Lehrermangel ist auch in Werdohl ein Thema: Einschränkungen für Grundschüler

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Der reguläre Unterricht in den Werdohler Grundschulen leidet zwar generell noch nicht unter dem Lerhrermangel, doch die Schüler müssen bereits mit Einschränkungen leben: In Fördergruppen gibt es mehr Schüler, AG-Angebote werden gestrichen.

Werdohl - Der Märkische Kreis ist eine der Regionen in Nordrhein-Westfalen, in der zuletzt viele ausgeschriebene Grundschullehrer-Stellen nicht besetzt werden konnten. Nach einer Auswertung des WDR, die in dieser Woche veröffentlicht wurde, waren bis Anfang November rund 64 Prozent der ausgeschriebenen Stellen nicht besetzt. Auch an den Werdohler Grundschulen fehlen Lehrkräfte.

Die Evangelische Martin-Luther-Grundschule kann schon seit Februar eine Lehrerstelle nicht besetzen. „Die Bewerbungsfrist ist in dieser Woche einmal mehr abgelaufen und es gab keine Interessenten. Das ist mittlerweile ziemlich frustrierend“, sagt Schulleiterin Britta Schwarze. In der aktuellen Situation, wo eigentlich überall Bewerber fehlten und sich die wenigen Kandidaten die Region praktisch aussuchen könnten, werde es immer schwieriger Lehrer in ländliche Bereiche zu holen.

„Dabei ist die Zusammenarbeit mit dem Schulamt des Kreises und auch der Bezirksregierung wirklich gut. Aber die zu geringe Anzahl an Lehrern lässt sich auch dort nicht einfach beheben“, fürchtet Schwarze, mit dem unbefriedigenden Zustand noch längere Zeit leben zu müssen: „Die Lehrerausbildung dauert sechs Jahre, wir werden also Geduld brauchen.“

Aufzufangen versucht die Schule die fehlende Lehrkraft durch ein engagiertes Kollegium und Mehrarbeit der Schulleiterin. „So habe ich meist richtig lange Tage, aber ich mache es sehr gerne, denn wir haben einen wunderbaren Beruf“, sagt Schwarze.

An der Städtischen Gemeinschaftsgrundschule Königsburg/Kleinhammer wurde eine offene Lehrerstelle in diesem Monat besetzt. „Eine Sonderpädagogin fehlt uns allerdings weiterhin“, sagt Schulleiterin Sibille Böddecker, die ebenfalls davon spricht, dass es schwierig sei, junge Lehrkräfte aufs Land zu bekommen. Unterrichtsausfall gebe es durch die offene Stelle zwar nicht, allerdings müssen die Schüler mit anderen Einschränkungen leben. Die Fördergruppen hätten nun entsprechend mehr Schüler. Das gelte auch für die Deutsch-als-Zweitsprache-Kurse. AG-Angebote gebe es nicht mehr. „Das bekommen wir mit der Stundenanzahl der zur Verfügung stehenden Lehrkräfte nicht hin“, sagt Böddecker.

Die offenen Stellen möglicherweise durch Seiteneinsteiger und damit nicht ausgebildete Pädagogen zu besetzen, sei eine Entscheidung, die es genau abzuwägen gelte. „Da müsste man im Einzelfall in Bewerbungsgesprächen schauen, wie gut der Kandidat ist. Denn Kinder brauchen eine qualifizierte Ausbildung. Diesem Anspruch müssen wir gerecht werden.“

Diese Ansicht vertritt auch Christel Kringe. „Man kann die Situation gar nicht hoch genug anprangern“, unterstreicht die Leiterin der katholischen Grundschule St. Michael. Nachdem im vergangenen Jahr eine Kollegin den Mutterschutz angetreten habe, sei zwar eine Ersatzkraft an die Schule gekommen, „aber keine ausgebildete Lehrerin“. Und wenn in der kommenden Woche eine weitere Kollegin in Mutterschutz gehe, spitze sich die Situation weiter zu: „Für sie werden wir keinen Ersatz bekommen. Es gibt einfach keine Bewerber, obwohl uns das Schulamt sehr gut unterstützt.“

Momentan besuchen 195 Kinder die Grundschule St. Michael; zum Kollegium gehören acht Lehrer mit jeweils einer Vollzeitstelle sowie zwei Teilzeitkräfte. Kringe sagt: „Es gibt zwar viele Fortbildungsangebote, die können die Kollegen aber kaum wahrnehmen, da die Arbeitsbelastung ein sehr hohes Maß erreicht hat.“

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