Medien wie „Der Treasurer“ und „Finance“ von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichteten Ende vergangenen Jahres, dass die VDM-Gruppe ein neues Finanzierungspaket in Höhe von 280 Millionen Euro abgeschlossen habe.

Bankenkonsortium gibt frisches Geld

Davon weiß auch der Betriebsrat in Werdohl. Ohne Investor oder Eigentümer habe VDM nicht genügend Kapital, um eigenständig am Markt agieren zu können. Große Kredite seien zur Vorfinanzierung nötig. VDM hatte im Dezember 2017 von einem Bankenkonsortium bestehend aus Deutsche Bank, Unicredit, HSBC, Landesbank Baden-Württemberg und Landesbank Hessen-Thüringen eine Kreditlinie über 150 Millionen Euro erhalten. Außerdem stellte die Postbank der VDM-Metals-Gruppe eine Factoring-Linie und die IKB ein langfristiges Darlehen bereit.

Damit, so berichtete „Finance“, sei die Akquisitionsfinanzierung von 2015 vollständig abgelöst. Zudem wurden Teile der Gesellschafterdarlehen refinanziert. Die Eigenkapitalquote stieg.

Die Finanzen regelt eine Frau

Für die Finanzen an der Plettenberger Straße verantwortlich ist eine Frau: Neben Geschäftsführer Müller kam 2015 mit Andrea Bauer eine Finanzchefin nach Werdohl, sie agiert seitdem als kaufmännische Geschäftsführerin (CFO) der VDM Metals Group. Die frühere Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin mit deutschem und amerikanischem Examen verfügt über 28 Jahre internationale Berufserfahrung in diversen Führungs- und Geschäftsführungsfunktionen in der Industrie – und seit zwölf Jahren im Private-Equity-Umfeld.

Es scheint also nur passend zu sein, wenn mit dem Prozess Vertraute davon sprechen, dass ein Weiterverkauf bevorstehe. Das „Handelsblatt“ hatte berichtet, dass LGV bis zu 500 Millionen Euro für VDM investiert habe. LGV soll sich vor drei Jahren gegen einen luxemburgischen Stahlkonzern und ein anderes amerikanisch-deutsches Konsortium durchgesetzt haben.

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