Lehrermangel macht sich an den Werdohler Grundschulen bemerkbar

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Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer sind heiß begehrt: Die Leiterinnen aller Werdohler Grundschulen würden sich über Verstärkung in den Klassenzimmern freuen. Doch ausgebildete Fachkräfte sind momentan Mangelware. 

Werdohl - Wenn Britta Schwarze einen Wunsch frei hätte, müsste sie nicht lange überlegen. „Ich würde mir wünschen, dass sich möglichst viele junge Leute für den Beruf des Grundschullehrers begeistern können,“ erklärt die Leiterin der Städtischen Evangelischen Martin-Luther-Grundschule.

Allerdings würde das an der aktuellen Situation in Werdohl noch nichts ändern: An den Grundschulen fehlen Lehrer. Wenn heute der reguläre Unterricht wieder beginnt und morgen die Lernanfänger eingeschult werden, hoffen alle Schulleiterinnen darauf, dass es keine weiteren Ausfälle in ihren Kollegien gibt. 

In Ütterlingsen haben zwar im Mai zwei neue Pädagogen die Arbeit aufgenommen, bedingt durch aktuelle Entwicklungen ist jetzt allerdings eine Stelle vakant. „Es ist äußerst schwierig,“ sagt Schwarze, die sich viel Mühe gegeben hat, um die Enden zusammenzubringen und das Stundenplan-Puzzle fertigzustellen. „Ich werde selbst eine Klasse übernehmen,“ berichtet die Schulleiterin. Doch damit ist es noch nicht getan: „Eine Kollegin führt jetzt zwei Klassen“, weist sie auf einen Zustand hin, der auf Dauer kaum haltbar ist. 

12-köpfiges Kollegium

An der Martin-Luther-Schule ist ein 12-köpfiges Kollegium – darunter sind einige Teilzeitkräfte – für die insgesamt 188 Schülerinnen und Schüler zuständig. Dass sich die Lage in naher Zukunft entspannt, glaubt Britta Schwarze nicht. Die Wahrscheinlichkeit, einen Kollegen oder eine Kollegin mit klassischer Lehrerausbildung zu bekommen, sei sehr gering. „Und Seiteneinsteiger können keine eigene Klasse übernehmen,“ stellt die Schulleiterin fest. 

Klassenlehrer sind Mangelware 

Aus eigener Erfahrung berichtet sie, dass der Alltag eines Grundschullehrers sich in den vergangenen Jahren enorm verändert hat: „Ein Halbtagsjob, wie viele immer noch glauben, ist das schon lange nicht mehr.“ Zudem müssten sich die Lehrer in der heutigen Zeit nicht mehr ausschließlich um die Kinder kümmern, sondern auch um die Eltern. „Elterngespräch nehmen immer mehr Zeit in Anspruch, auch das ist anstrengend,“ stellt die Schulleiterin fest. 

Lehrer müssen sich um die Eltern kümmern 

Auch über die Bezahlung der Pädagogen, die an Grundschulen tätig sind, müsse nachgedacht werden: „Sie verdienen weniger als Gymnasiallehrer.“ Schwarze bilanziert: „Es ist trotz allem ein sehr schöner Beruf – aber man muss dafür brennen.“ 

Auch Christel Kringe, die Leiterin der Katholischen Grundschule St. Michael, würde sich ein größeres Kollegium wünschen: „Wir haben zwar für jede Klasse einen Klassenlehrer, aber es ist trotzdem an vielen Stellen eng.“ Ein 13-köpfiges Team – inklusive einiger Teilzeitkräfte – unterricht die insgesamt circa 195 Mädchen und Jungen. Der neue Stundenplan könne in etwa abgedeckt werden, doch es sei nicht möglich, den Schülern so viel Förderung zukommen zu lassen, wie sie bräuchten. 

Nachwuchskräfte im Auge behalten 

„An unseren Schulen muss kein Unterricht ausfallen, aber die Stellenbesetzung bewegt sich am unteren Limit“, stellt Nina Manns fest. Die Pädagogin unterstützt Claudia Gierse, die kommissarisch die Leitung der Gemeinschaftsgrundschule Werdohl mit den Standorten Kleinhammer und Königsburg übernommen hat. Nachdem Schulleiterin Sibille Böddecker in den Ruhestand eingetreten und sich weitere Änderungen im Kollegium ergeben hätten, habe sich die personelle Situation verschlechtert. „Wir verfügen momentan über ein 26-köpfiges Schulteam,“ berichtet Nina Manns. An den beiden Werdohler Standorten würden insgesamt 363 Mädchen und Jungen unterrichtet. 

Auf eine Verbesserung hofft Nina Manns in absehbarer Zeit nicht. „Es sind einfach keine ausgebildeten Lehrkräfte verfügbar. Die wenigen, die fertig werden, können sich aussuchen, wo sie arbeiten möchten.“ Deshalb habe man an der Gemeinschaftsgrundschule auch ein Auge auf Nachwuchskräfte, die nach ihrer Ausbildung gerne als Lehrkraft in Werdohl arbeiten würden.

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