Theaterabend

Kulturcafé mit Überraschungen und bitterer Nachricht zum Schluss

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Schauspielerin Simone Silberzahn als Rosa Meyer.

Werdohl - Ein überaus anspruchsvoller Theaterabend, ein gespaltenes Publikum und eine bittere Nachricht zum Schluss: Das Kulturcafé im Kleinen Kulturforum überraschte.

Zu Gast war am Sonntag das Chansontheater Silberzahn mit dem Stück „Rosa geht weg – die ganze Story“. Sängerin und Schauspielerin Simone Silberzahn aus Dabringhausen bei Wermelskirchen verlangte den knapp 50 zahlenden Gästen mit dem Stück  einiges ab – und nicht alle waren bereit, ihr das zu geben. Nach der Pause blieben einige Stühle leer. Die, die geblieben waren, spendeten Silberzahn am Ende jedoch donnernden Applaus. 

Von den eigenen Möbeln belästigt

Rosa Meyer fühlt sich in ihren eigenen vier Wänden nicht wohl, von Möbeln gleichermaßen beobachtet wie belästigt. Zu den Klängen von Pianistin Ursula Wawroschek sang Silberzahn Chansons. Die Klavierspielerin fungierte aber auch als das Alter Ego von Rosa Meyer, kommentierte das Geschehen und lenkte die Entwicklung der Geschichte. 

"Wenn ich tot bin, mach' ich, was ich will"

Beinahe wirkte es, als gehe es um den Rückblick auf ein bereits voll gelebtes Leben. Nach der Pause schilderte Rosa – zu dieser Vermutung passend – dann auch: „Ich habe als Kind immer Sterben gespielt und mir dazu mein rosa Kleid angezogen.“ Und sie sang: „Wenn ich tot bin, mach’ ich, was ich will.“ 

Danach aber kristallisierte sich heraus, worum es im Stück eigentlich ging: Rosa ist eine Frau, die beinahe zerbrochen scheint an der Last unerwiderter Liebe, unausgesprochener Wünsche, grenzenloser Einsamkeit sowie vertaner Chancen. Resigniert fragte sie sich: „Wer soll mich den küssen?“ Und sie stellte fest: „Fast alles im Leben bekommt man irgendwie zu spät.“ Wer sich auf das Gespielte einlassen mochte, konnte auch viel über die eigenen Sehnsüchte erfahren. „Woran man glaubt, ist, was man bekommt – zum Glück gibt es die Hoffnung“, sang Silberzahn. 

Zwischen Tragödie und albern-skurril

Das Stück changierte zwischen Tragödie und skurril-albernen Episoden, zwischen Varieté-Nummern und philosophischen Einlagen. Als das bittere Ende schon zum Greifen nah schien, fand Rosa Meyer einen Hauch von Glück, „einen Augenblick voll Sonnenschein, voll tiefer Sehnsucht nach dem All“. Die Frau hat letztlich die Suche nach sich selbst beendet und Frieden gefunden – auch mit ihren Möbeln. 

Schock: Kulturcafé wird beendet

Nach der Schlussverbeugung der beiden Akteure kamen die Organisatorinnen der Kulturcafés auf die Bühne – mit einer bitteren Nachricht für die Besucher: Das Kulturcafé am 31. März wird nach 55 Jahren das letzte sein. Diese Nachricht nahm das Publikum geschockt auf.

Die Macher des Kleines Kulturforums: Der Vorstand mit (v.l.) Annette Wolf, Martina Kluge, Susanne Gräßer, Petra Kullack, Heinz Rohe.

"Wir wollten einen Schlussstrich ziehen, so lange das Kulturcafé noch richtig gut läuft“, sagt Annette Wolf, eine der sieben Organisatorinnen der Veranstaltungsreihe auf Anfrage zu den Gründen. Die Reihe findet nach 15 Jahren Ende März ein Ende. „Wir hatten am Anfang nicht geglaubt, dass wir mal die 50 erreichen werden. Nun werden es 55“, schiebt sie hinterher. 

Nachfolger fehlen

Der Grund: „Wir sind nun alle deutlich älter als 60 Jahre“, sagt Wolf und ergänzt: „Wir finden nun aber keine Nachfolger.“ Keineswegs sei Amtsmüdigkeit der Grund gewesen, um aufzuhören. „Die gibt es bei uns nicht“, betont Wolf. 

Getroffen hatten die Organisatorinnen die Entscheidung bereits im Herbst. Auch seidie Auswahl der Künstler nicht schwieriger geworden. „Ganz im Gegenteil. Mittlerweile müssen wir nicht mehr suchen. Die Auftretenden bewerben sich bei uns."

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