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Krippen in Werdohler Kirchen erzählen interessante Geschichten

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Von: Volker Griese

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Die Darstellung von Jesu Geburt umfasst in der katholischen St. Michael-Kirche eine ganze Krippenlandschaft, in der es viele Figuren und Szenen zu entdecken gibt. Der Krippenstall variiert von Jahr zu Jahr. In der Weihnachtszeit 2021/22 wurde er zum Beispiel aus Packpapier hergestellt und als Höhle gestaltet.
Die Darstellung von Jesu Geburt umfasst in der katholischen St. Michael-Kirche eine ganze Krippenlandschaft, in der es viele Figuren und Szenen zu entdecken gibt. Der Krippenstall variiert von Jahr zu Jahr. In der Weihnachtszeit 2021/22 wurde er zum Beispiel aus Packpapier hergestellt und als Höhle gestaltet. © Volker Griese

In der Kirche des ungarischen Städtchens Vörs steht die mit 50 Quadratmetern angeblich größte Indoor-Krippe Europas. Eine der ältesten Kirchenkrippen steht in Mindelheim im Unterallgäu: Die Jesuitenkrippe wurde vor 404 Jahren zum ersten Mal aufgestellt. Mit solchen Superlativen können die Weihnachtskrippen in den Werdohler Kirchen nicht glänzen. Dennoch sind sie sehenswert – und sie erzählen so manche interessante Geschichte. Eine Reise durch die Welt der Werdohler Kirchenkrippen.

Werdohl ‒ Acht bis zehn Tage soll es jedes Jahr dauern, bis die Riesenkrippe in Vörs aufgebaut ist. So zeitaufwändig ist der Aufbau der Krippen in den Werdohler Kirchen nicht, aber auch an Lenne und Verse braucht es doch immer einiges an Zeit und Aufwand, um das Geschehen der Heiligen Nacht im Kleinformat darzustellen.

Während die meisten Krippen, vor allem die in den evangelischen Kirchen Werdohls, relativ schlicht gehalten sind, fällt bei der Darstellung in der katholischen St. Michael-Kirche der Detailreichtum ins Auge. Die Krippenlandschaft mit einer Vielzahl an Figuren, mit Ziehbrunnen, Lagerfeuer und etlichen Gerätschaften im Minitaurformat hat ein beträchtliches Ausmaß.

Franz von Assisi und ein „Nickmännchen“

Zur Ausstattung gehört nicht nur der heilige Franz von Assisi, der „Erfinder der Weihnachtskrippen, und Gründer des Franziskaner-Ordens, dessen Brüder ja als Seelsorger in der St. Michael-Gemeinde tätig sind. Auch eine Missionsspardose, ein sogenanntes „Nickmännchen“, ist zu finden: Das Männchen mit dunkler Hautfarbe bewegt nach Einruf einer Münze den Kopf.

Wir suchen die schönsten Krippen

Krippen sind für viele Menschen aus der Weihnachtsdekoration nicht wegzudenken. Es gibt traditionelle und moderne Krippen in vielen verschiedenen Ausführungen. Ob bemalt, vergoldet oder naturbelassen – jede Weihnachtskrippe ist etwas Besonderes. Wie sehen Ihre Krippen aus? Schicken Sie uns Ihre Krippenfotos aus Werdohl, Neuenrade und Balve per E-Mail an sv@mzv.net. Fügen Sie möglichst auch ein paar erläuternde Informationen hinzu: Wie alt ist Ihre Krippe? Woher stammen die Figuren? Haben Sie die Krippe selbst gebaut? Verbinden Sie besondere Erinnerungen mit Ihrer Krippe? Einsendeschluss ist der 31. Dezember. Die schönsten Fotos veröffentlichen wir in auf einer Seite in unserer Zeitung am 7. Januar und auf unserer Internetseite www.come-on.de.

Die Tradition dieser Spardosen entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist in jüngerer Zeit aber unter Rassismusverdacht geraten. Ihre Befürworter weisen einen politischen Hintergrund aber zurück und verweisen vielmehr darauf, dass mit in diesen Spendendosen gesammelten Finanzmittel die christliche Missionsarbeit finanziert worden sei, die nicht unerheblich zur Unabhängigkeit afrikanischer Staaten beigetragen habe. In der Gemeinde habe es darüber nie eine Diskussion gegeben, sagt Dagmar Schröder, die das Krippenteam der St.-Michael-Kirche leitet.

