Die letzten Tage der Martins-Gänse

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Gänse-Hirte Christian Crone sorgt sich seit Ende Juni um seine 200 Gänse. ▪

WERDOHL ▪ Wenn die ersten Sonnenstrahlen des Tages durch die Ritzen des Stalls fallen, erwacht die Gänseherde von Landwirt Christian Crone auf dem Dösseln – für das weiße Federvieh beginnt der neue Tag wie immer mit viel Geschnatter. Und schon marschieren die Gänse aus dem Stall hinaus an die frische Luft. „Auf unsere Startbahn West“, erzählt Christian Crone.

Gerade morgens recken die Gänse gerne ihr Federkleid, spreizen ihre Flügel weit auseinander und heben bei böigem Wind auch schon mal vom Boden ab. „Zwei bis drei Meter schweben sie dann in der Luft“, berichtet der Chef der Gänse vom allmorgendlichen Ritual.

Seit Ende Juni lebt die Tierherde auf dem Hof Crone. Etwa acht Wochen waren die Gänse jung, als sie bei Christian Crone „einzogen“. Seitdem genießen sie ihr Leben in freier Natur. Das saftige Grün der Wiesen schmeckt, und im Gegensatz zu den Menschen, kam den Gänsen der verregnete Sommer gerade recht. „Sie lieben feuchtes Wetter. Bei Regen waren sie abends nur sehr schwer wieder rein zu treiben“, weiß Christian Crone.

Doch die Tage dieses Gänse-Idylls sind gezählt. Am Freitag wird des Heiligen Martin von Tours gedacht – nicht nur mit Laternenumzügen. Nach wie vor feiern viele Familien diesen Tag mit einem Festmahl: Einer knusprig braungebratenen Martinsgans, Rotkohl und Klößen auf den Tisch. „Etwa ein Fünftel sind bereits vorbestellt“, sagt Christian Crone, der in dieser Woche dem ersten Teil des Federviehs den Garaus machen wird.

„Ein wenig Wehmut ist schon dabei“, gesteht er. Es sei auch nicht auszuschließen, dass der ein oder anderen Gans auffalle, dass abends ein Kamerad fehle. Um den Tieren möglichst wenig Stress zuzumuten, bleiben die bestellten Martinsgänse morgens im Stall zurück, während der Rest der Herde nach draußen marschiert: „Sie kriegen dann gar nichts davon mit.“

Susanne Riedl

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