Fahr-Schüler müssen früh aufstehen

Langer Schulweg: Mit dem Schienenersatzverkehr zum Gymnasium

Viel los war am Mittwochmorgen am Busbahnhof in Werdohl: Die Schüler des Burggymnasiums aus Werdohl und Neuenrade wurden mit drei Bussen des Schienenersatzverkehrs nach Altena gebracht.
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Viel los war am Mittwochmorgen am Busbahnhof in Werdohl: Die Schüler des Burggymnasiums aus Werdohl und Neuenrade wurden mit drei Bussen des Schienenersatzverkehrs nach Altena gebracht.

Mittwochmorgen, 6.43 Uhr. Es ist der erste Schultag nach den Sommerferien und damit auch der erste nach dem schweren Unwetter im Juli.

Am Busbahnhof in Werdohl versammelt sich eine zunehmend größer werdende Schülergruppe. Die meisten Jugendlichen kommen aus Werdohl und Neuenrade. Ihr Ziel: das Burggymnasium in Altena.

Bis Dienstag war unklar gewesen, wie die Schüler in die Burgstadt kommen sollten: Die B 236 ist gesperrt, die Bahn fährt nicht und mit Gelenkbussen über den Kohlberg geht es auch nicht. Die Lösung: Schüler sollen ab dem Werdohler Busbahnhof den Schienenersatzverkehr nach Altena nutzen. Drei Busse stehen am Mittwochmorgen bereit.

Reges Treiben und etwas Chaos

Es herrscht reges Treiben und etwas Chaos. Immer wieder werden die Busfahrer angesprochen: „Ist das hier der Bus nach Altena?“. „Die Busse hier fahren alle drei nach Altena“, antwortet einer der Fahrer. Kurz darauf blickt er auf seine Uhr und stellt fest: „6.53 Uhr – jetzt heben wir ab.“ Er nimmt noch einen Schluck Kaffee aus dem To-go-Becher, bevor er in dem Gelenkbus der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) Platz nimmt, der die Kolonne an diesem Morgen anführt.

Die drei Busse sind gut gefüllt. Einige Schüler müssen während der gesamten Fahrt stehen.

Der Motor startet, die Türen schließen sich. Es scheint pünktlich loszugehen in Richtung Altena. Zu pünktlich für zwei Schüler, die gerade erst angelaufen kommen. Sie haben Glück, denn der Fahrer hält für sie noch einmal an. Im Bus ist die Stimmung gut. Es ist nicht so voll, wie es einige vielleicht erwartet hatten. Gerade einmal 15 Personen müssen sich im ersten Wagen mit Stehplätzen zufrieden geben. Die absolute Mehrheit der Fahrgäste besteht wohl aus Schülern. Berufspendler, die den Schienenersatzverkehr nutzen, gibt es im ersten Bus fast keine.

Freude, die Freunde wiederzusehen

Die meisten Jugendlichen unterhalten sich, nur wenige hören Musik oder beschäftigen sich mit ihren Smartphones. Es geht um die Ferien, um Urlaube, um Hobbys und Sport. Trotz Maskenpflicht ist in den Augen vieler zu erkennen, dass sie sich freuen, ihre Freunde wiederzusehen. Begrüßungen laufen an diesem Morgen trotz aller Euphorie coronakonform ab – mit einem Faustschlag.

Langsam „kriecht“ der Bus indes den Höhenweg hinauf, hat mit dem steilen Stück kurz vor dem Seniorenheim Forsthaus scheinbar zu kämpfen. Ruppig schaltet das Automatikgetriebe mehrere Gänge herunter. Zwei Rotphasen muss der Schienenersatzverkehr an der Baustellenampel vor dem Forsthaus warten. Um 7.10 Uhr erreicht die Kolonne den Rosmart-Kreisverkehr. Beim Blick aus den Busfenstern offenbart sich kein schöner Ausblick. Richtig herbstlich ist dieser Morgen des ersten Schultags. Nebel hängt über den Brunscheider Höhen und es regnet leicht. Die Schüler befassen sich damit jedoch kaum: Ihre Gesprächsthemen haben inzwischen gewechselt. Ein Mädchen erzählt ihren Freunden, dass sie in den Ferien die zweite Impfung erhalten habe. „Trotzdem muss ich mich heute in der Schule testen lassen“, meint sie. Denn als komplett geimpft zähle sie erst ab Donnerstag. Begeistert scheint sie davon nicht zu sein.

Über Lüdenscheid geht es nach Altena

7.14 Uhr: Der Bus ist inzwischen an der Auffahrt zur Autobahn 45 angekommen und setzt seine Fahrt über die Werdohler Straße sowie die Lennestraße fort. Erst an der großen Ampelkreuzung mit der Rahmedestraße wird die Kolonne wieder ausgebremst.

Endlich angekommen: Nach rund 50-minütiger Fahrt erreichen die Busse ihr Ziel in Altena.

Um 7.23 Uhr erreichen die Fahrzeuge die ersten Vororte von Altena. In Grünewiese schaut Schüler Tim auf sein Handy: „7.27 Uhr – wir fahren jetzt schon über eine halbe Stunde“, merkt er an. Der 17-Jährige gehört zu denjenigen, die an diesem Morgen nur noch einen Stehplatz ergattern konnten. Normalerweise komme er öfter mit der Bahn nach Altena. Das gehe deutlich schneller, dauere gerade einmal rund zehn Minuten. Schüler Ylli aus Neuenrade meint: „Dass die Busfahrt so lange dauert, ist schon ein bisschen belastend.“ Schlecht gelaunt sind aber beide nicht, auch wenn sie sich einen schöneren Start ins neue Schuljahr hätten vorstellen können. Ganz besonders wegen eines Aspektes: Die lange Fahrtzeit wird es auch auf dem Rückweg geben.

Eine andere 17-Jährige fragt sich schon, wie der Rückweg allgemein ablaufen wird. „Darum, wie wir hinkommen, haben sie sich gekümmert. Aber fahren auf dem Rückweg auch so viele Busse? Und kriegen wir die?“

Unwetterschäden lassen sich erkennen

Der Bus ist auf der Rahmedestraße inzwischen weiter in Richtung Altena vorgedrungen. Langsam lassen sich Unwetterschäden erkennen, die nach dem Hochwasser an der Straße und an Firmengebäuden zurückgeblieben sind. Als eine Schülerin die Sperrung der B 236 im Bereich der Firma Duschking sieht, kommentiert sie etwas schockiert: „Was hier passiert ist... Wir waren doch nur ein paar Wochen weg.“

Wenig später erreicht der Bus die Lennestraße, gerät auf dem letzten Streckenabschnitt vor dem Bahnhof in einen Stau. Vor dem Kreisverkehr am Markaner hat sich eine Warteschlange gebildet.

Nach 50 Minuten ist der Altenaer Bahnhof erreicht

Um 7.43 Uhr und damit rund 50 Minuten nach dem Start in Werdohl erreicht die Bus-Kolonne schließlich den Altenaer Bahnhof. Von hier aus geht es für die Schüler die Bismarckstraße hinauf bis zum Burggymnasium zu Fuß weiter. Ob sie sich wünschen würden, dass diese morgendliche Odyssee anders geregelt worden wäre – zum Beispiel durch Online-Unterricht? Da gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen. Während Ylli aus Neuenrade denkt, dass das „schon ein bisschen entspannter“ wäre, meint eine seiner Mitschülerinnen ganz klar: „Schule online ist auch nicht schön!“

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