Rektorin Böddecker: "Lehrplan nicht umsetzbar"

Platz für 30 Schüler bietet der Computerraum an der Albert-Einstein-Gesamtschule. Nicht jede Schule in Deutschland verfügt über solch eine gute PC-Ausstattung. Darüber klagt der Verband Bildung und Erziehung. - Foto: Koll

Werdohl - „Mittelalterlich“ sei die PC-, Laptop-, Smartphone- und Tablet-Ausstattung an deutschen Schulen, kritisierte jetzt der Verband Bildung und Erziehung. Zudem fehlten fast überall dienstliche E-Mail-Adressen, über welche Daten geschützt und verschlüsselt versandt werden könnten. „Dem stimme ich voll zu“, sagt Sibille Böddecker, Leiterin der städtischen Gemeinschaftsgrundschule Königsburg/Kleinhammer.

Die Rektorin konkretisiert: „Wir können das Lehrplan-Ziel, Medienkompetenz zu vermitteln, schlicht nicht umsetzen.“ Die Ausstattung an ihren beiden Schulstandorten sei „komplett veraltet“. Auch eine Wartung der Geräte sei „nicht permanent gewährleistet“. Böddecker seufzt und sagt: „Natürlich wäre es schön, wenn wir mehr Material hätten. Aber da wird sich nichts ändern.“

Ähnliche Töne erklingen aus Richtung der Realschule: Rektor Bernd Bunge erklärt: „Wir haben hier 15 Rechner, die aber mit der veralteten XP-Technik laufen.“ Doch Besserung sei vielleicht schon in Sicht: „Es wurden jetzt neue PCs bei der Stadt beantragt, die mit Windows 7 laufen.“

Bunge erläutert weiter: „Wir haben ja keine Klassenräume, sondern hier alles nach dem Prinzip der Lehrerräume organisiert. In jedem dieser Räume soll es einen Beamer und ein Notebook geben. Bei 50 Prozent der Räume haben wir das jetzt erreicht.“ Der Schulleiter hofft, dass die Quote innerhalb von zwei Jahren bei 100 Prozent liege.

Das drahtlose Funknetz WLAN sei in der gesamten Schule durch die Lehrer freischaltbar, was die Pädagogen täten, wenn die Schüler eine Recherche im Unterricht durchführen wollten.

Im Mathematik-Unterricht werde an der Realschule auch am Computer gearbeitet und etwa das Tabellenkalkulations-Programm Excel interpretiert. In der siebten Jahrgangsstufe gebe es eine Informatik-AG.

In Bezug auf geschützte, dienstliche E-Mail-Adressen habe es einen Versuch an der Realschule gegeben. Schulleiter Bunge bilanziert: „Aber das hat sich nicht bewährt. Die Kommunikation läuft eh längst mehr über Facebook. Und ansonsten verteilt das Büro die E-Mails auf die privaten Adressen des Lehrpersonals.“

Rundum zufrieden zeigt sich dagegen Thomas Lammers, Rektor der Erich-Kästner-Hauptschule: „Wir haben vier, fünf Lehrer-Arbeitsplätze mit PCs. Dazu kommen die Rechner im Sekretariat, bei mir und beim stellvertretenden Schulleiter.“ Zwei Computer-Räume für Schüler hielten insgesamt rund 40 PCs vor. Die Qualität der Geräte in der Hauptschule sei „in Ordnung“.

„Tablets und Smartphones gibt es bei uns nicht. Das ist aber auch eine bewusste Entscheidung. so etwas nicht im Unterricht einzusetzen“, erklärt Lammers.

Ebenfalls keine Klagen sind aus der evangelischen Grundschule zu vernehmen. Schulleiterin Britta Schwarze lobt: „Wir haben einen Computerraum, der ab der zweiten Klasse genutzt wird. Dort stehen 15 PCs, die auch miteinander vernetzt sind.“ Sie befindet: „Das ist eine sehr gute, professionelle Ausstattung. Die Rechner sind auch erst zwei Jahre alt.“

Durch Geschenke, die die Martin-Luther-Schule erhalten habe, gebe es sogar in manchen Klassenräumen Rechner. „Das sind aber ältere Möhrchen“, verrät Schwarze. „Bis die hochgefahren sind, sind wir runtergefahren.“

Für das Kollegium stünde im Lehrerzimmer ein Computer. Allerdings habe Schwarze beobachtet: „Unsere Lehrer nutzen eh lieber ihre privaten Smartphones. Das sind ja alles recht junge Leute.“

Reinhard Schulte, neuer Rektor an der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) sagt zum Thema: „Es gibt an anderen Schulen sicher bessere Ausstattungen. Aber mit dem, was wir haben, können wir leben.“

Konkret gebe es an der AEG einen Computerraum mit 30 Arbeitsplätzen. „Außerdem haben wir 15 Laptops. In der Bücherei steht noch ein PC, drei im Arbeitsraum der Lehrer und dann gibt es noch die in der Verwaltung.“

Die Mitarbeiter der Verwaltung hätten dann auch eigene, dienstliche E-Mail-Adressen. „Die Kollegen nutzen ihre privaten.“

Tablets und Smartphones werden auch an der AEG bewusst nicht im Unterricht eingesetzt. „Da haben wir eher das Problem, dass die unberechtigt genutzt werden und wir sie mal einsammeln müssen“, verrät Schulte und lacht.

Von Michael Koll

Christel Kringe, Schulleiterin der katholischen Grundschule ist derzeit erkrankt und konnte so nicht zu ihrer Einschätzung gefragt werden.

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