Handwerklich angefertigte Einzelstücke

Die übrigen Krippenfiguren in St. Michael stammen aus einer Werkstatt in Kevelaer am Niederrhein. „Köpfe, Hände und Füße sind aus hochwertigem Kunstharzmaterial handwerklich angefertigte Einzelstücke“, erzählt Dagmar Schröder. Die Figuren seien beweglich, sodass die Körperhaltung individuell verändert werden könne und es möglich sei, die Weihnachtsgeschichte in wechselnden Bildern sehr lebendig zu gestalten. „Deshalb macht mir diese Krippe sehr viel Freude, die Figuren sind irgendwie lebendiger“, sagt Schröder und verrät noch ein Detail: „Die Bekleidung der bis zu 60 Zentimeter hohen Figuren wurde in liebevoller Handarbeit von Frauen aus der Gemeinde angefertigt.“

Jedes Jahr ein bisschen anders

Die Krippenlandschaft in der St. Michael-Kirche sieht übrigens jedes Jahr ein bisschen anders aus. Anstatt eines Stalles dient auch schon einmal eine aus Packpapier geformte Höhle zur Beherbergung der Heiligen Familie. Und auch im Laufe der Weihnachtszeit ändert sie ihr Aussehen: Zuerst sind die Hirten noch weiter entfernt, dann ganz nah am Stall, später kommen auch die Heiligen Drei Könige immer näher heran.

In der evangelischen Christuskirche in der Innenstadt kümmert sich jedes Jahr eine Gruppe von Frauen aus der Gemeinde um den Aufbau der Krippenlandschaft. Die Krippe ist mit rund 20 Jahren noch relativ jung, obwohl die Figuren aus einer Gegend stammen, in der das Holzschnitzen eine jahrhundertelange Tradition hat. Denn für die Bergleute im Erzgebirge, wo die Figuren hergestellt worden sind, war das Schnitzen schon immer mehr als ein bloßer Zeitvertreib nach Feierabend. Als der Bergbau mehr und mehr an wirtschaftlicher Bedeutung verlor, wurde aus der Freizeitbeschäftigung mit Eisen und Messer ein wichtiger Broterwerb für die Menschen im Erzgebirge.

Mit Basar-Einnahmen bezahlt

Die im traditionell-bäuerlichen Stil gehaltenen Krippenfiguren der Christuskirche sind ab etwa dem Jahr 2000 nach und nach mit Geld angeschafft worden, das die Bastelkreise der Gemeinde bei ihren Basaren eingenommen haben. Zunächst wurde nur die Heilige Familie gekauft, dann wurde das Ensemble aus naturbelassenem Holz Jahr für Jahr ergänzt, je nach Budget und Kosten der einzelnen Figuren. Mittlerweile ist die Krippe, deren Stall in der Werkstatt der Werdohler Tischlerei Schütt entstanden ist, mit Ochs und Esel, Schafen und Hirten sowie den Heiligen Drei Königen komplett. „Alle Figuren stammen von demselben Holzschnitzer aus Grünhainichen, einem ganz kleinen Ort im Erzgebirge“, berichtete Christel Schöne, die dort mit ihrem Ehemann Horst Urlaub gemacht und den Schnitzer durch Zufall entdeckt hatte.

Eigens für die Christuskirche geschnitzt

Nachdem die ersten Figuren angeschafft worden waren, ist Christel Schöne noch zwei Mal bei dem Künstler gewesen, und hat weitere dazugekauft, die der Schnitzer eigens für die Christuskirche angefertigt hatte. „Wir hatten Sorge, dass der irgendwann seine Arbeit einstellt“, erklärte sie, dass die Gemeinde Wert darauf gelegt habe, alle Schnitzereien aus einer Hand zu bekommen.

