Bilanz nach einem Jahr

Liebeskind Care Academy: Noch nicht am Ziel, aber zufrieden

Der moderne Ansatz der Liebeskind Care Academy zeigt sich auch in den Kursräumen: Auf den Tischen der Schüler stehen Laptops, an der Wand hängen interaktive Smartboards.
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Der moderne Ansatz der Liebeskind Care Academy zeigt sich auch in den Kursräumen: Auf den Tischen der Schüler stehen Laptops, an der Wand hängen interaktive Smartboards.

Vor knapp einem Jahr hat die private Pflegefachschule Liebeskind Care Academy (LCA) in der ehemaligen Hauptschule am Riesei ihren Betrieb aufgenommen. Schulleiter Sylvio Wienbeck blickt zurück und stellt fest, dass sich nicht alle Erwartungen erfüllt haben.

Werdohl – Zufrieden ist er dennoch – auch, weil sich seine anfängliche Skepsis als grundlos erwiesen habe, wie er feststellt.

Sylvio Wienbeck sitzt an diesem Morgen in der einladend wirkenden Mensa der Pflegeschule und versucht sich an einer Zwischenbilanz. „Unsere ursprüngliche Planung konnten wir fast komplett umsetzen“, sagt der Diplom-Pflegepädagoge. 100 Schüler habe die LCA gleich im ersten Jahr ihres Bestehens ausbilden wollen, 60 seien es geworden, erläutert er und wirkt dabei durchaus zufrieden, obwohl das Ziel ja rein rechnerisch nur zu etwas mehr als der Hälfte erreicht worden ist. Doch Wienbeck will den Erfolg nicht nur an Zahlen festmachen. „Mit der Ausgestaltung der Kurse bin ich rundum zufrieden“, versichert er.

Dabei sei er anfangs durchaus skeptisch gewesen, ob das Konzept aufgeht, gibt Wienbeck zu. Wie kann das sein, zumal er das moderne pädagogisch-didaktische Konzept für diese Schule doch mitentwickelt hat? Wienbeck hat die Idee vom gehirngerechten Lernen, die Vorstellung, dass Schüler selbst erwählte Inhalte zu einem vorgegebenen Thema eigenständig in Gruppen erarbeiten, doch von Anfang an propagiert.

Seine Skepsis habe sich auch nicht auf das Konzept an sich bezogen, erläutert Wienbeck: „Ich war eher skeptisch, ob das ausreicht, um eine gute Pflege zu gewährleisten“, ob sich also in der Praxis bewährt, was in der Theorie gut aussieht.

Mittlerweile ist der Leiter der Pflegeschule überzeugt: „Unsere Schüler sind mindestens genauso gut wie diejenigen, die nach dem klassischen Konzept ausgebildet werden.“ Vielleicht sorge das autonome Lernen an der Schule sogar dafür, dass sie in der Praxis selbstständiger arbeiten, mutmaßt Wienbeck. Er glaubt, dass das Konzept der LAC auch von den Einrichtungen akzeptiert wird, in denen die Schüler den praktischen Teil ihrer Ausbildung zur Pflegefachkraft absolvieren.

Was Sylvio Wienbeck mindestens genauso freut wie die Anerkennung durch Seniorenheime, Krankenhäuser und Pflegedienste: „Unsere Schüler sind gerne hier, sie schätzen die Lernatmosphäre.“ Dazu dürfte auch beitragen, dass die LCA eine moderne Form der Umgangs miteinander gefunden hat, dass sich Schüler, Lehrkräfte und Schulleitung auf Augenhöhe begegnen. „Wir versuchen, möglichst wenig mit Sanktionen zu arbeiten“, nennt Wienbeck ein Beispiel dafür. Natürlich gebe es auch an seiner Schule Fälle, in denen Schülern die Motivation zum Lernen abhanden komme.

Die Lehrer versuchten dann aber eher, zusammen mit den Schülern die Ursache dafür zu finden, als die Schüler zu bestrafen. „Man darf ja nicht vergessen, dass wir es hauptsächlich mit jungen Menschen zu tun haben, die in ihrem Leben mit vielfältigen Problemen zu kämpfen haben“, bringt Wienbeck auch Verständnis für zwischenzeitliche Unlust seiner Schützlinge auf.

