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Lieferengpässe für Medikamente: Apotheker müssen reagieren

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Von: Volker Griese

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Medikamente in Apothekenschublade
Immer wieder kommt es zu Engpässen bei der Versorgung mit Arzneimitteln. Der Apothekerverband macht dafür den steigenden Kostendruck und die damit verbundenen Konzentration bei der Herstellung verantwortlich. © Julian Stratenschulte

Dass einzelne Medikamente zuweilen nicht lieferbar sind, ist für Apotheker Horst Jakobi nichts Neues. Er weiß sich zu helfen.

Werdohl – Die Meldung, dass ein für die Behandlung von Krebspatientinnen wichtiges Medikament mit dem Namen Tamoxifen durch Lieferengpässe nicht verfügbar ist, obwohl in der Behandlung darauf nicht verzichtet werden kann, schlug Wellen.

Dann berichtete Jörg Lehmann – er ist Vorsitzender der Bezirksgruppe Märkischer Kreis Süd im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) – über einen weiteren Engpass, der sich kurzfristig ergeben hatte. Dabei ging es um Fiebersäfte für Kinder, die zeitweise nur knapp zur Verfügung standen.

Für Horst Jakobi, Inhaber der Stadt-Apotheke in Werdohl sind Lieferengpässen nichts Neues. „Wir haben täglich vier oder fünf Defekte“, sagt der Apotheker. Als „Defekte“ bezeichnen Apotheker fehlende Medikamente in ihrem Sortiment. Wenn Tag für Tag vier bis fünf Medikamente in einer Apotheke nicht erhältlich sind, klingt das zunächst einmal erschreckend. Doch man muss das relativieren: Apotheker Horst Jakobi beispielsweise hält insgesamt rund 8000 Präparate auf Vorrat.

Damit fällt kaum ins Gewicht, wenn einmal eine kleine bis mittlere einstellige Anzahl von Medikamenten nicht lieferbar ist. „Das ist nicht die Welt“, sagt deshalb Jakobi, schiebt aber auch hinterher: „Für die betroffenen Patienten ist das aber natürlich ein Problem.“

Doch prinzipiell gebe es immer zahlreiche Alternativen, auf die Apotheker bei einem Engpass eines einzelnen Produkts zurückgreifen könnten, beruhigt Jakobi. „Wir können dann meistens auf ein anderes Produkt ausweichen, müssen das aber auf dem Rezept vermerken.“ Was die Kunden der Apotheken am Ende mit nach Hause nehmen, hänge allerdings auch von ihrer Krankenkasse ab, denn nicht alle Kassen bieten die gleichen Konditionen.

„Man bekommt, was die Krankenkasse bezahlt – oder man muss selbst die Differenz zu einem teureren Produkt bezahlen“, erklärt Jakobi. Das allerdings sei den Kunden nicht immer leicht begreiflich zu machen.

Häufig sind es einzelne Komponenten, deren Produktion von nur wenigen Herstellern weltweit erfolgt, dass es bei Medikamenten zu Lieferengpässen kommt. Im Fall von Tamoxifen beispielsweise, ist das ein Hilfsstoff für die Produktion des Krebsmedikamentes. Weil der nicht immer geliefert werden kann, ist auch die Versorgung mit dem Endprodukt schwierig, wenn nicht gar unmöglich.

Horst Jakobi glaubt aber noch einen weiteren Grund für die schlechte Verfügbarkeit von Tamoxifen ausgemacht zu haben. „Der Festbetrag, zu dem dieses Medikament in Deutschland verkauft werden muss, ist so niedrig, dass sich die Produktion für die Hersteller nicht lohnt“, sagt er. Das gelte auch für andere Produkte. „Der deutsche Markt ist zu 90 Prozent festbetragsgeregelt, deshalb liefern die Hersteller nicht so gerne nach Deutschland.“ Deshalb sei Tamoxifen beispielsweise im europäischen Ausland besser erhältlich als hierzulande.

Lieferengpässe zu bewältigen, gehört also in den Apotheken vor Ort längst zum Arbeitsalltag. „Grund dafür ist der zunehmende Kostendruck im Gesundheitswesen“, erklärt Thomas Rochell. Er ist AVWL-Vorstandsvorsitzender und meint, dass dieser Kostendruck zu Konzentrationsprozessen führe. So hätten im Falle des Paracetamol-Saftes Medienberichten zufolge mittlerweile die meisten Hersteller die Produktion eingestellt, berichtet Rochell.

„Wir sind in den Apotheken vor Ort zwar gut bevorratet, Nachbestellungen von Paracetamol-Säften sind zuletzt allerdings schwierig gewesen“, sagt der AVWL-Bezirksgruppen-Vorsitzende Lehmann. Der Kostendruck soll auch mit eine Ursache für den Engpass beim Krebs-Medikament Tamoxifen gewesen sein: „Einige Wirkstoff-Zulieferer hatten die Produktion eingestellt, weil diese für sie offenbar nicht mehr wirtschaftlich war.“

„Häufig gibt es aufgrund des Preisdrucks weltweit nur noch wenige Produzenten für Arzneimittelwirkstoffe. Wenn dann bei einem der Wirkstoffhersteller Produktionsprobleme entstehen, können die wenigen verbleibenden Produzenten die Nachfrage nicht decken“, heißt es dazu in der Pressemitteilung des AVWL. „Da die Wirkstoffe meist kostengünstig im Ausland, vielfach in Asien produziert werden, können auch Probleme in den Lieferketten zu Engpässen führen.

Das gilt nach Darstellung von Jakobis zum Beispiel für Medikamente, die mit Sartanen, also blutdrucksenkenden und gefäßerweiternden Wirkstoffen hergestellt werden, die für die Behandlung von Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen eingesetzt werden. Die würden oftmals in Indien oder China hergestellt, und dort seien bei Untersuchungen Verunreinigungen festgestellt worden. Die Folge sei, dass die medizinischen Endprodukte nicht produziert werden könnten.

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