Umbau fertig

Endlich moderne Arbeitsplätze: Die neue Werdohler Rettungswache

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Ralf Wengenroth ist seit einem Jahr der Leiter der Rettungswache Werdohl. Der Umbau der Wache hatte schon vor seinem Dienstantritt begonnen und ist jetzt bis auf Kleinigkeiten fertiggestellt. Der Blick in diesen Flur mit den Fotos aller Mitarbeiter an der Wand zeigt übrigens den ehemaligen Bürgerhaussaal.

Werdohl - Mehr als ein Jahr lang wurde die Rettungswache Werdohl an der Schulstraße in einen modern ausgestatteten Stützpunkt für Retter und Fahrzeuge umgebaut. Indem der ehemalige Bürgerhaussaal den bereits bestehenden Räumen angegliedert wurde, verfügen die 30 Mitarbeiter endlich über moderne Arbeitsplätze. Die Retter, die in 24-Stunden-Schichten ihre Einsätze für Werdohl und Neuenrade leisten, sind von den neuen Arbeitsbedingungen angetan.

Einen großen Anteil daran hat Ralf Wengenroth, der seit einem Jahr die Rettungswache Werdohl leitet. Der 47-jährige Notfallsanitäter aus Brügge kennt die Arbeit von allen Seiten, er sorgt dafür, dass sich die 24 Kollegen und sechs Kolleginnen bei ihrer anspruchsvollen Arbeit wohl fühlen. 

In so einem Job müsse die Arbeitszufriedenheit stimmen, meint Wengenroth, sonst ließe sich die Arbeit nicht machen. Ausgebildete Notfallsanitäter sind nach den Ärzten die am besten ausgebildeten Nicht-Mediziner – und hoch begehrte Mitarbeiter.

Ein anderes Verhältnis zum Arbeitsplatz

Die Rettungswache betreibt der Märkische Kreis, alle Mitarbeiter sind dort angestellt. An der Schulstraße sind zwei Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug stationiert, ein Krankentransportwagen steht in einer angemieteten Halle auf Rosmart. Tagsüber steht das Notarzteinsatzfahrzeug an der Schulstraße, in der Nacht an der Stadtklinik. Sieben Retter fahren eine 24-Stunden-Schicht. Dienstbeginn ist immer um 8 Uhr morgens, auch für die beiden Einsatzkräfte, die die Außenstelle Rosmart bedienen.

Das Notarzteinsatzfahrzeug ist vollgestopft mit Medizinprodukten, Medikamenten und Technik. Andauernde Fortbildungen sind Pflicht für die Retter.

Üblicherweise arbeiten die Rettungskräfte 24 Stunden, danach haben sie zwei freie Tage. Im Arbeitsvertrag steht eine 48-Stunden-Woche. Um alle Schichten rund um die Uhr das ganze Jahr über bedienen zu können, sind 28 Mitarbeiter nötig. Aktuell sind zwei Auszubildende, übrigens beides Frauen, an der Schulstraße eingesetzt. Mitarbeiter wie Erik von der Neyen sind mit dem 24-Stunden-Modell sehr zufrieden. Das sei sehr familienfreundlich, ganz im Gegensatz zu kürzeren Schichtmodellen mit Wechseleinsätzen.

Wer 24 Stunden im Dienst für Menschenleben ist, hat zu seinem Arbeitsplatz ein anderes Verhältnis als im Büro oder an der Maschine. Für jeden Mitarbeiter pro Schicht gibt es nach dem Umbau ein eigenes kleines Zimmer mit einem Bett und extra schalldichten Türen. Ein Aufenthaltsraum mit Sofas und Fernseher sowie eine schöne große Küche wirken einladend, freie Zeit nach den Einsätzen zu verbringen.

