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Kritik am Schulministerium

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Von: Carla Witt

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Corona und Schulen
Die Maskenpflicht endet auch in Werdohler Schulen eine Woche vor dem Beginn der Osterferien. Alle Werdohler Schulleiter halten diesen Zeitpunkt für denkbar ungünstig. © Matthias Balk/dpa/Symbolbild

Das Ende der Maskenpflicht in den nordrheinwestfälischen Schulen kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt – diese Meinung vertreten die Leiter aller Werdohler Schulen.

Nina Manns, die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule, kann die Pläne des NRW-Schulministeriums nicht nachvollziehen. „Es vergeht keine Woche, ohne dass drei oder vier Kinder in Quarantäne müssen oder selbst infiziert sind.“ Auch die Lehrkräfte auf der Königsburg und Kleinhammer würden nicht verschont. „Momentan sind vier Kollegen positiv“, so Manns. Insgesamt seien neun der 27 Lehrkräfte erkrankt. Auch vor diesem Hintergrund kann Manns die Ministeriumsentscheidung nicht verstehen. „Es ist ohnehin ein Spießrutenlauf, das System am Laufen zu halten. Mehr als die Hälfte des Kollegiums war bisher noch nicht mit Corona infiziert. Wenn es demnächst noch mehr Krankheitsfälle geben sollte, sieht es ganz schlecht aus.“

Auf Schoolfox für die Maske werben

Manns appelliert an das Kollegium, freiwillig weiterhin Masken zu tragen. „In den Gemeinschaftsräumen bleiben sie auf jeden Fall auf“, unterstreicht sie. Mit Hilfe der Messenger-App Schoolfox will die Schulleiterin auch bei den Eltern der Grundschüler für das freiwillige Tragen eines Mund-Nase-Schutzes werben. „Die Kinder haben sich so daran gewöhnt, für sie ist es kein großes Problem mehr.“

Diese Ansicht teilt auch Maria Apprecht. Zudem unterstreicht die Rektorin der katholischen Grundschule St. Michael: „Ich denke, dass niemand die Osterferien in Quarantäne verbringen möchte.“ Schon aus diesem Grund könne sie sich vorstellen, dass viele Kinder zumindest in der Woche vor den Ferien den Schutz nicht ablegen. Sie selbst werde sich auch nach dem 2. April weiterhin mit einer Maske schützen – und im Kollegium dafür werben.

Lehrer sollen Vorbilder sein

Das hat Britta Schwarze bereits getan. „Wenn die Lehrer weiterhin einen Mund-Nasen-Schutz tragen, entscheiden sich die Schüler auch eher dazu“, hofft die Leiterin der evangelischen Martin-Luther-Grundschule. Sie sei „überhaupt nicht erbaut“ von den Plänen des Schulministeriums: „In der letzten Woche sind allein in meiner Klasse vier Kinder an Corona erkrankt.“ Dass Schutzmaßnahmen ausgerechnet bei hohen Infektionszahlen aufgegeben werden sollen, sei nicht nachvollziehbar.

Mehr Eigenverantwortung

Dass jetzt mehr Eigenverantwortung gefragt sei, unterstreichen Oliver Held (Realschule) und Sven Stocks (Gesamtschule). „Das Ende der Pflicht bedeutet ja nicht, dass es auch das Ende der Vorsicht sein muss“, erklärt Oliver Held. Schon einmal hätten sich die Realschüler freiwillig für das Tragen der Masken entschieden. Er könne sich gut vorstellen, dass viele das auch dieses Mal wieder so handhaben würden.

Sicherheit für Familien vor dem Osterfest

Sven Stocks glaubt ebenfalls, dass viele Schüler und Kollegen die Maske zumindest vor den Ferien nicht ablegen werden. Grundsätzliche sehe er die Entscheidung des Ministeriums, die mit mehr Eigenverantwortung einhergehe, eher positiv. Aber der Zeitpunkt sei denkbar ungünstig. „Wir tragen jetzt so lange Maske. Auf die Woche bis zu den Ferien wäre es nicht angekommen. So hätte man Familien, die mit anderen Ostern feiern oder auch in den Urlaub fahren wollen, mehr Sicherheit geben können“, sagt der Leiter der Albert-Einstein-Gesamtschule. Er selbst werde den Mund-Nase-Schutz weiterhin tragen.

Enormer organisatorischer Aufwand

Das Auslaufen der regelmäßigen Schultestungen nach den Osterferien sei für den Schulalltag positiv, so Stocks weiter. „Es ist doch ein enormer organisatorischer Aufwand.“ Andererseits würden bei jeder Testung ein oder auch mehrere corona-positive Schüler herausgefiltert. „Wenn wir nicht mehr testen, haben wir auch keine positiven Fälle mehr.“ Auf Dauer könne man von Kindern und Jugendlichen allerdings auch nicht verlangen, dass sie sich regelmäßigen Tests unterziehen, um vor allem Ungeimpfte zu schützen, betont der Schulleiter.

„Wenn demnächst jemand auf Nummer sicher gehen will, muss er den Weg zum Testzentrum einschlagen“, bilanziert Held. In der Realschule seien die Testungen inzwischen zur Routine geworden. Und man habe die „allermeisten positiven Fälle herausfiltern können.“

Großer Müllberg mit geringem Nutzen

Diese Ansicht vertritt auch Britta Schwarze. „Die Tests waren für uns kein Problem mehr. Wir haben immer wieder den einen oder anderen corona-positiven Schüler herausgefischt. Jetzt wissen wir wenigstens woran wir sind, demnächst wissen wir es nicht mehr“, bedauert die Leiterin der Martin-Luther-Grundschule. Gemeinschaftsschul-Leiterin Nina Manns hält den Wegfall der Schultestungen für „sehr riskant.“

Dagegen hat Maria Apprecht kein großes Vertrauen in die Schnelltests – und wertet das Ende der Schultestungen dementsprechend anders. „Die PCR-Tests sind immer sehr genau, aber die dann folgenden Schnelltests sind es nicht. Wenn man nach den PCR-Pooltests genau weiß, dass ein Kind positiv ist, kann man mit den Schnelltests in 90 Prozent der Fälle nicht herausfinden, wer es ist.“ Apprecht spricht von „einem großen Müllberg“, der keine großen Nutzen hat.

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