SPD verliert auch in Werdohl deutlich

+
Auszählung im Rathaus: Insgesamt haben 6667 Wähler ihre Stimmen abgegeben, was einer Wahlbeteiligung von 57,7 Prozent entspricht – 5,6 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale waren alle Stimmen gezählt

Werdohl - Jubel bei CDU und FDP, betretene Mienen dagegen bei der SPD: Daran, dass SPD-Kandidat Michael Scheffler am Sonntag bei der Landtagswahl sein Mandat verloren hat, konnte auch das Wahlergebnis aus Werdohl nichts ändern. Insbesondere in Iserlohn hatte sein Kontrahent Schick mit 40,7 Prozent die Nase vorn.

Zwar holte Scheffler an Lenne und Verse sein bestes Ergebnis im ganzen Wahlkreis und mehr Stimmen als CDU-Kandidat Thorsten Schick, aber gegenüber der Wahl 2012 büßte er auch fast zehn Prozent ein. „Das war vor fünf Jahren natürlich auch ein Traumergebnis“, versuchte Udo Böhme, der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, den Verlust zu relativieren. 

Dennoch sei er vom Erststimmen-Ergebnis für die SPD enttäuscht, gab Böhme zu. Scheffler habe im Gegensatz zu Schick in Werdohl hohe Präsenz gezeigt.

Das sah Detlef Seidel, Vorsitzender der CDU-Ortsunion, naturgemäß ganz anders. Das Wahlergebnis zeige, dass Schick „über die Jahre gesehen in Werdohl sehr präsent war“, sagte er mit Blick auf die 36,1 Prozent Erstimmen. Dies sei für Werdohler Verhältnisse ein hervorragendes Ergebnis. Vor fünf Jahren hatte Schick fast sechs Prozent weniger geholt.

Zugelegt hat auch die FDP, was Jürgen Neumann, der Vorsitzende des FDP-Ortsverbands, strahlend zur Kenntnis nahm: „Uns freut, dass wir das Ergebnis der Kommunalwahl deutlich übertreffen konnten“, sagte er.

Traurig war Neumann aber darüber, dass es der FDP nicht gelungen, drittstärkste Kraft in Werdohl zu werden. Das verhinderte ausgerechnet die AfD, die bei den Erststimmen knapp 0,4 Prozent mehr holte als die Liberalen. Immerhin war die FDP bei den Zweitstimmen wieder stärker. Dennoch: „Einem waschechten Demokraten tut so etwas weh“, sagte Neumann über das Erstarken der rechten Parteien.

Darin stimmten auch alle Parteivorsitzenden überein. Seidel (CDU) wertete das AfD-Ergebnis als „schlimmes Zeichen“. Dass die Extremen in Werdohl so stark seien, gebe ihm zu denken. „Vielleicht ist das unserer Bevölkerungssituation geschuldet“, sinnierte er. Zweistellige Erststimmen-Ergebnisse hatte die AfD unter anderem in Ütterlingsen und Pungelscheid eingefahren, In einem Wahllokal, im Einwohnerbüro des Rathauses, hatten sogar 16 Prozent der Wähler der AfD die Zweitstimme gegeben.

Seidel und Neumann würden einer schwarz-gelben Koalition in Düsseldorf den Vorzug geben und selbst Böhme sieht die Große Koalition nur als Lösung an, wenn keine andere Konstellation möglich ist. „Ich bin kein Freund der GroKo, wenn es andere Möglichkeiten gibt“, sagt der Werdohler SPD-Vorsitzende. Neumann schränkte allerdings ein: Eine Koalition solle die FDP mit der CDU nur eingehen, wenn sie dafür nicht zu viel von ihrer Politik preisgeben müsse. Für gut hält er die Ankündigung seiner Partei, die Koalitionsfrage in einer Mitgliederbefragung zur Abstimmung zu stellen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare