1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Leben mit der Inflation: Schuldnerberater zeigt auf, wo Verbraucher sparen können

Erstellt:

Von: Volker Griese

Kommentare

Tom Höppner ist Schuldnerberater bei der Arbeiterwohlfahrt. Aus Erfahrung weiß er, wo man Einsparpotenzial finden kann.
Tom Höppner ist Schuldnerberater bei der Arbeiterwohlfahrt. Aus Erfahrung weiß er, wo man Einsparpotenzial finden kann. © Griese, Volker

Was tun, wenn am Ende des Geldes noch ganz viel Monat übrig ist? Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen, seitdem insbesondere die Preise für Energie und Lebensmittel in die Höhe geschnellt sind.

Tom Höppner ist Schuldnerberater bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und hat praktisch täglich mit Menschen zu tun, bei denen die finanziellen Dinge aus dem Ruder gelaufen sind. Er weiß deshalb auch, wie und wo man sparen kann.

Im April ist die Inflation in Deutschland auf 7,4 Prozent gestiegen. Das bedeutet, dass monatliche Konsumausgaben eines statistischen Haushalts, die vor einem Jahr noch bei rund 2500 Euro lagen, jetzt schon 2685 Euro betragen. Wer ohnehin schon aufs Geld achten muss, kann solche Teuerungsraten oft nicht verkraften. Denn meistens wachsen die Einkünfte nicht im gleichen Maß wie die Lebenshaltungskosten steigen. Was also tun? Awo-Schuldnerberater Höppner hat ein paar Tipps für die verschiedenen Ausgabenarten:

Lebensmittel

„Gut ist es, wenn man sich schon vor dem Einkaufen überlegt, was man braucht“, bricht Höppner eine Lanze für den Einkaufszettel. Damit sei die Chance größer, dass am Ende möglichst wenig von dem im Einkaufswagen landet, was man eigentlich nicht benötigt. Außerdem empfiehlt er, sich die Preise für die wichtigsten Lebensmittel einzuprägen, um schnell feststellen zu können, wenn etwas teurer geworden ist. Das könne helfen, ein Budget nicht zu überschreiten. Auch, wer nicht alle drei Tage, sondern nur einmal pro Woche einkaufen gehe, spare am Ende Geld. Der Grund: Die Verlockungen des Warenangebots sind dann seltener.

Eine gute Möglichkeit, beim Einkaufen zu sparen, ist nach Höppners Worten auch der Verzicht auf Markenprodukte. „No-Name-Artikel sind oft genauso gut, kosten aber weniger.“ Verzichten könnten Verbraucher zudem auf Fertiggerichte. Höppner: „Die sind meistens teurer, als wenn man selber kocht.“

Wenn es letztlich ans Bezahlen an der Supermarktkasse geht, empfiehlt der Experte, den Betrag bar zu zahlen. „Manchen Menschen hilft das, einen besseren Überblick über ihre Finanzen zu behalten“, sagt er.

Energie

Durch staatliche Aufschläge wie die CO2-Steuer, aber auch durch den Ukraine-Krieg sind die Energiekosten zuletzt stark gestiegen. Höppner geht davon aus, dass das böse Erwachen für viele Verbraucher erst noch kommt: „Sie merken den Anstieg der Strom- und Gaskosten im Moment noch gar nicht, weil die Rechnung dafür erst in einigen Monaten kommt.“ Der Schuldnerberater empfiehlt deshalb, zwei bis drei Mal im Jahr zu prüfen, ob die Höhe der monatlichen Abschlagszahlung noch passt, damit am Ende des Jahres nicht zu viel nachgezahlt werden muss. „Eventuell kann man auch selbst Buch führen über die monatlichen Verbräuche und sich ausrechnen, wie hoch die Belastung ist“, schlägt Höppner vor. Wenn die Energiekosten total aus dem Ruder laufen, müsse man auch kleine Komforteinschränkungen in Kauf nehmen und zum Beispiel die Heizung drosseln. Experten zufolge macht jedes Grad Raumtemperatur sechs Prozent der Heizkosten aus: Mit 20 anstatt 24 Grad lässt sich also knapp ein Viertel der Heizkosten sparen. Je nach Größe von Haus oder Wohnung sind das durchaus ein paar hundert Euro im Jahr.

