Leuchtendes Beispiel

Ersen Kurtes (von links), Auszubildender im zweiten Lehrjahr, erläutert mit seinem Ausbilder Jörg Schneider, wie er an der CNC-Maschine Gewinde bohrt. Ludwig Kirchhoff-Stewens (Geschäftsführender Gesellschafter von Rötelmann), Melanie Anlauf (Agentur für Arbeit) und Bürgermeister Siegfried Griebsch hören dem 19-Jährigen gespannt zu. Das erste Ausbildungsunternehmen von Kurtes ging insolvent, Rötelmann hat ihn übernommen.

WERDOHL ▪ „Sie sind das Gegenbeispiel zu ThyssenKrupp Bilstein“, lobte Bürgermeister Siegfried Griebsch. Soeben hatte Ludwig Kirchhoff-Stewens, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Rötelmann in Dresel, geschildert, dass sein Unternehmen seit jeher auch über Bedarf ausbildet. Anlässlich des Tages des Ausbildungplatzes hatte Melanie Anlauf von der Agentur für Arbeit das Werdohler Traditionsunternehmen als „leuchtendes Beispiel“ ausgewählt.

Gleichwohl, so Anlauf, hat die jüngste Wirtschaftskrise in Werdohl, Neuenrade, Plettenberg und Herscheid zu einem bedrohlichen Rückgang an angebotenen Ausbildungsstellen geführt. „Dabei gibt es noch hochqualifizierte Bewerber, die wir noch nicht vermitteln konnten.“ Rötelmann sucht deswegen noch einen zweiten Lehrling für den kaufmännischen Bereich.

Und das, obwohl eher auf handwerklicher Seite ein Fachkräftemangel droht. „In zehn bis 15 Jahren schlägt hier der demografische Wandel zu. Deshalb suchen wir auch gezielt Frauen, die sich für das Handwerk interessieren“, erläuterte Stefan Wesner, Verwaltungsleiter bei Rötelmann. Ein guter, ausgelernter CNC-Zerspaner könnte bereits morgen eingestellt werden, verbildlichte Wesner den Engpass, wie er bereits heute herrscht.

Dabei, so betonte Kirchhoff-Stewens, seien Arbeitsplätze in diesem Bereich längst nicht mehr verbunden mit Dreck oder schwerem Heben. Davon überzeugte sich Bürgermeister Griebsch bei einem Rundgang durch das Unternehmen.

Die 1876 gegründete Firma beschäftigt aktuell 90 Mitarbeiter. Knapp 32 Prozent davon wohnen in Werdohl. Gut 26 Prozent sind Frauen. Ursprünglich war Rötelmann ein Zulieferer der Bergbauindustrie. Heute werden unterschiedlichste Branchen beliefert, zu 70 Prozent mit Hydrauliktechnik. Dazu werden überwiegend Kugelhähne produziert. Bereits 1968 wurden am Werdohler Standort erste Computer eingesetzt.

Mehr als jeder vierte Mitarbeiter hat auch bei Rötelmann gelernt. Wie sehr sich das Unternehmen um Auszubildende bemüht, verdeutlichte Wesner: „1997 oder 1998 sagte eine Bewerberin, die bei uns unterschrieben hatte, eine Woche vor Ausbildungsbeginn noch ab. Wir haben trotz der kurzen Zeit noch einen Ersatz gefunden.“

Rötelmann bildet Industriekaufleute, Zerspanungsmechaniker sowie im Verbundstudiengang Betriebswirte und Elektroingineure aus. Junge Menschen, die bei der Industrie- und Handelskammer Qualifizierungslehrgänge absolvieren, werden seit 1999 in Dresel praktisch angeleitet – und teils übernommen. „Einer von denen“, berichtete Kirchhoff-Stewens, „hat mittlerweile privat ein Haus gebaut und ist einer unserer fundiertesten Mitarbeiter.“

Von Michael Koll

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