Liadan begeistert in der St. Michael-Kirche

Jede der sechs Künstlerinnen beherrschte ihr Instrument auf ganz besondere Weise.

WERDOHL ▪ Es war das versprochene Erlebnis der besonderen Art – das Konzert der irischen Gruppe Liadan am Samstag in der katholischen Kirche St. Michael.

Von Rainer Kanbach

Am Ende konnten alle Beteiligten zufrieden sein: Das Publikum, das die sechs jungen Frauen zum Schluss gar nicht mehr von der Bühne lassen wollte; die Gruppe Liadan, die erleben durfte, wie sich sonst eher zurückhaltende Sauerländer aus der Reserve locken lassen; Pater Irenäus und seine Gemeinde, die durch die Eintrittsgelder einen hohen Euro-Betrag als Spende für ihre Jugendarbeit einstreichen durften.

Unter dem Strich steht ein Abend, der sich insbesondere durch hohe musikalisch-künstlerische Qualität auszeichnete. Mit Sile Denvir an der Harfe, Akkordeon-Spielerin Deirdre Chawke, Valerie Casey und Claire Dolan (beide bearbeiteten die Fiddle) sowie die zwei Flötistinnen Olivia McTernan und Elaine Cormican bewiesen sich als Multitalente. Die sechs jungen Damen stießen dabei auf ein dankbares Werdohler Publikum.

Mit klangvollen, klaren, weichen Stimmen verbreiteten sie eine andächtige Atmosphäre. Andererseits sorgten sie mit ihren klassischen Instrumenten, bei denen Gitarre, Schlagzeug oder Keyboard keinen Platz hatten, ohne Zweifel dafür, dass der Zuhörer vor seinem geistigen Auge die irische Landbevölkerung fröhlich tanzen sieht. Ein Klischee – sicherlich –, aber die traditionelle Folkmusik der Band Liadan ließ diesen Gedanken automatisch aufkommen.

Die St.-Michael-Kirche bot den best-denkbaren Rahmen, um die Vorträge der Musikerinnen richtig zur Geltung kommen zu lassen. Zwar dürfte es nur wenigen der Zuhörer vergönnt gewesen sein, die in gälischer Mundart vorgetragenen Texte zu verstehen, aber die jeweils vorab von Elaine Cormican gegebenen Erläuterungen reichten, um zumindest gedanklich mit in das jeweilige Thema einzutauchen.

Das Schlaflied, ein Song über Auswanderer sowie die Balladen über unerwiderte Liebe mögen als Beispiele dienen. Oder anders ausgedrückt: Gegensätzliche Stimmungen von Tänzen und Balladen wurden gekonnt in nur einem Stück miteinander verbunden; alle vorstellbaren Möglichkeiten der instrumentalen Klangkombinationen wurden hervorragend ausgereizt.

Bei aller Begeisterung über die Stimmenwunder aus Irland, darf die Instrumentalfertigkeit des jungen Sextetts nicht vernachlässigt werden, wobei auch hier eine gewaltige Bandbreite deutlich geworden ist. Der Aufbau musikalischer Spannung, die schnörkellos vorgetragene und unverwechselbare Musik und der Rhythmus – alles im Einklang miteinander – machen so Folklore zum Erlebnis.

Jede der sechs jungen Künstlerinnen beherrscht ihr Instrument, aber im blinden Vertrauen auf das eingeübte Zusammenspiel unterwerfen sich alle Deirdre Chawke. Sie gibt den Takt nicht nur mit dem Akkordeon vor, sondern unterstützt ihre Aufgabe auch mit den Füßen; ganz dezent, leise aber immer hörbar.

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