Auto

Gerade im ländlichen Raum sind viele Menschen einfach auf ein Auto angewiesen, um zur Arbeit zu kommen oder um Dinge des täglichen Lebens erledigen zu können. Seitdem die Kraftstoffpreise um die 2-Euro-Marke kreisen, reißt das Tanken aber Löcher in so manche Haushaltskasse. „Daran kann man selber leider wenig ändern“, fällt auch Tom Höppner keine Möglichkeit ein, an dieser Stelle zu sparen. Die Politik müsse unterstützend tätig werden, „eventuell auch über die schon beschlossenen Maßnahmen hinaus“, um Verbraucher zu entlasten, findet er.

Doch es gibt im Zusammenhang mit dem Auto ja auch noch andere Kosten. „Man könnte die Versicherung überprüfen, um herauszufinden, ob man dabei etwas sparen kann“, rät Höppner. Und: Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, kann pro Entfernungskilometer (einfache Strecke) und Tag mindestens 30 Cent von der Steuer absetzen. Um schon im Laufe des Jahres weniger Steuern zu zahlen, stellt man einen Antrag zur Lohnsteuerermäßigung, dann werden diese Kosten als Freibetrag monatlich beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt.

Versicherungen

Einsparpotenzial sieht Tom Höppner eventuell bei Versicherungen. „Da kann man oft etwas machen“, ist seine Erfahrung. Er empfiehlt deshalb eine Bestandsaufnahme: Welche Versicherung ist wirklich (noch) notwendig, welche kann man kündigen? Dabei könne man sich die Frage stellen, ob man wirklich jedes Lebensrisiko absichern müsse. Nur eine Versicherung hält der Experte für unabdingbar: „Eine Haftpflichtversicherung sollte jeder zwingend haben, sonst kann man in ganz unangenehme Situationen geraten.“

Kredite

Um die Finanzen im Griff zu behalten, rät Tom Höppner zur Vorsicht bei Kreditaufnahmen, insbesondere, wenn es sich um Konsumkredite handelt. „Das wird den Menschen oft sehr leicht gemacht“, sagt er über die Möglichkeit, sich gewisse Träume mit geliehenem Geld zu erfüllen. Denn auch zinsgünstige Kredite hätten einen entscheidenden Nachteil, gibt der Schuldnerberater zu bedenken: „Die müssen weiter abbezahlt werden, auch wenn alles andere teurer geworden ist und man das Geld eigentlich für wichtigere Dinge benötigt.“ Besser sei es deshalb, auf Kredite zu verzichten und das Geld zur Erfüllung von Wünschen über einen gewissen Zeitraum anzusparen.

Inflation: So wird gemessen

Das statische Bundesamt misst in Deutschland monatlich über den Verbraucherpreisindex die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte in Deutschland für Konsumzwecke kaufen. Die Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahresmonat beziehungsweise zum Vorjahr wird als Teuerungsrate oder als Inflationsrate bezeichnet. Im April beispielsweise lag die Inflationsrate bei satten 7,4 Prozent.

Der Verbrauchpreisindex ermittelt sich aus einem repräsentativen Warenkorb für eine statistische deutsche Familie mit 2,3 Mitgliedern. Der Warenkorb umfasst insgesamt 650 Güterarten und repräsentiert sämtliche von privaten Haushalten in Deutschland gekauften Waren und Dienstleistungen. Unter anderem finden sich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke, Bekleidung und Schuhe, sowie Kosten für Verkehr in diesem Warenkorb.

Auch interessant

Kommentare