Die Einsatzhäufigkeit schwankt natürlich und ist selten voraussehbar. Nicht zeitkritische Krankentransporte und Verlegungen werden geplant, alle anderen Noteinsätze sind alarmgebunden und naturgemäß unplanbar. Durchschnittlich dauert ein Einsatz zwischen einer und eineinhalb Stunden, danach müssen Ausrüstung und Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht werden.

Ralf Wengenroth steht in einem der beiden Rettungswagen, die an der Werdohler Wache stationiert sind, ein weiteres Fahrzeug steht in einer angemieteten Halle auf Rosmart.

In manchen Schichten stehen 20 von 24 Stunden Arbeit an, in anderen sind es „nur“ zehn. Zehn Stunden Einsatztätigkeit auf dem Wagen bedeuten allerdings rund 14 Stunden Arbeit für den Einzelnen. Auf der Rettungswache gibt es immer irgendetwas zu tun. 

Jemand muss die Waschmaschine für die Einsatzkleidung bedienen, die Autos betanken, die Betten der Ruheräume beziehen oder verbrauchtes Material nachbestellen. Das geschieht natürlich nicht willkürlich, sondern nach festgelegten Arbeitsabläufen und vor allem in Teamarbeit. Dafür sorgt seit Anfang 2018 Ralf Wengenroth.

Der Mann aus Brügge in Lüdenscheid hat seinen Job bei der Rettungswache Meinerzhagen gelernt, die vom Märkischen Kreis getragen wird. Von 2002 bis 2014 arbeitete er in der Rettungswache Halver, dort zuletzt als stellvertretender Leiter. 

Im August 2014 wechselte er als Notrufdisponent zur Kreisleitstelle der Rettungswachen des Kreises nach Lüdenscheid an den Dukatenweg. Hier lernte er den Beruf von der anderen Seite kennen und machte sich ausgiebig mit der Steuerung von Einsätzen vertraut. Letztlich habe ihm die praktische Einsatztätigkeit bei der Rettung von Menschen gefehlt, erzählt Wengenroth. Er bewarb sich auf die Leitung der Rettungswache Werdohl und trat im Januar 2018 seinen Dienst an der Schulstraße an.

Da waren die Umbauarbeiten schon einige Zeit im Gange. Das Gebäude an der Schulstraße gehört der Stadt Werdohl, unten stehen die Fahrzeuge des Löschzugs Stadtmitte der Freiwilligen Feuerwehr Werdohl. Im rechten Gebäudetrakt ist das soziale Beratungszentrum der Stadt mit verschiedenen Mietern untergebracht, im linken Gebäudeteil war schon immer die Rettungswache.

Für den Laien sind die Begrifflichkeiten verwirrend. Ein Rettungssanitäter hat die niedrigste Qualifikation, es ist kein anerkannter Ausbildungsberuf, sondern derjenige bekommt nach 13-wöchiger Ausbildung ein Zeugnis ausgestellt. Bis 2014 wurden Personen, die professionell im Rettungsdienst arbeiten, innerhalb von zwei Jahren als Rettungsassistent ausgebildet. Seit 2014 werden nur noch innerhalb von drei Jahren Notfallsanitäter ausgebildet. Rettungsassistenten können sich durch Fortbildungen zum Notfallsanitäter qualifizieren.

Nach dem Umbau der Rettungswache Werdohl verfügen die Mitarbeiter auch über einen Schulungsraum. Der Werdohler Selattin Alptekin ist Oberpraxisanleiter für alle vier Wachen und die Leitstelle des Kreises. Ralf Wengenroth schaut ihm über die Schulter.

Die Ausbildung ist extrem umfangreich. Ein Blick in die zahllosen Taschen, Kisten und Koffer in den Einsatzfahrzeugen macht deutlich, wie umfangreich das Wissen der Rettungskräfte sein muss, diese Dinge auch alle sinnvoll benutzen zu können.

