Leader macht Ausstellung zur Industriegeschichte möglich

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Fachhistoriker Dr. Oliver Schulz (links) ist der einzige Profi im Kreis derer, die mit der Vorbereitung der Ausstellung befasst sind. Hier unterschreibt er den von Heiner Burkhardt vorbereiteten Vertrag.

Werdohl - Nachdem drei vorangegangene Ausstellungen zwischen 2010 und 2015 über die Werdohler Ehrenbürger Fritz Thomée, Dr. Hans Vossloh und Arnold Menshen ein nachhaltig großes Interesse in der Bevölkerung geweckt hatten, wendet sich der Heimat- und Geschichtsverein mit Unterstützung eines sachkundigen Arbeitskreises inzwischen der Planung einer weiteren Ausstellung im Stadtmuseum zu.

Sie ist thematisch betrachtet die logische Fortsetzung der ersten drei Projekte und trägt den Titel: „Werdohler Industriegeschichte im 19. und 20. Jahrhundert“. Dabei, so Arbeitskreis-Vorsitzender Manfred Wolf, wird der Blick allerdings nicht nur auf die Entwicklung in der Vergangenheit gerichtet. Gegenwart und Zukunft erhalten unter dem gewählten Thema gleichberechtigten Raum. 

Darin eingebunden ist zugleich auch die Entwicklung Werdohls als Gemeinde und Stadt. Es geht mithin auch um die „strukturellen Veränderungen in einem alten Industriestandort an Lenne und Verse“. Die Entwicklung der Industrie – insbesondere nach dem Bau der Ruhr-Sieg-Bahnstrecke – habe den Ort Werdohl entscheidend geprägt, rief Manfred Wolf in Erinnerung. 

Bedeutung der hiesigen Industrie

Die besondere Bedeutung der hiesigen Industrie in den vergangenen zwei Jahrhunderten und die Querverbindungen zwischen industrieller Entwicklung, Verkehrserschließung, Zuwanderung, Demographie, städtischer Entwicklung sowie Sozialgeschichte von Unternehmertum und Arbeiterschaft sei lokal bisher nicht systematisch recherchiert und dargestellt worden, so Wolf. 

Diese Zusammenhänge werden sowohl in einem unter der Federführung des Fachhistorikers Dr. Oliver Schulz geplanten Begleitband, als auch in der erwähnten Ausstellung dargestellt, für die ehrenamtlich arbeitende Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins recherchieren, Archive durchstöbern, Zeitzeugen interviewen oder Dokumente und Bilder sammeln. Auch hier wird die Arbeit durch Dr. Schulz mit begleitet und koordiniert. 

Die Gießpfanne und Stahlwerkskokille der Firma Schmiedag auf der Stadtbrücke gehört zu den sichtbaren, wenn auch stummen Zeugen der Werdohler Industriegeschichte.

Trotz Verzug in der Vorbereitungsphase soll es beim Eröffnungstermin für diese Ausstellung am 11. März 2018 bleiben. Später steht in Aussicht, einzelne Bereiche der Ausstellung nach den Worten des Arbeitskreis-Vorsitzenden „in wechselnder Folge im Stadtmuseum zu zeigen.“

Denkbar sei auch eine Wanderausstellung in Werdohler Schulen oder in Museen der Nachbarstädte entlang der Lenne, zumal aus den Orten flussauf- und flussabwärts sowie aus dem Hönnetal und Hochsauerland viele Arbeitskräfte ihr Geld in Werdohler Firmen verdient hatten. 

Ihre An- und Abfahrt wurde zu großen Teilen mit Busunternehmen geregelt. Werdohl sei beispielhaft für ähnliche Entwicklungen in anderen Orten der Lenneschiene. Finanziell betrachtet ist das nunmehr konkret auf den Weg gebrachte Vorhaben inzwischen auch abgesichert.

Mit rund 30.000 Euro Gesamtkosten werde gerechnet, so der Heimat- und Geschichtsvereins-Vorsitzende Heiner Burkhardt. Etwas mehr als zwei Drittel davon dürften aus dem Leader-Projekt Lenneschiene als Zuschuss zu erwarten sein. Vor wenigen Tagen, so Burkhardt, habe man von der Bezirksregierung Arnsberg das entsprechende Signal bekommen. 

Mitwirkung der Bevölkerung

Endgültig sei das zwar noch nicht, weil der Haushaltsplan bisher noch nicht genehmigt sei, „aber das wird wohl...“ Entsprechend zuversichtlich hatte sich – wie schon berichtet – auch vor rund einer Woche Kathrin Hartwig, die Koordinatorin der Leader-Projekte (und zugleich Stadtplanerin in Werdohl) geäußert. 

Was nun die Ausstattung der Ausstellung betrifft, so sei man im Blick auf die Exponate auf die Mitwirkung der Bevölkerung angewiesen. Dazu Arbeitskreis-Mitglied und Stadtgänger Udo Böhme: „Es gibt viele aus den Firmen, die etwas zur Verfügung stellen könnten“. Das betreffe ehemalige Brüninghaus-Mitarbeiter ebenso, wie die von Thomée in Ütterlingsen und an der Heinrichstraße. 

Die Mitglieder des Arbeitskreises, die die Ausstellung zur Werdohler Industriegeschichte vorbereiten. Von links Fachhistoriker Dr. Oliver Schulz, Heinz Rohe, Leader-Managerin Silke Erdmann, Heiner Burkhardt als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, Udo Böhme, Arbeitskreis-Vorsitzender Manfred Wolf und Rainer Gumz. Es fehlt: Barbara Funke.

Colsman ist ein Stichwort, VDM ebenso, nicht zu vergessen Firma Carl Berg oder auch DEW an der Plettenberger Straße. Und wenn es nicht um Exponate geht, dann um Erinnerungen. Dr. Oliver Schulz: „Wir werden auch auf die Persönlichkeiten schauen, Gewerkschaften und Arbeitnehmer“. Dabei richtet sich der Fokus auch auf das Kapitel Gastarbeiter, das übrigens schon früh begonnen hat. 

Es waren Italiener, die die Eisenbahntunnel auf der Ruhr-Sieg-Bahnstrecke gebaut haben. Nach der Vertriebenen-Integration direkt nach dem Krieg wurden sie verstärkt für Werdohler Firmen angeworben – Italiener, Spanier und Griechen zuerst, dann Jugoslawen und schließlich Türken. Das alles führte zu einer Umschichtung innerhalb der Werdohler Bevölkerung. Integration wurde ein großes Thema.

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