Ohne Gesamtschule ein düsteres Szenario

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Volkmar Güldner-Rademacher (rechts, hier mit Wilhelm Jansen) von der SPD hat sich in das Thema eingearbeitet und malte im Schulausschuss ein Szenario aus, das keinem gefallen dürfte

Werdohl - Für einen kurzen Moment herrschte am Dienstag während der Sitzung des Schul- und Sportausschusses im Ratssaal nachdenkliches Schweigen: SPD-Ratsherr Volkmar Güldner-Rademacher hatte ein Szenario ausgemalt, das durchaus Realität werden könnte, wenn es nicht gelingen sollte, sowohl Real- als auch Gesamtschule zu erhalten.

„Angenommen, die Gesamtschule wird geschlossen. Dann muss die Realschule alle Hauptschüler übernehmen, also einen Hauptschulzweig einrichten. Dann wäre sie quasi eine Gesamtschule ohne Abiturienten, käme mit dem Platz am Köstersberg nicht mehr zurecht – und müsste trotz allem zum Riesei umziehen.“

Erstmals diskutierten die Kommunalpolitiker am Dienstag öffentlich über die Entwicklung der Schullandschaft in Werdohl (wir berichteten).

Die SPD verdeutlichte erneut, welche Bedeutung das Abitur ihrer Ansicht nach für die Stadt hat: „Das Abitur hat Priorität, es ist auch für die heimischen Unternehmen ein sehr wichtiger Standortfaktor,“ sagte Güldner-Rademacher. Der Fraktions-Vorsitzende Wilhelm Jansen bekräftigte das: „Fünf von sechs heimischen Unternehmern haben im Gespräch erklärt, dass das Abitur sehr wichtig für den Standort Werdohl ist.“

CDU: Abitur auch in anderen Städten

CDU-Ratsherr Stefan Ohrmann konterte: Die Reifeprüfung könnten Werdohler Jugendliche auch in anderen Städten ablegen. Zuvor hatte er betont, dass die CDU den Standort der Realschule am Köstersberg für richtig und wichtig halte.

Letzteres hob auch die Konrektorin der Realschule hervor. Ulrike Schulte-Schürholz erklärte, dass die Schulen bereits kooperieren würden. Sie meinte, man müsse Ursachenforschung betreiben, und überlegen, warum sich mehr Schüler für die Real- als für die Gesamtschule entscheiden würden. „Das Elternverhalten wird sich nach dem Wegfall von G 8 noch weiter ändern,“ orakelte sie, dass sich künftig noch weniger Eltern für die Gesamtschule entscheiden würden. Hinzu käme, dass Realschüler, die frühzeitig zur Gesamtschule wechseln „in der Regel kein Potential für die Oberstufe hätten“. Diese Bemerkung stieß bei den zahlreichen Lehrern, die die Sitzung verfolgten, hörbar auf Unmut.

Kurz zuvor hatte Gesamtschulleiter Reinhard Schulte berichtet und mit Zahlen belegt, dass gerade die Oberstufe seiner Schule mit 89 Schülern gut besucht sei. Dass es bisher nur 54 Anmeldungen für die Eingangsstufe gebe, hänge auch mit der ungewissen Zukunft der Schule zusammen. „Die Eltern sind verunsichert,“ sagte Schulte. Das gelte auch für das Kollegium: „Diese Belastung liegt seit Jahren wie Blei auf uns.“ Er sehe eine reelle Chance, mit einem guten Konzept bei der Bezirksregierung eine Sondergenehmigung für eine Kooperation zu erhalten. „Es gibt bisher zwar eine Zusammenarbeit, allerdings keine strukturelle“, wies Schulte darauf hin, dass bei einer solchen Kooperation am Riesei speziell auch die leistungsstarken Schüler stärker gefördert werden könnten. Er stellte fest: „ Wir drehen uns im Kreis. Mir scheint, dass die Kooperation im Moment die einzige logische Möglichkeit ist, wenn wir beide Schulen erhalten wollen.“

WBG will keine Verschmelzung

Das entspricht auch der Ansicht des WGB-Vorsitzenden Volker Oßenberg: „Ein Schulversuch ist die einzige Möglichkeit, beide Schulen zu erhalten.“ Die Verwaltung solle jetzt tätig werden und diese Idee in Arnsberg vorstellen. „Wir wollen aber keine Verschmelzung der beiden Schulen,“ unterstrich Oßenberg mit Bezug auf eine Äußerung der Realschul-Konrektorin Schulte-Schürholz, die für ihre Schule eine „Gesamtschule durch die Hintertür“ befürchtet.

Bevor weitere Entscheidungen getroffen werden, soll das Thema nun ausgiebig – und weiterhin öffentlich – diskutiert werden. Dabei wäre es den Christdemokraten lieber gewesen, künftig doch wieder hinter verschlossenen Türen zu tagen: Eine öffentliche Diskussion könne den Schulen schaden, merkten die CDU-Ratsherren Christoph Plassmann und Stefan Ohrmann an.

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