Fische aufwendig umgesetzt

Lenne in Werdohl trockengelegt: Das ist der Grund

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Nach einer knappen Stunde war der Lennepegel soweit abgesunken, dass nur noch zwei größere Teiche übrig blieben. Vor die Staustufe rechts wird in den kommenden Monaten die Sohlgleite gebaut, die etwa 400 Meter flussabwärts das Bild der Lenne vollständig verändern wird.

Werdohl – Ein wenig Gesurre, dann fuhr das Wehrschütz nahe der Lennebrücke ein kleines Stück nach oben.

Vorarbeiter Markus Hempel von der Tiefbaufirma Ossenberg öffnete das Wehr hydraulisch erstmal nur für ein paar Zentimeter, damit das in den Obergraben strömende Wasser keinen Schaden an den frisch angelegten Böschungen anrichten konnte. Schon nach einer guten halben Stunde baute sich der Wasserdruck aber so weit ab, dass das Schütz komplett geöffnet werden konnte. Die Lenne fiel daraufhin unterhalb der Staustufe an der Lennebrücke trocken. 

Am anderen Lenneufer hatten sich schon Mitarbeiter und Helfer eines Bielefelder Büros für Gewässermanagement bereit gemacht, um die Fische aus dem durch die Sonne im Nu abtrocknenden Lennebett zu bergen. Gerade einmal acht Männer und Frauen waren es, die sich mit Kescher und Eimern auf die Suche nach Bachforellen, Neunaugen, Koppen und Aalen machten. Eigentlich wollte Dr. Andreas Hoffmann vom Büro für Umweltplanung, Gewässermanagement und Fischerei mit rund 20 Helfern aus Bielefeld anrücken. Üblicherweise wird das Planungsbüro bei solchen Aktionen von Ehrenamtlichen aus den Fischereivereinen unterstützt. Doch die heimischen Angler durften wegen der Corona-Einschränkungen nicht mithelfen. Sie wären sich möglicherweise zu nahe gekommen, das Risiko eines Verstoßes gegen das Kontaktverbot war allen Beteiligten zu groß. 

Sportfischer mussten am Ufer bleiben

So beobachteten Martin Heyn als Gewässerwart der IG Lennetaler Sportfischer und Fischereiaufseher Hans-Joachim Buhrow „ihre“ Fische nur vom Ufer der Lenne in der Nähe des Westparks. 

Umweltwissenschaftler Jan Eickerling vom Bielefelder Büro für Gewässermanagement hatte schon die Soppe abgefischt, jetzt ist an der Lenne im Einsatz.

Im Lennebett blieben nach dem Ablaufen des Hauptwassers noch zwei mehr oder weniger tiefe Teiche, die nicht zu Fuß abgefischt werden konnten. Die Tiere dort sollen im Laufe des heutigen Tages mit einem Boot und einem E-Fisch-Gerät gefangen werden. Nach einer Zählung der Arten werden die Fische zum Teil in den Obergraben und zum Teil in den Unterlauf der Lenne zurückgesetzt. 

Im Obergraben tost das Wasser

Während der Lennestrom in der Nähe der Stadtbrücke zum Erliegen kam, toste weiter unter das Wasser durch den Obergraben. In der Schlacht betreibt Dima Itani von der Firma Ika Fenster ein Wasserkraftwerk. Itani und ein Mitarbeiter vor Ort betreiben höchste Geheimniskrämerei um ihre Baustelle. 

Lenne trocken und abgefischt

Den Obergraben dort hatte ebenso wie den flussaufwärts liegenden Teil die Tiefbaufirma Ossenberg befestigt. Mit Lego-Betonbausteinen wurden Böschungen und Sohle verstärkt. Die Stromerzeugung im Turbinenhaus wird von der Firma Ika demnächst weiter betrieben. 

Stadt baut neue Sohlgleite

Die Umleitung der Lenne ist nötig, weil die Stadt unterhalb der jetzt trocken gelegten Staustufe eine 400 Meter lange Sohlgleite mit Fischtreppe einbaut. Damit wird die europäische Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt. Mit dem Bau beginnt Firma Ossenberg zu Beginn kommender Woche. Finanziert wird die Maßnahme zum größten Teil durch das Land NRW und in Anteilen durch die Stadt Werdohl und die Firma Ika. Enervie und Straßen.NRW sind beteiligt, weil Leitungen wegen des geplanten Brückenneubaus durch die Lenne gedükert werden müssen.

Unter und neben der im Moment ruhenden Wasserkraftanlage der Firma Ika Fenster an der Schlacht strömte gestern erstmals wieder das Wasser durch den Obergraben. Die Böschungssicherung mit Beton-Legosteinen hat die Firma Ossenberg errichtet.

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