Ein Plüschtier für das Kleinkind und das komplette Hebammen-Set

Dazu kommen zahllose medizintechnische Geräte, die je nach Notlage souverän und zeitkritisch beim Patienten eingesetzt werden müssen. Die Spannweite reicht vom Plüschtier für das Kleinkind über das komplette Hebammen-Set über den Medizinschrank und das mobile EKG bis zu Großverbänden für abgerissene Körperteile.

Wer den Notruf 112 wählt, landet immer bei der Kreisleitstelle. In der Rettungswache an der Schulstraße gibt es kein Telefon, mit dem Alarm-Informationen weitergeleitet werden. Jeder Retter trägt einen digitalen Empfänger bei sich, auf den sämtliche Einsatzdaten aufgespielt werden. Gleichzeitig wird das Ziel inklusive aktueller Verkehrsinformationen in das Navi des Rettungswagens eingespeist. Während der Fahrt informieren sich die Retter weiter über Handy und Funk über die Lage am Einsatzort. Bei Bedarf wird gleichzeitig das Notarzteinsatzfahrzeug besetzt und der Notarzt von der Stadtklinik nur ein paar Häuser weiter abgeholt. Notarzt und Rettungswagen samt Besatzung treffen wenige Minuten nacheinander an der Unfallstelle ein.

Jedes Jahr mehr Einsätze

„Die Einsatzzahlen werden von Jahr zu Jahr größer“, weiß Ralf Wengenroth auch aus seiner Zeit in der Leitstelle. Das Handy mache es immer einfacher, von überall aus den Notruf zu wählen. „Der Trend im Rettungsdienst geht steil nach oben“, so Wengenroth. Zwar ist der Notarzteinsatz generell nur für lebensbedrohliche Situationen gedacht, die Leute rufen aber auch wegen einfacher Wehwehchen bei der 112 an. Viele, die mit dem hausärztlichen Notdienst unter 116 117 schlechte Erfahrungen gemacht haben, wählen gleich die 112. Wengenroth hat da schon viel erlebt: „Die Leute rufen bei der 112 an und fragen nach der Nummer des zahnärztlichen Notdienstes.“ Hört der Disponent bestimmte Stichworte bei dem Anrufer, wird selbstverständlich die Rettung alarmiert.

Früher habe es in vielen kleineren Städten Krankenhäuser gegeben, die Notfallpatienten versorgen konnten. Aus politischen Gründen wurden kleinere Häuser wie die in Altena und Balve zur Aufgabe gezwungen. So steigt die Anforderung an die Rettungswachen immer weiter. Die alte Wache war räumlich komplett am Limit, so Wengenroth. Jetzt finden alle Mitarbeiter und ihre Ausrüstung Platz, die neuen Räume sind schön und hell, es gibt sogar einen repräsentativen Eingang. Der Umbau erfolgte unter Betrieb, zwischendurch gab es noch einen Baustopp – das erklärt die lange Umbauzeit von weit mehr als einem Jahr.

Selattin Alptekin ist Oberpraxisanleiter

Der Werdohler Selattin Alptekin ist Oberpraxisanleiter und für alle 14 Praxisanleiter in den Wachen des Kreises für die Aus- und Fortbildung zuständig. Wer Notfallsanitäter wird, ergreift einen Beruf mit Berufung. Eine hohe psychosoziale Belastung kommt dazu. Drei junge Leute hat der Kreis fertig als Notfallsanitäter ausgebildet, neun Azubis werden in allen Wachen beschäftigt. Auf die jährlich drei neuen Azubi-Stellen bewerben sich 250 junge Männer und Frauen.

Im Treppenhaus zwischen den beiden Etagen hängt ein riesiges Foto, auf dem sämtliche Retter und alle Fahrzeuge der Werdohler Wache zu sehen sind. Ralf Wengenroth ist sichtlich stolz auf sein Team und setzt sich für seine Leute ein: „Unser höchstes Ziel ist es, dass die Mitarbeiter hier sehr zufrieden sind.“ Das kann gewiss nicht jeder Betrieb für sich behaupten.

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