Lebendige Zukunft statt museale Veranstaltung

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Auch die Werdohler Schützen haben sich an der Gedenkstunde im Rahmen des Volkstrauertags am Mahnmal im Ludwig-Grimm-Park beteiligt und einen Kranz niedergelegt.

Werdohl - Gleich an mehreren Orten wurde am Wochenende in Werdohl aus Anlass des Volkstrauertags der Opfer von Flucht, Vertreibung und Krieg gedacht.

 So legten die Heimatfreude Schlesien und die Mitglieder des TuS Jahn ebenso einen Kranz nieder, wie die übrigen Werdohler Vereine und die Stadt. „Beim Volkstrauertag geht es weniger um die Trauer, denn um das Gedenken“, sagte Pfarrer Martin Buschhaus gestern in seiner Rede am Ehrenmahl im Ludwig-Grimm-Park.

Hintergrund sei, dass nunmehr seit 72 Jahren Frieden herrsche und sich immer weniger Menschen an den Zustand des Krieges würden erinnern können. Von daher sollte anstelle eines Volkstrauertags eher ein Volksgedenktag treten. Hieraus zog der Geistliche drei Lehren. „Wir sollten einfach mal Danke sagen: Danke Gott für 72 Jahre Frieden“. Zudem, so Pfarrer Buschhaus, „endet unsere Verantwortung als Staatsbürger nicht damit, lediglich zwei Kreuze zu machen“. Stattdessen gelte es auch die Politiker in ihrem Tun, „unsere faszinierende Friedensgeschichte für weitere vier Jahre fortschreiben zu wollen“, zu unterstützen.

 Drittens wünschte sich Martin Buschhaus für die Zukunft, noch stärker das Gespräch mit den Jugendlichen zu suchen. Der Volkstrauertag dürfe sich nicht zu einer musealen Veranstaltung entwickeln. Stattdessen solle er in lebendiger Weise fortgeführt werden. Um den Brückenschlag zur jungen Generation zu schaffen, appelliert er an die Schulen, das Thema in den Geschichtsunterricht einzubinden.

Immerhin stünde im kommenden Jahr mit dem Ende des 1. Weltkriegs ein Ereignis auf der Agenda, dass vor genau 100 Jahren Deutsche wie Türken in gleicher Weise beeinflusst habe. „Ich wünsche mir daher, dass die Schüler wenigstens ein bisschen darüber erzählen könnten, wie Integration und Friedensarbeit im Alltag gelingen kann“, so Buschhaus.

 Einen Wunsch, den Bürgermeisterin Silvia Voßloh im Übrigen ebenfalls am Rande der Veranstaltung äußerte und aus diesem Grund ankündigte, sich für eine Einbindung der Schulen im Rahmen des Volkstrauertags 2018 einsetzen zu wollen. Zudem gibt es den Wunsch, die Gedenkstunde wieder am Vormittag stattfinden zu lassen. Auch dies werde nun seitens der Stadt geprüft. An der Gestaltung des Programms hatten sich neben dem CVJM Posaunenchor auch die Männerchorgemeinschaft Werdohl / Ohle, die Marinekameradschaft Werdohl-Neuenrade und der Schützenverein beteiligt. Die beiden letztgenannten legten ebenso einen Kranz nieder, wie Vertreter der übrigen Werdohler Vereine und die Stadt.

 Auch die Vereinsmitglieder des TuS Jahn Werdohl nutzten gestern den Volkstrauertag, um an ihre verstorbenen Sportkameraden im Stadion Riesei zu erinnern. Zudem schlossen sie nicht nur die in den beiden Weltkriegen Gefallenen, sondern auch die im Ausland stationierten Soldaten der Bundeswehr ein. Der 1. Vorsitzende Richard Müller-Schlotmann gab zu bedenken, dass wir in einer bereits lang andauernden Friedensperiode leben würden. Mit der Ehrerbietung am Volkstrauertag „können wir unseren Teil dazu beitragen, diesen Frieden auch in Zukunft zu sichern“. Bereits am Samstag hatten sich einige wenige Mitglieder der Heimatfreunde Schlesien auf dem Friedrich-Keßler-Platz eingefunden, um an jene Menschen zu erinnern, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre angestammte Heimat verloren haben.

Für die Errichtung des Gedenksteins hatten sich die Schlesier vor 20 Jahren maßgeblich eingesetzt. Aus der Landsmannschaft Schlesien hervorgegangen, zählten die Heimatfreude in ihren besten Zeiten rund 600 Mitglieder. Dennoch löste sich der Verein vor sieben Jahren auf und übertrug sein Vermögen nur mit der Bedingung an die Stadt, auch weiterhin für einen Kranz am Volkstrauertag zu sorgen. Somit wird die Tradition auch in Zukunft nicht erlöschen. Zudem hält Elisabeth Jährling mit einer bewundernswerter Ausdauer das Mahnmal in einem tadellosen Zustand „und den Rest der Truppe zusammen“. In emotionalen Worten erinnerte Jährling daran, dass die Schlesier – trotz aller Widrigkeiten – in Werdohl eine gute Heimat gefunden hätten.

Sie selbst, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs über Dresden, Dortmund und Altena nach Werdohl gekommen sei, lebe „im Herzen hier“ bereits seit 51 Jahren. Trotzdem würden sich nicht nur ältere Menschen die Frage stellen, was Heimat konkret bedeute.

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