Lenneradweg: Sinneswandel der SPD

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Die Trassenführung des Lenneradwegs zwischen Rathausbrücke und Kettling war am Dienstag einmal mehr politisches Thema. Die SPD hat nun ihren Widerstand gegen die bislang ungeliebte Variante rechtsseitig der Lenne aufgegeben.

Werdohl - Die SPD scheint sich nun doch zu der von der CDU schon länger favorisierten Radwegtrasse über den Posten 40, die Gewerbe- und Gildestraße zum Kettling durchzuringen.

In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt- und Stadtentwicklung (Ustea) signalisierte jedenfalls der Ausschussvorsitzende Jürgen Henke (SPD) Zustimmung. 

Wie kam es zu dem Sinneswandel? Henke hatte gegen den Willen der Bürgermeisterin („Die hat sich verschlossen.“) und auf Antrag der SPD-Fraktion das Thema Radwegeplanung auf die Tagesordnung der Ustea-Sitzung gesetzt, um die vor einem Vierteljahr durch Hauptausschuss und Rat bereits festgezurrte Planung noch einmal zu diskutieren. Ziel Henkes und der SPD war es, für diesen Abschnitt der Lenneroute eine für Radfahrer attraktivere Route abseits der Verkehrsstraßen zu finden. 

„Schuss“ geht nach hinten los 

Der „Schuss“ ging allerdings nach hinten los, denn der in der Sitzung anwesende Diplom-Ingenieur Klaus Gillmann vom Landesbetrieb Straßen.NRW stellte klar, welche Prioritäten der Bund setzt, der den Radweg letztlich bezahlen muss. „Der Bund ist nicht in der Pflicht, touristische Radwege anzulegen. Ihm geht es einzig und allein um die Entflechtung der Verkehre auf Bundesstraßen“, sagte Gillmann. Im Klartext: Wichtig ist, dass Radfahrer von den Bundesstraßen verschwinden. 

Von der B 236 verschwinden würden Radfahrer zwar theoretisch auch, wenn der Radweg, wie von der SPD bisher favorisiert, auf der linken Lenneseite hinter dem Gewerbegebiet am Kettling angelegt würde. Dann jedoch, erläuterte Gillmann, hätten radfahrende Anwohner vom Kettling praktisch keine Chance, diesen Radweg zu nutzen. „Einstiegsmöglichkeiten gäbe es für sie nur am Biwakplatz oder an der Vorthbrücke“, erläuterte er. Also sei zu befürchten, dass sie doch wieder über die Bundesstraße radeln würden. 

Thomas Schroeder, Fachbereichsleiter im Rathaus, brachte es auf den Punkt: „Die Existenz von Gewerbe- und Gildestraße ermöglicht keine andere Routenführung.“ 

Und noch einen Punkt, der gegen eine Trassenführung links der Lenne spreche, führte Gillmann an: „Wir würden Angsträume schaffen: Wer würde denn im Dunkeln mit dem Fahrrad dort herfahren wollen?“ 

Verkehrsexperte Jürgen Henke kapituliert 

Vor der Wucht dieser Argumente kapitulierte Jürgen Henke schließlich. „Wir werden uns wohl zwangsläufig von unserer Idee verabschieden müssen“, bedauerte der Verkehrsexperte der SPD-Fraktion, richtete den Blick aber sofort wieder nach vorne. Es gelte jetzt, schnell voranzukommen. „Sonst verliert die Bevölkerung doch den Glauben daran, dass wir überhaupt etwas zustande bringen!“ Ähnlich sah das Christoph Plaßmann (CDU): „Es gäbe wahrscheinlich eine attraktivere Lösung, aber jetzt muss die Diskussion auch einmal ein Ende haben.“ 

Ausschussvorsitzender Jürgen Henke hatte das Radweg-Thema einmal mehr auf die Tagesordnung gesetzt.

Diskutiert wurde dennoch weiter, und zwar über die Fragen, ob die Eilentscheidung vor einem Vierteljahr wirklich notwendig war und was in der Zwischenzeit eigentlich erreicht worden ist. Erreicht worden sei zumindest Klarheit in der Frage, in welchem Umfang sich die Stadt an den Kosten für den Radweg beteiligen müsse, sagte Fachbereichsleiter Schroeder. Er hat in der Zwischenzeit herausgefunden, dass die Stadt auf den verwaltungsinternen Kosten, die sie selbst für die Planung des Radweges aufbringen muss, sitzenbleiben wird. 

Der Landesbetrieb übernehme nur externe Kosten für Leistungen, die die Stadt nicht selbst erbringe, verdeutlichte er und erntete zustimmendes Kopfnicken von Klaus Gillmann. Und für die Übernahme dieser Kosten benötige die Verwaltung nun einen Ratsbeschluss, führte Schroeder weiter aus: „Diese Personalkosten müssen genehmigt werden.“ 

Folglich wird sich der Rat in seiner nächsten Sitzung am 29. April noch einmal mit der Radwegeplanung beschäftigen müssen. Vorbehaltlich seiner Zustimmung wird es aber dann wohl endlich vorangehen mit Planung und Bau einer Radwegeverbindung zwischen Rathausbrücke und Kettling.

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