Erster Werdohler Abgeordneter aus der CDU

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Großartige Stimmung am 13. Mai 1990 bei der Werdohler CDU: Horst Jäcker (Mitte) zieht erneut über die Landesliste ins Düsseldorfer Parlament ein.

Werdohl - Bei den Landtagswahlen der 1980er- und 1990er-Jahre brachte eine neue Partei zusätzliche Farbe in die politische Landschaft. Und nach 19 Jahren – erstmals überhaupt für die CDU – schaffte auch wieder ein Werdohler Kandidat den Sprung in das Landesparlament.

Für die Landtagswahl 1980 wurden die Wahlkreise neu eingeteilt. Aus dem bisherigen Wahlkreis Lüdenscheid I blieben nur Altena, Herscheid, Meinerzhagen, Plettenberg und Werdohl übrig und bildeten den Wahlkreis 148. Nachrodt-Wiblingwerde wurde in den Wahlkreis 150 mit Iserlohn, Neuenrade in den Wahlkreis 151 mit Balve, Hemer und Menden verschoben.

Landespolitische Themen spielten 1980 eine geringe Rolle, nachdem die Auseinandersetzung um die Einführung der Kooperativen Schule mit einem Erfolg der CDU geendet und der Landtag die Einführung dieser Schulform rückgängig gemacht hatte. Vor Ort wurde die Schuldiskussion allerdings sehr wohl weitergeführt. Heinz Bickmann, CDU-Kandidat für den Wahlkreis 148, vertrat bei einem Auftritt in Werdohl die Meinung, neben einer Gesamtschule könne in Werdohl keine andere Schulform existieren. NRW-Kultusminister Jürgen Girgensohn hielt dagegen, eine Zweigstelle des Burggymnasiums Altena in Werdohl habe kaum Chancen, die Aussichten für eine Gesamtschule seien dagegen auch bei sinkenden Schülerzahlen gut.

Die Wahl 1980 brachte landesweit einen Erdrutschsieg für die SPD, die fortan alleine regieren konnte. In Werdohl holte der Plettenberger Bürgermeister Dr. Heinz Baberg für die SPD mit 54,9 Prozent ebenfalls ein Rekordergebnis; den Wahlkreis gewann er mit 53,5 Prozent. Erstmals waren auch die Grünen zur Wahl angetreten, im Wahlkreis 148 mit dem Neuenrader Michael Ratajski. Sie holten in Werdohl aber nur 2,1 Prozent, landesweit immerhin 3 Prozent. Die FDP, die in Werdohl noch auf 5,3 Prozent kam, verpasste im Land hauchdünn die 5-Prozent-Hürde.

Auch bei der FDP mit ihrem Kandidaten Kai-Uwe Brodersen (Mitte, mit Krawatte) war die Stimmung nach der Landtagswahl 1990 gut.

Fünf Jahre später kam es im WDR-Fernsehen zu einem Duell der Spitzenkandidaten. In Werdohl organisierten die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) und die Kolpingsfamilie eine Podiumsdiskussion mit den Wahlkreiskandidaten Udo Scheepers (SPD), Horst Jäcker (CDU) und Friedrich-Wilhelm Pamp (FDP). Grünen-Kandidat Ratajski fehlte wegen anderer Termine. Nach einem eher mauen Wahlkampf, in dem die Rentenpolitik der Bundesregierung („Die Renten sind sicher!“) und der Strukturwandel in NRW noch die interessantesten Themen waren, konnte die SPD unter Führung von Johannes Rau ihre absolute Mehrheit in Düsseldorf verteidigen. Die FDP kehrte in den Landtag zurück, während die Grünen knapp scheiterten.

In Werdohl sorgte weniger SPD-Kandidat Scheepers (39) für Furore, obwohl er 57,9 Prozent der Stimmen holte und mit 57,3 Prozent auch das Wahlkreismandat gewann. Vielmehr war es CDU-Kandidat Horst Jäcker (44), dem die Herzen zuflogen: Er hatte zwar nur ein Drittel der Wählerstimmen erhalten, aber weil die CDU landesweit viele sicher geglaubte Wahlbezirke an die SPD verloren hatte, „zog“ die Landesliste bis Platz 64 – und Jäcker war dabei.

Auch 1990 schaffte Jäcker über diesen Weg den Sprung in den Landtag. Sein SPD-Kontrahent war aber mittlerweile der 38-jährige Meinerzhagener Gerd Wirth, nachdem Udo Scheepers 1986 nicht einmal ein Jahr nach der Wahl gestorben war. Unter den Bewerbern gab es mit Kai-Uwe Brodersen aber noch einen Werdohler. Der erst 24-Jährige kandidierte für die FDP. Und mit den Republikanern tauchte eine neue Partei am rechten Rand auf. Sie schickte den Plettenberger Reinhard Wnendt ins Rennen, der wegen rassistischer Äußerungen umstritten war.

In Werdohl holte die SPD diesmal 55,4 Prozent der Stimmen, im Wahlkreis waren es kaum weniger und Wirth gewann das Direktmandat. Die Repubikaner kamen in Werdohl auf 2,5 Prozent – 0,6 Prozent mehr als im Landesdurchschnitt. Für den SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Uli Hopmann war es trotzdem ein Indiz dafür, dass „die letzte Stunde der Reps auch in Werdohl geschlagen“ habe. In Düsseldorf holte die SPD ganz knapp die absolute Mehrheit. Mit zwei Jahren Verzögerung erhielt sie einen 123. Sitz – für Hagen Müller aus Menden, der nachrückte, nachdem im Wahlkreis 151 das Ergebnis noch einmal überprüft worden war.

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