Schulministerium antwortet

Wie läuft Schule in Corona-Zeiten? Ex-AfD-Abgeordneter stellt Anfrage

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Wie es mit dem digitalen Lernen in den Werdohler Schulen läuft, wollte jetzt der Iserlohner Landtagsabgeordnete Alexander Langguth wissen. Das NRW-Schulministerium hat ihm sehr nüchtern geantwortet.

Werdohl – Wie ist es um den virtuellen Schulunterricht während der Corona-Zeit in Werdohl bestellt? Das wollte der Landtagsabgeordnete Alexander Langguth (45) jetzt von der Landesregierung wissen.

In einer Kleinen Anfrage hat er insgesamt fünf Fragen zu diesem Themenkomplex gestellt, die ihm das Schulministerium auch inzwischen mit ziemlich nüchternen Worten beantwortet hat. 

Doch wer ist eigentlich Alexander Langguth, und warum interessiert er sich ausgerechnet für die Situation an den Werdohler Schulen? Langguth ist ein fraktionsloser Landtagsabgeordneter aus Iserlohn. Landtagsabgeordneter ist er, weil er sich bei der Wahl im Mai 2017 als Kandidat der AfD im Landtagswahlkreis Märkischer Kreis I um ein Mandat beworben hat und anschließend über die Landesliste seiner Partei ins Parlament eingezogen ist. Fraktionslos ist er, weil er im September 2017 zusammen mit dem wesentlich bekannteren damaligen AfD-Fraktionsvorsitzenden Marcus Pretzell aus der Fraktion austrat. 

Vier Mal die gleichen Fragen

Für die Werdohler Verhältnisse interessiert er sich offensichtlich, weil die Stadt an Lenne und Verse zu seinem Wahlkreis gehört, weshalb Langguth gleichlautende Kleine Anfragen auch für die Städte Iserlohn und Altena sowie für die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde gestellt hat, die ebenfalls zu diesem Wahlkreis zählen. 

Inhaltlich ging es Langguth in seiner Kleinen Anfrage vor allem darum, ob die Werdohler Schulen an technischen Schulungen oder Fortbildungen teilgenommen haben und wie viele Werdohler Schulen in der Lage sind, ihre Schüler im Fernunterricht über digitale Plattformen zu unterrichten. Er wollte wissen, in wievielen Fällen Schulungsplattformen und weitere Software vom Schulträger beziehungsweise den Schulen gestellt und wie oft sie durch Eigenengagement von Lehrkräften beschafft wurden. Langguth fragte noch, an wievielen Schulen alle Lehrkräfte des Kollegiums über eine individuelle und aktive berufliche Mailadresse verfügen. Und schließlich wollte er wissen, wieviele Schüler in Werdohl nach den Erfahrungen der Corona-Schulpause nicht über die notwendige technische Ausstattung verfügen, um angebotenen Fernunterricht zu Hause wahrzunehmen. 

Fortbildung an der Gesamtschule

Das Schulministerium antwortete dem Abgeordneten, dass es rein technische Schulungen für Lehrer nicht gebe, Fortbildungen mit integrierten technischen Aspekten im vergangenen Schuljahr aber von der Albert-Einstein-Gesamtschule in Anspruch genommen worden seien. Für das erste Halbjahr 2020 geplante schulinterne und schulexterne Veranstaltungen seien aber pandemiebedingt ausgefallen. Was die digitalen Schulungsplattformen angeht, verwies das Ministerium darauf, dass das Land mit Logineo seit Juni eine kostenlose Lernplattform für Schulen bereitstelle. Es stehe den Schulen frei, diese zu benutzen. Eine Werdohler Schule habe eine Instanz dafür beantragt. Ob auch Lehrer durch eigenes Engagement Software bereitgestellt haben, konnte das Ministerium nicht mitteilen. 

Über Logineo wird Schulen in NRW auch die Kommunikation über dienstliche E-Mail-Adressen ermöglicht; auch dafür habe eine Werdohler Schule eine Instanz erhalten. Darüber, wie viele Werdohler Schüler nicht über die für den digitalen Unterricht erforderliche Ausstattung verfügen, konnte das Ministerium keine Angaben machen. 

Fördermittel noch nicht abgerufen

Interessant war in diesem Zusammenhang noch die Anmerkung des Schulministeriums, dass die Stadt Werdohl weder aus dem Digitalpakt Schule, noch aus dem Sofortausstattungsprogramm für Schüler mit besonderem Bedarf und auch nicht aus dem Förderprogramm zur Ausstattung von Lehrkräften mit dienstlichen Endgeräten bisher Mittel beantragt habe. Dabei hatte Werdohl doch gerade in diesem Jahr immer wieder große Summen in die digitale Ausstattung der Realschule und der Albert-Einstein-Gesamtschule gesteckt. 

Reinhardt Haarmann, für Schulen und IT-Angelegenheiten zuständiger Abteilungsleiter im Rathaus, konnte das erklären. Die IT-Ausstattung der Realschule sei aus Mitteln der Bildungspauschale finanziert worden, in die Gesamtschule seien Mittel aus dem Förderprogramm „Gute Schule 2020“ geflossen. Fördermittel aus dem Digitalpakt müssten erst bis zum 31. Dezember 2021 abgerufen werden. „Deshalb war das nicht so eilig“, erklärte Haarmann. Mit Geld aus diesem Förderprogramm wolle die Stadt im nächsten Jahr auch die Grundschulen ins digitale Zeitalter führen. 

256 iPads für rund 140.000 Euro

Zudem berichtete Haarmann darüber, dass nun auch die Anschaffung von iPads für den Schulunterricht bevorstehe. Um die Fördermittel zu beantragen, habe die Stadt zunächst noch einige Angebote einholen müssen. Nun könnten für rund 140 000 Euro 256 iPads für Schüler und für etwa 70 000 Euro auch dienstliche Endgeräte für alle 144 Lehrer an den Werdohler Schulen beschafft werden.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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