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Für die Liebe: Taucher zieht von der Südsee nach Werdohl

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Bettina Hoffmann-Hurry und Alan Hurry.

Werdohl – Aus dem Urlaubsflirt wurde der Bund fürs Leben: Alan Hurry zog für seine Bettina von Mauritius nach Werdohl. Nur den Job nahm er mit - auch wenn er nun eher in trüben Gewässern taucht.

Der Liebe sind Ländergrenzen gleichgültig. Das haben Bettina Hoffmann und Alan Hurry bewiesen: Die Sauerländerin und der Mann aus Mauritius heirateten am 19. Februar 2010 im Standesamt in Lüdenscheid und leben gemeinsam in Werdohl-Ütterlingsen. Bettina Hoffmann sah im Fernsehen den Film „Entscheidung auf Mauritius“, dann war für sie klar: „Da möchte ich mal hin.“ Und so flog sie auf die Insel im Südwesten des Indischen Ozeans. Ein Tauch-Urlaub sollte es sein, erzählt sie und schwärmt vom Gleiten durch eine stille und fantastische Unterwasserwelt.

Alan Hurry wurde auf Mauritius geboren – und hat ein völlig anderes Verhältnis zum Meer: „Ich hatte furchtbare Angst vor dem Wasser“, sagt er und muss schmunzeln. Dennoch heuerte er bei einer Tauchschule auf der Insel an und dachte: „Großartig. Da muss ich nicht schwimmen, nur tauchen.“ Als Begleiter auf dem Ausflugsboot lernte er Bettina Hoffmann – mittlerweile Hoffmann-Hurry – kennen und bat sie zum Abschied um ihre Handynummer. 

Kontakt per Skype

Er sei für sie schon sehr bald mehr als eine flüchtige Urlaubsbekanntschaft gewesen, erzählt sie. „Wir haben uns richtig gut verstanden.“ Und so freute sie sich über regelmäßige Kurznachrichten und Videotelefonate per Skype, zunächst auf Englisch. Dann fassten die beiden den Plan, dass Alan Hurry sie besuchen und Südwestfalen kennenlernen sollte. 

Für Europäer sind Fernreisen etwas Normales, ganz anders ist dies bei einer Reise von Mauritius nach Deutschland. „Ich wollte nur Urlaub in Deutschland machen“, erzählt Hurry vom Beginn eines „extrem schwierigen“ Hürdenlaufs mit „irrsinnigem Aufwand“. Der französische Konsul auf Mauritius verweigerte ihm ein Visum für die EU, mit Hilfe des deutschen Konsuls klappte es. 

Bettina Hoffmann-Hurry hatte auch viel zu stemmen: Sie musste eine Verpflichtungserklärung unterschreiben und damit für sämtliche Risiken seines Aufenthalts einstehen. „Für den Besuch musste ich so viele Unterlagen ranschleppen“, erzählt sie: Kontoauszüge, Gehaltsabrechnung, eine Wohnsitzbescheinigung, und für den Besuch eine Auslandskrankenversicherung. 

Temperaturen wie "im Kühlschrank"

Nach dem Kampf gegen Bürokratie stand Alan Hurry im Herbst 2006 zum ersten Mal bei Bettina Hoffmann vor der Tür. Im kalten Deutschland. „Solche Temperaturen habe ich nur im Kühlschrank“, erinnert er sich an das Gefühl damals. Hurrys erstes Fazit nach dem Besuch war aber durchaus positiv: „Deutschland ist anders, aber auch nicht schlecht.“ 

Die beiden besuchten sich danach noch mehrmals – bis 2009 die Frage nach einer gemeinsamen Zukunft ins Spiel kam. „Sollten wir nach Mauritius ziehen? Sollte ich alles hier aufgeben?“, beschreibt Hoffmann-Hurry ihre Gefühlslage vor zehn Jahren. 

Schließlich stellten beide fest: In Deutschland sind die Möglichkeiten für ein gemeinsames Leben besser. Eine Hochzeit war Pflicht, um dauerhaft zusammen in Deutschland leben zu können. Und: „Ich musste nachweisen, dass ich den Kerl auch verköstigen kann“, erzählt Bettina Hoffmann-Hurry. Aus anfänglicher Angst vor einem großen Schritt wurde Mut – und eine Hochzeit im winterlichen Lüdenscheid. „Gott sei Dank haben wir das gemacht.“ 

Beruflich zurück unter Wasser

Schließlich ging es für ihn beruflich zurück unter Wasser – trübes Wasser oft, schlimmstenfalls dreckige Abwässer in einer Kläranlage. Nach einer Ausbildung zum Industrietaucher ist er für die Firma Aqua-Nautik überall dort im Einsatz, wo es preiswerter ist, Industrietaucher einzusetzen, als große Flüssigkeitsmengen abzupumpen. Und für die Taucher mit eigenem Luftvorrat sei auch der Gestank des Abwassers noch zu ertragen, scherzt er. Auf Großbaustellen etwa, wo immer wieder Grundwasser eindringt und wo auch mal unter Wasser geschweißt oder betoniert werden muss. Manchmal müssen auch die Teiche im Phantasialand gereinigt werden. „Das ist schöne Arbeit.“

Abtauchen in die Baugrube: Der Job von Alan Hurry.

Oft verbringt das Ehepaar nur das Wochenende zusammen im gemeinsamen Haus in Werdohl. Mauritius ist nun für beide zum Urlaubsziel geworden: „Ich bin ein Familienmensch“, sagt Alan Hurry. Seine große Verwandtschaft zieht ihn immer mal wieder auf die Insel. In seine Heimat.

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