Landflucht aus Werdohl nach dem Schulabschluss

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Didem Dege, Leon Evers, Jannis Grafe (von links) und Kyra Zauner (nicht im Bild) werteten die Fragebögen von 123 Oberstufenschülern aus und entwickelten aus den Ergebnissen auch Diagramme.

Werdohl - Viele Jugendliche und junge Erwachsene wollen ihre Heimatstadt Werdohl, Neuenrade, Altena oder Plettenberg nach Abschluss ihrer schulischen Laufbahn verlassen und in eine der Metropolregionen ziehen.

Das ist eine der Kernaussagen einer Befragung von 123 Oberstufenschülern der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG), die Schüler des Elfer-Kurses Sozialwissenschaften im Vorfeld der WDR-5-Sendung zum Thema Landflucht an ihrer Schule durchgeführt haben. 

Von allen Befragten tendieren nach derzeitigem Stand gerade einmal 25 Schüler dazu, dauerhaft in ihrer Heimat zu bleiben. Dagegen spielen 98 mit dem Gedanken sich räumlich zu verändern. Dabei ist für die AEG-Oberstufenschüler längst nicht alles schlecht in ihren Heimatstädten, wie Jannis Grafe, Kyra Zauner, Didem Dege und Leon Evers erklärten, die die Umfrage zusätzlich zu den normalen Unterrichtsinhalten durchgeführt und in mehrstündiger Detailarbeit ausgewertet haben. 

Natur und Ruhe als positiv bewertet 

So wurden durchweg für eigentlich alle vier Kommunen die Natur und auch die Ruhe als positiv bewertet. Negativ ins Gewicht fielen aus Sicht der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu wenige Freizeit- und Shoppingmöglichkeiten. Auch die Zukunftsperspektiven mit Blick auf eine berufliche Karriere wurden als eher schlecht angesehen. Schlechte Noten bekam zudem der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Lennetal in Sachen Taktung und Anbindung an das Ruhrgebiet. 

Den ÖPNV hatte Michael Tauscher, Demografiebeauftragter der Stadt Werdohl, in einem Interview mit unserer Zeitung in der vergangenen Woche noch ausdrücklich gelobt. „Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen zu einem Thema sein können“, sagte Schulleiter Reinhard Schulte, der die Position der Schüler durchaus verstehen konnte. So sei es besonders in den Abendstunden oder spontan häufig schwierig, mit öffentlichen Verkehrsmitteln schnell und unkompliziert von A nach B zu kommen. 

Zugleich machte die Befragung aber auch deutlich, dass sich viele in ihren Heimatstätten dennoch recht wohlfühlen, letztlich die negativen Positionen aber überwiegen und deshalb den Ausschlag für einen Fortzug geben könnten. „Würde man beispielsweise in Sachen Freizeitmöglichkeiten und ÖPNV aber etwas verändern, könnte das Ergebnis vielleicht viel besser aussehen“, mutmaßte Schulte. 

"Das Thema geht die Schüler direkt an"

Lehrerin Martina Bodewig hatte die Umfrage zum Thema Landflucht sofort in ihren Lehrplan eingebaut, nachdem vor einigen Wochen die Anfrage des WDR gekommen war, eine Sendung der „Stadtgespräch“-Reihe im Festsaal Riesei im Schulkomplex produzieren zu wollen. „Das Thema geht die Schüler direkt an. Deshalb ist es sehr sinnvoll, dieses in den Unterricht einzubauen. Der Kurs hat begeistert und gerne mitgemacht“, erzählte Bodewig. 

Nachdem die Lehrerin am Dienstag noch einmal Kontakt mit den WDR-Verantwortlichen hatte, sollen die Schüler ihre Ergebnisse am Donnerstag in der Livesendung präsentieren können. Darüber hinaus bekommt der Kurs für sein Engagement noch eine weitere Belohnung: In Kürze geht es nach Siegen für eine Besichtigung des WDR-Studios.

WDR 5 und das Studio Siegen laden für morgen, Donnerstag, zur „Stadtgespräch“-Sendung zum Thema „Die Jungen machen sich vom Acker – ist die Landflucht noch zu stoppen?“ in den Festsaal Riesei ein. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt ist frei. Als Diskussionsteilnehmer sind angekündigt: NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach, Demografie-Experte Manuel Slupina, Hubertus Winterberg (Leiter der Südwestfalen-Agentur) und Dimitri Hegemann, der die Agentur „Happy Locals“ gegründet hat. Das Stadtgespräch wird auch live im Radio bei WDR 5 (90,3 MHz) zu hören sein.

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