Doch es hat eben auch nicht alles funktioniert im ersten Jahr der Pflegefachschule, mit der die Plettenberger Pflegedienst-Inhaberin Kerstin Liebeskind unternehmerisches Neuland betreten hat. Im April und August hätten eigentlich neue Kurse beginnen sollen, die die Zahl der Schüler gesteigert hätten. Das ist nicht gelungen. „Uns fehlen die Lehrkräfte dafür“, nennt Wienbeck den Grund. Zwei Lehrkräfte hätten die Schule wieder verlassen, die Stellen würden aber bald neu besetzt. Dann könnten im Oktober zwei neue Kurse mit insgesamt 56 Schülerinnen und Schülern ihre Arbeit aufnehmen.

Sylvio Wienbeck ist Leiter der Pflegefachschule Liebeskind Care Academy.

Damit will sich die Liebeskind-Schule aber nicht zufriedengeben. „Wir haben deutlich mehr Bewerber, als wir im Moment ausbilden können“, berichtet Wienbeck von einer starken Nachfrage nach Plätzen in der LCA. Deshalb werde weiterhin nach zusätzlichen Lehrkräften gesucht. Offensichtlich ist das ein mühseliges Geschäft, denn Ausbilder für Pflegeschulen sind gerade begehrt – nicht nur in den Schulen selbst. „Sie werden oft abgeworben und gehen den Schulen damit verloren“, berichtet Wienbeck davon, dass einige Lehrkräfte in andere Gesundheitsberufe abwandern.

Unerwartete Probleme gab es auch bei der Aufgabe, die Pflegeschüler bei Kooperationspartnern unterzubringen, wo sie Teile ihrer praktischen Ausbildung absolvieren konnten. Weil die Schüler eine generalistische Pflegeausbildung erhalten, müssen beispielsweise Auszubildende aus Seniorenheimen auch einen Teil ihrer Ausbildung in Krankenhäusern verbringen. Die Kontakte stellt die Schule her, was nicht immer einfach sei, wie Wienbeck zugibt.

„Wir gehen inzwischen bis Wipperfürth und Hagen, aber auch die Sportklinik in Hellersen kooperiert mit uns“, erzählt er. Die Kontakte Wienbecks, der bis vor einem Jahr Gesamtleiter der Pflegeschule der Märkischen Seniorenzentren GmbH mit fast 500 Auszubildenden in Iserlohn und Lüdenscheid war, hätten sehr geholfen, das Problem zu lösen.

Und dann war da noch diese Corona-Pandemie, die die LCA im ersten Jahr ihres Bestehens vor manche Herausforderung gestellt hat. Rückblickend kann Sylvio Wienbeck aber feststellen, dass die Schule mit einem blauen Auge davongekommen ist. „Wir haben Glück gehabt: In den Lockdown-Zeiten waren unsere Schüler wegen des Blockunterrichts gerade nicht da.“

Nur einen Kurs habe das Virus „voll getroffen“ berichtet der Schulleiter und meint damit, dass alle Schüler in Quarantäne geschickt werden mussten. Ansonsten habe die Schule ihren Betrieb in Kleinstgruppen oder mit Hybrid-Unterricht aufrechterhalten können. Regelmäßiger Tests zwei Mal pro Woche und andere Sicherheitsvorkehrungen hätten dazu geführt, dass relativ wenige Coronafälle aufgetreten seien. „Seit Anfang August hatten wir zum Beispiel zwei Fälle, das ist überschaubar“, sagt Wienbeck.

Die seit ein paar Wochen geltende Regelung, dass beim Auftreten der Corona-Erkrankung nicht mehr ganze Klassen, sondern nur noch die unmittelbaren Kontaktpersonen der Infizierten in Quarantäne geschickt werden müssen, findet der Schulleiter gut. Damit soll verhindert werden, dass Unterricht ausfällt oder gar eine ganze Schule geschlossen werden muss.

Wienbeck begrüßt das, auch, weil ansonsten wieder auf Videounterricht umgestellt werden müsste. Das habe zwar ganz gut funktioniert, weil die LCA mit moderner Digitaltechnik ausgestattet sei. „Pflegeunterricht muss hauptsächlich in Präsenz stattfinden, sonst geht die menschliche Nähe verloren“, glaubt Wienbeck.

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