„Pech und Fehlentscheidungen“

Wichtige Bundesstraße im MK: Brückenneubau verzögert sich um Jahre - das ist der Grund

Die Absperrungen auf der Brücke sind in die Jahre gekommen und müssen regelmäßig ausgetauscht werden.
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Die Absperrungen auf der Brücke sind in die Jahre gekommen und müssen regelmäßig ausgetauscht werden.

Christoph Klappert vom Landesbetrieb Straßen.NRW, Standort Netphen, hat die Projektplanung für den Neubau der Werdohler Lennebrücke übernommen – der Mann nimmt kein Blatt vor den Mund.

Fehler seien in der Vergangenheit gemacht worden, Schwierigkeiten seien aufgetaucht, Pech sei hinzugekommen. Sein Fahrplan für den Brückenneubau wirft alle bisherigen Planungen und Vorstellungen über den Haufen.

Die Ausschreibungen für die Errichtung der Fundamente für die Behelfsbrücke aus Stahl werden demnach erst Ende Februar 2021 veröffentlicht. Klappert: „Im Mai werden wir dann eine Firma haben, die die Behelfsbrücke aufbaut.“ Der Bau der Fundamente und das Aufsetzen der vom Bund geliehenen Stahlbrücke dauern ein halbes Jahr. Die Behelfsbrücke muss errichtet werden, damit die marode Lennebrücke anschließend abgerissen und durch einen Neubau an selber Stelle ersetzt werden kann, die für den Auto- und Schwerlastverkehr wichtige Bundesstraße 236 aber nicht für diesen langen Zeitraum gesperrt werden muss.

Arbeiten für die Zuwegung werden Monate dauern

Auch die Straßenbauarbeiten auf dem Grundstück der Firma Pumpen Brinkmann werden einige Monate brauchen. Über die Fläche des Unternehmens wird die Zuwegung zur Behelfsbrücke führen. Dazu kommt der Winter, sodass Klappert realistisch mit einer Fertigstellung der Behelfsbrücke erst im Frühjahr 2022 rechnet.

Dieses Bild der Lennebrücke bietet sich den Autofahrern – mit jahreszeitlichen Schwankungen – seit April 2014. Seitdem ist die Brücke nur einspurig zu befahren. Nach neuesten Angaben von Straßen.NRW dürfte die neue Brücke im Jahr 2025 stehen.

Um nicht in zeitliche Überschneidungen zwischen den Aufträgen zu kommen, dürfen der Abriss der alten Lennebrücke und Bau der neuen Brücke nicht zu früh ausgeschrieben werden. Klappert rechnet mit einer Ausschreibung im Sommer 2022. Es werde ein möglichst nahtloser Übergang angestrebt. Auch Ausschreibung und Auftragsvergabe brauchen ihre Zeit, zudem muss sich die Brückenbaufirma vorbereiten können.

Ab Frühjahr 2023 soll abgerissen werden

Abrissarbeiten der alten Brücke und Baubeginn für die neue Brücke seien für Frühjahr 2023 zu erwarten. Die Brücke könnte schließlich 2025 fertig sein. Der Rückbau der Behelfsbrücke mit der Aufarbeitung des Geländes von Firma Brinkmann kämen noch hinzu.

Wenn dieser Zeitplan Realität werden sollte, wären zwischen der Teilsperrung im Jahre 2014 und einer möglichen Inbetriebnahme 2025 sage und schreibe elf Jahre vergangen.

Projektleitung erst kürzlich übernommen

Christoph Klappert ist sich der Problematik vollends bewusst, er ist nicht erst seit gestern bei Straßen.NRW. „Früher wird es einfach nicht, alles andere wäre gelogen“, wirkt er ehrlich und gerade heraus. Erst vor Kurzem habe er die Projektleitung von der Hagener Niederlassung übernommen. Klappert sitzt in der Niederlassung Netphen bei Siegen. Die Hagener Mannschaft sei personell nicht in der Lage, das Projekt weiterzuverfolgen, sagt der Ingenieur über die Kollegen.

Die neue Brücke über die Lenne könnte in etwa so aussehen. Bis zur Fertigstellung vergehen aber noch einige Jahre.

Klappert spricht häufig von „internen“ Gründen und ist auch bereit, alles ganz genau zu erklären. Aber nicht nur innerhalb des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen habe es wechselnde Zuständigkeiten und Verschiebungen gegeben, auch das Bauprojekt an sich habe große Schwierigkeiten bereitet. Zäh seien die Bemühungen vor allem um die wasserrechtlichen Genehmigungen gewesen.

Konflikte mit Betreiber der Wasserkraftanlage

In Konflikte sei man mit dem Betreiber der Wasserkraftanlage an der Schlacht in Ütterlingsen gekommen, die Bezirksregierung hatte die Anlage sogar vorübergehend stillgelegt. All das habe immer wieder zu Verzögerungen geführt, bis auch endlich die Stadt mit ihrer Ausgleichsmaßnahme zum Bau der Sohlgleite fertig werden konnte.

Lang und schwierig seien auch die Verhandlungen mit Pumpen Brinkmann gewesen. Das Unternehmen will sicher sein, dass der Bau der Brückenzuwegung so erschütterungsfrei vor sich geht, dass die Produktion nicht gefährdet wird. Auch beim – vorübergehenden – Grunderwerb sei Straßen.NRW als Behörde nicht so flexibel wie ein Privatunternehmen. Klappert: „Wir schwimmen nicht im Geld.“

Genehmigung liegt immer noch nicht vor

Der wasserrechtliche Genehmigungsantrag liege tatsächlich seit einiger Zeit bei der Bezirksregierung in Arnsberg, die Erlaubniserteilung dürfe eigentlich nur noch eine Formsache sein, so Klappert. Wieder spricht er von „Gründen“, warum alles nicht etwas schneller ging. Klappert will transparent arbeiten und nichts beschönigen. „Es wurden Fehlentscheidungen getroffen – und es kam Pech hinzu.“ Mehrfach habe Straßen.NRW die Mannschaft gewechselt.

„Interne Gründe“ gebe es zum Beispiel, die Ausschreibungen für die Behelfsbrücke erst im nächsten Jahr herauszubringen. Klappert: „Eigentlich wollten wir das noch vor Weihnachten hinbekommen.“ Auf diese Weise seien sechs Jahre ins Land gegangen, in denen nach frühen ersten Schätzungen die neue Brücke hätte schon längst errichtet werden sollen. „Hilft alles nichts“, sagt Klappert: „Es ist jetzt so, wie es ist.“

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