Die letzten Tage von St. Maria Königin

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Hohl ragt der Kirchbau in den kalten Januar-Himmel über Ütterlingsen. Der Bagger hat das Dach von St. Maria Königin fast vollständig eingerissen, ab kommenden Montag werden auch die Seitenwände abgetragen.

Werdohl - Nächste Woche noch und dann wird von der ehemaligen Kirche St. Maria Königin in Ütterlingsen nichts mehr zu sehen sein. Die katholische Kirchengemeinde lässt das Ensemble nach Jahren des Leerstands abreißen. Es sind die letzten Tage von St. Maria Königin.

Einigen Gemeindemitgliedern macht der Gebäudeabbruch zu schaffen. Vor allem bei denen, die in der Kirche zur Erstkommunion gingen und dort vielleicht geheiratet haben, löst die Auslöschung des Gebäudes Emotionen aus. St. Maria Königin war eben auch ein Ort des Glaubens und der Religiösität – bis die Gemeinde die Kirche aufgeben musste und sie entweiht wurde.

Acht Jahre standen Kirche und Gemeindehaus leer. Sämtliche Vermarktungsideen scheiterten, die Unterhaltung und der Schutz vor Zerstörung kosteten immer noch zuviel. Am Ende blieb für den Kirchenvorstand nur noch der schwere Entschluss, die Gebäude abzureißen. Nach einer gewissen Zeit der Eigennutzung soll das dann freie Grundstück verkauft werden.

Nach einer gemeinsamen Ausschreibung mit der Stadt Werdohl, die das benachbarte Schulgebäude abreißen ließ, wurde die Neuenrader Firma Ossenberg mit den Arbeiten beauftragt. Baggerführer Markus Hempel und sein Kollege Isa Selimaj sind die beiden Hauptakteure. Hempel arbeitet geschickt und effektiv mit dem riesigen Bagger, Selimaj sortiert am Boden Holz, Metall und Abfall aus dem Abbruchmaterial. Wertstoffe und Abfälle werden vom Werdohler Entsorger Menshen abgeholt, Beton und Mauerwerk werden bei Ossenberg in Küntrop zermahlen und später wiederverwendet.

Hempel hat zunächst die Sakristei abgerissen und ist dann mit dem Bagger in die Kirche hineingefahren. Zuerst wurde dort Anfang der Woche das große Kreuz mit der Jesusfigur abgenommen und eingelagert, danach hat Hempel die Holzdeckenkonstruktion heruntergezogen. Nächste Woche sollen dann die Außenmauern fallen. - Von Volker Heyn

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