In der Krippenlandschaft der Christuskirche wird übrigens vom ersten Tag an die komplette Szene dargestellt, also auch schon die Ankunft der Heiligen Drei Könige. Das hat ganz einfach logistische Gründe, denn es ist fast unmöglich, später noch einzelne Figuren hinzuzufügen. Aufgebaut wird die Krippe in der Christuskirche immer zwischen dem ersten und dem zweiten Advent, anschließend bleibt sie bis in die dritte Januar-Woche hinein stehen. An Markttagen (donnerstags von 10 bis 12 Uhr) kann man sie besichtigen, ebenso eine halbe Stunde vor und nach den Gottesdiensten.

Alle Figuren blicken in eine Richtung

Etwa 60 Jahre alt sind die Figuren, mit denen in der Friedenskirche Eveking Jahr für Jahr die biblische Erzählung von der Geburts Jesu Christi nachgestellt wird. Das Ensemble umfasst die Heilige Familie mit Maria, Josef und dem Kind in der Krippe, Ochse und Esel, zwei Schafe, zwei Hirten und die Heiligen Drei Könige. Geschnitzt hat sie der allgäuische Holzbildhauer Wilhelm Tannheimer aus Hinterstein (Gemeinde Bad Hindelang) zwischen 1961 und 1968. Tannheimer hatte das Holzbildhauerhandwerk an der traditionsreichen Schnitz- und Bildhauerschule Geisler-Moroder in Elbigenalp im Lechtal gelernt. Allen Figuren gemein ist der auf das Kind in der Krippe gerichtete Blick. Gleichzeitig sehen alle aus, als ob sie in Bewegung seien – unterwegs, um Gott zu finden. Ergänzt wird die sehr traditionell gestaltete Krippendarstellung durch kleine, bunte Engel.

Ebenfalls in der Friedenskirche kommt die ehemalige Krippe der Ende 2018 aufgegebenen Kreuzkirche zum Einsatz: Dort wird die modern gestaltete Krippe vom Kindergottesdienstkreis der Friedenskirche verwendet. Geschaffen hat die Figuren der Werdohler Bauingenieur Kurt Decher (1936 bis 2018), indem er Holzreste verwendete. Decher war sehr engagiert im CVJM in Werdohl, dessen Vorsitzender er von 1983 bis 1992 auch war, und hat sich für die Errichtung eines Kindergartens in der ghanaischen Stadt Winneba eingesetzt.

Figuren aus Spenden finanziert

In der katholischen Kirche St. Petrus Canisius in Eveking wird die Krippenlandschaft immer zum vierten Advent aufgebaut. Als Kulisse dienen verschiedene Weihnachtsbäume, die mit Lichterketten durchzogen sind. Die Landschaft wird mit natürlichen Materialien wie Moos, Strauchwerk und Steinen gestaltet.

Die etwa 60 bis 70 Zentimeter großen Krippenfiguren habe Pfarrer Heinrich Pickmeier, der von 1967 bis zu seinem Tod 1994 in Eveking wirkte, Anfang der 1970er-Jahre in Bayern schnitzen lassen, weiß Dagmar Schröder vom Krippenteam der Evekinger Gemeinde, das sich um den Auf- und Abbau der Krippe, sowie der Weihnachtsbäume kümmert. Die Figuren wurden aus Spenden finanziert, angeblich gibt es nur zwei Krippen gleicher Form. Im ersten Jahr sei die Heilige Familie geschnitzt und geliefert worden, danach, über einen Zeitraum von etwa vier Jahren, die restlichen Figuren, berichtet Dagmar Schröder weiter. „Der Name des Künstlers aus dem Allgäu ist leider nicht mehr bekannt“, bedauert sie.

Liebevoll angefertigte Details

Auch zur Krippe in St. Petrus Canisius, die mit einem Ziehbrunnen, einem elektrisch illuminierten Lagerfeuer und sogar einem kleinen Vogelhäuschen einige liebevoll angefertigte Details aufweist, gehört übrigens eine Missionsspendendose, dort allerdings in Form eines hellhäutigen Kindes.

Der Stall für die Krippe kam übrigens erst einige Zeit nach der Anschaffung der Figuren hinzu. Den hat hat vor etwa 25 Jahren Matthias Deitmerg aus der Gemeinde entworfen und gebaut. Stil und Dimensionen hat er dabei so gut getroffen, dass die gesamte Krippenlandschaft eine harmonische Einheit bildet.

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