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Kritik am Jugendamt: Schulleiterinnen vermissen Unterstützung

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Von: Carla Witt

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In den Werdohler Kindertageseinrichtungen hat die Sprachförderung einen hohen Stellenwert. Es gibt spezielle Angebote – wie auf unserem Foto in der Kita Wunderkiste. Die Grundschulleiterinnen sorgen sich aber um die Mädchen und Jungen, die keinen Kitaplatz haben.
In den Werdohler Kindertageseinrichtungen hat die Sprachförderung einen hohen Stellenwert. Es gibt spezielle Angebote – wie auf unserem Foto in der Kita Wunderkiste. Die Grundschulleiterinnen sorgen sich aber um die Mädchen und Jungen, die keinen Kitaplatz haben. © Carla Witt

„Es ist ein Dilemma. Wir sind für die Kinder in diesem Alter nicht zuständig – wissen aber, dass wir bald diejenigen sein werden, die von dem Problem massiv betroffen sind.“ Im Namen aller Werdohler Grundschulleiterinnen hat Nina Manns, Rektorin der Gemeinschaftsgrundschule Werdohl, am Dienstag im Rathaus deutlich gemacht, dass zu viele Kinder im Vorschulalter Sprachförderbedarf haben, der aber nicht gedeckt wird, weil sie keinen Platz in einer Kindertagesstätte haben.

Werdohl ‒ Die Schulleiterinnen wünschen sich für ein Projekt, das die Sprachdefizite verringern soll, inhaltlich mehr Unterstützung vom Jugendamt. Manns bedankte sich ausdrücklich, dass die Stadt sich finanziell einbringe und das Brücken-Projekt in Werdohl so auf jeden Fall bis zum Sommer des kommenden Jahres gesichert sei. Auch die Werdohler Kommunalpolitiker machten sich für die Maßnahme extrem stark, betonte sie. „Und uns liegt das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum sehr am Herzen“, unterstrich Manns auch im Namen ihrer Kolleginnen.

Hilfe-Ruf ohne Wirkung

Doch die Schulleiterinnen selbst könnten unmöglich noch weitere Aufgaben in diesem Bereich übernehmen – und hätten deshalb Hilfe eingefordert. „Am 17. Mai haben wir in einem Gespräch mit dem Jugendamtsleiter Michael Thomas-Lienkämper sehr dringend darum gebeten, dass betroffene Kinder seitens der Stadt zu diesem Projekt eingeladen werden“, schilderte Manns. Doch das sei leider nicht erfolgt. Im September habe man dann ein weiteres Mal mit Thomas-Lienkämper zusammengesessen und Hilfe angefordert – bisher sei nichts passiert.

Die Schulleiterin erklärte, dass es nicht nur um das Anschreiben an die Familien gehe. So sei auch die Idee, eventuell in Zusammenarbeit mit der Awo ein Elterncafé für die Eltern der betroffenen Mädchen und Jungen anzubieten, nicht erfolgt. Bei schlechtem Wetter müssten sich die Eltern im kleinen Vorraum der Schule aufhalten, während die Kinder gefördert würden. „Es wäre viel besser, wenn man ihnen Gelegenheit geben würde, in diesem geschützten Raum selbst auch ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.“ Das, so Manns, käme unterm Strich auch den Kindern und somit den Grundschulen zugute.

Viel Engagement, wenig Beistand

Auch die beiden Projektleiterinnen, die für die Sprachförderung zuständig seien, und großes Engagement an den Tag legten, erhielten nur wenig Beistand, bedauerte Manns. „Sie machen alles über ihre privaten Handys, halten darüber mit den Eltern Kontakt und regeln alles“, sagte die Grundschulleiterin – sie kritisierte deutlich: „Vom Gefühl her gibt es für die Durchführung des Projektes keine Unterstützung und keine Wertschätzung.“

Das wollte Michael Thomas-Lienkämper so nicht stehen lassen. „Es erfolgt sehr wohl eine Wertschätzung“, betonte er. Er verwies darauf, dass er erst seit März Leiter des Jugendamtes sei, zudem habe er einen großen Aufgabenbereich und vielfältige Aufgaben.

Nina Manns reagierte mit dem Hinweis, dass die Stadt verpflichtet sei, die Sprachförderung für Kinder anzubieten, bei denen sich im Rahmen des Sprachtests Delfin 4 entsprechende Defizite gezeigt hätten: „Sie müssen als Jugendamt in einer städtischen Kita eine Sprachförderung anbieten.“ Simone Hanßen, die neue Leiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes der Stadt Werdohl, schaltete sich daraufhin ein. Sie versprach, die Eltern der Kinder mit Förderbedarf entsprechend zu informieren.

Darum sind 1. Klassen rappelvoll

Manns betonte, das Projekt werde sehr gut angenommen. „Die Kinder kommen gerne und es tut ihnen so gut.“ Leider könnten nicht alle Kinder mit Förderbedarf eingebunden werden. „Wenn sie aber reelle Chancen in der Schule haben sollen, müssen sie die deutsche Sprache verstehen. Deshalb brauchen wir eigentlich noch mehr Plätze.“

Zudem habe das Problem auch Auswirkungen auf viele andere Grundschüler, verdeutlichte sie im Gespräch mit der Redaktion: „Wenn viele Kinder die erste Klasse wiederholen, weil sie nicht mitgekommen sind, kann das zuvor in der Schuleingangsplanung natürlich nicht berücksichtigt werden. Es führt dazu, dass die folgenden ersten Klassen rappelvoll sind. Daraus ergibt sich ein ganzer Rattenschwanz.“ Auch handele es sich nicht um Einzelfälle: Von den 175 Kindern, die in zwei Jahren schulpflichtig werden, hätten 26 einen Delfin-4-Test außerhalb der Kita absolvieren müssen, weil sie keinen Kita-Platz haben. „Und etwa 80 Prozent dieser Kinder haben einen Sprachförderbedarf.“

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