Versuchter Mord, versuchter schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung

Landgericht Hagen verurteilt Messerstecher aus Neuenrade (34) zu dieser Haftstrafe

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Werdohl - Die 2. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hagen verurteilte den 34-jährigen Neuenrader am Mittwoch wegen versuchten Mordes, versuchten schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von acht Jahren und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Das Strafmaß lag somit am obersten Rand dessen, was im Rahmen einer Verständigung unter den Prozessparteien angepeilt worden war. Die Kammer zeigte sich überzeugt, dass der Angeklagte sein Opfer durch die gezielten Stiche möglichst schnell kampfunfähig machen wollte. 

Weil seine kriminelle Energie für eine klassische Raubsituation nicht ausreichte, habe er den Zeugen möglichst schnell kampfunfähig gemacht. Er habe ihn zwar nicht um jeden Preis töten wollen, wohl aber seinen Tod billigend in Kauf genommen. Objektiv gesehen, sei der Angriff äußerst gefährlich gewesen – nur dem Zufall sei es zu verdanken, dass der 56-Jährige überlebt habe. 

Was nach unterschiedlichen Angaben über die verbal erhobenen Forderungen bisher umstritten war, fassten die Richter zu einer doppelten Habgier des Angeklagten zusammen: Möglicherweise habe der Räuber beides haben wollen: Das Geld, um seine Schulden zu bezahlen, und das Auto des Geschädigten, um möglichst schnell verschwinden zu können. 

Einen möglichen Rücktritt vom versuchten Mord sahen die Richter nicht. Es sei sicher, dass der Angeklagte erst nach der Flucht seines Opfers den Rückzug angetreten habe.

Jörg Weber-Schmitz, Vorsitzender Richter der 2. Schwurgerichtskammer, schloss sich der allgemeinen Ratlosigkeit über eine scheinbar wahnsinnige Tat an: Ein Blick in den leeren Auszug aus dem Bundeszentralregister der Straftaten mache die Tat noch unverständlicher. Die Kammer ging aber davon aus, dass der Angeklagte wusste, was er tat. Den totalen Zusammenbruch seines moralischen Empfindens hätte er erkennen und sich stoppen müssen. 

Der Prozess hatte allerdings deutlich gemacht, dass er selbst keine Antwort auf die Frage fand, wie so etwas passieren konnte. Seine Angehörigen weinten und bemühten ein einziges Wort für die Katastrophe, die der 34-Jährige auch sich selbst bereitet hatte. Es fing mit den Buchstaben Sch an. 

Bevor das Urteil rechtskräftig wird, wollen die Anwälte Dominik Petereit und Dirk Löber mit ihrem Mandanten beraten, ob sie das Urteil vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe überprüfen lassen.

Der Fall:

Einen „versuchten Heimtücke- und Habgiermord“ wirft die Staatsanwaltschaft einem 34-jähriger Neuenrader vor. Der Angeklagte gab gleich zum Auftakt des Strafverfahrens im Landgericht Hagen zu, dass er am Morgen des 9. Dezember im Parkhaus an der Freiheitstraße in Werdohl einen 56 Jahre alten Kunden der Sparkasse mit zwei Messerstichen verletzte, um ihn zu berauben.

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