„Lasst diesen Verein doch nicht verhungern“

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Der verbliebene Vorstand des 4. Zuges des Versetaler Schützenvereins (v. l.): Kurt Zoltek, Angelika Zoltek, Bastian Häring und Timo Westendorf.

Werdohl - Eigentlich war sie bereits vorbei, die Jahreszugversammlung des vierten Zuges des Versetaler Schützenvereins, als in Bärenstein Oberst Manfred Kehr das Wort ergriff. Es folgte ein eindringlicher Appel, der in den Worten „Lasst diesen Verein nicht verhungern“ gipfelte.

Gerade waren die Vorstandswahlen des vierten Schützenzuges über die Bühne geganen. Zwei wichtige Posten konnten dabei mangels Kandidaten nicht besetzt werden. Kehr, der ankündigte, dass er im Januar bei der Jahreshauptversammlung des Hauptvereins auf dringendes ärztliches Anraten selbst nicht mehr als Vorsitzender kandidieren werde, nahm dies zum Anlass, um den Schützen einmal ins Gewissen zu reden.

„Wollen wir uns denn entfremden?“

Viele – vor allen Dingen jüngere – Menschen hätten eine Mitnahme-Mentalität. Kehr meinte, diese würden denken: „Ich will, dass der Verein mir etwas bietet. Aber mich binden? Um Gottes Willen.“ Dabei müsse jeder Einzelne Vereinsarbeit leisten, „oder wollen wir uns denn entfremden und nur noch auf Handys herumtippen“, fragte er aufgebracht.

Unterstützung erhielt Kehr von Frank Herber. Der Zugführer von Zug 3 sagte: „Wenn nicht im Januar bei der Jahreshauptversammlung, so doch langfristig, muss sich einiges bei uns im Verein verändern.“ Im Laufe der jüngsten Zeit habe der Versetaler Schützenverein rund 120 Mitglieder verloren. Die verbliebenen hätten bereits ein Durchschnittsalter von 60 Jahren erreicht. Diese Entwicklung müsse umgekehrt werden.

Und auch Bastian Häring, Zugführer in Bärenstein, schlug in die selbe Kerbe. „Wenn sich die Personalausstattung unseres Zug-Vorstandes nicht ändert, ist es durchaus vorstellbar, dass ich im nächsten Jahr nicht mehr als Zugführer zu Verfügung stehe.“

Ist Bärenstein bald schon ohne Zugführer?

Bereits jetzt habe der verbliebene Zug-4-Vorstand einen Entschluss gefasst: „Wir werden die Reinigung des Schießheims nicht mehr übernehmen. Dafür wird jetzt jemand gesucht, der auch dafür entlohnt werden soll“, betonte Häring.

Gut eine Stunde zuvor hatte der Zugführer rund 25 Anwesende zur Jahreszugversammlung begrüßt. Die Jugend hatte die Bewirtung am Samstagabend übernommen. Den Jahresbericht hielt Angelika Zoltek. Sie erinnerte an das – bei erfreulicher Witterung – besonders gut besuchte Ostereierschießen, an eine Brauereibesichtigung sowie an die Veranstaltungen Werdohl wandert und Schlachtfest beziehungsweise Oktoberfest.

Timo Westendorf hielt dann den Kassenbericht. Von einem minimalen Überschuss konnte er erzählen. Knut Zoltek lobte dann seine Schützem im Schießbericht. An 40 Schießabenden hätten sie 286 Serien geschossen. Sowohl die Senioren als auch die Jugend hätten im eigenen Verein, wie auch auf fremdem Boden erfolgreich abgeschnitten.

Eingeschränkte Zeiten für den Schießbetrieb

Im kommenden Jahr werde es Änderungen im Schießbetrieb geben. Die Jugend schieße künftig dienstags von 18 bis 20 Uhr. Für die Senioren bleibe der Schieß-Termin freitags von 19.30 bis 21 Uhr, finde aber nur noch an den jeweils zweiten und vierten Freitagen eines Monats statt, teilte Zoltek noch mit.

Bei den folgenden Wahlen wurde zunächst Klaus Röther im Amt des 2. Zugführers bestätigt. Röther befindet sich jedoch seit dem Wochenende im Krankenhaus. Bastian Häring hatte ihn dort bereits besucht und wusste von ihm, dass er die Wahl annehmen würde.

Zwei Vorstandsposten ohne Kandidaten

Ebenfalls wie Röther für drei Jahre wiedergewählt wurden Knut Zoltek zum 1. Schießwart sowie Bernd König zum 2. Kassierer. Der bisher vakante Posten des 2. Schießwartes muss auch weiterhin unbesetzt bleiben. Auch als Nachfolger von Sebastian Fischer, der aus beruflichen wie privaten Gründen künftig nicht mehr der 2. Schriftführer sein kann, fand sich niemand.

Der Zug 4 des Versetaler Schützenvereins veranstaltet am Freitag, 5. Dezember, ab 19.30 Uhr sein Jahresabschluss-Schießen. Die Weihnachtsfeier schließlich geht am Samstag, 13. Dezember, ab 18 Uhr in Altenmühle über die Bühne.

Von Michael Koll

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