Kringe: „Erstklässler werden von Realschülern bespuckt“

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Beim Umzug von der Jahnturnhalle in die Köstersberghalle (Foto) der Realschule waren der Stadtsportbeauftrage Ulli Betten (rechts) und Stadtsportverbandsvorsitzender Richard Müller-Schlotmann von einer guten Regelung ausgegangen. Auch im Ausschuss am Montag wussten sie nichts von den Problemen, die es wohl zwischen Grundschülern und Realschülern gibt.

Werdohl - Seit der Schließung der Jahnturnhalle im Februar besuchen die Grundschüler von St. Michael die Köstersberghalle für den Sportunterricht. Dort gibt es nach Aussagen von Schulleiterin Christel Kringe massive Probleme. 

Im Schulausschuss berichtete sie am Montagabend darüber, dass Erst- und Zweitklässler von Realschülern sogar bespuckt worden seien. 

Bürgermeisterin und Verwaltung reagierten mit Fassungslosigkeit. Auf der Tagesordnung stand lediglich ein Bericht der Verwaltung über die Neuregelung der Sportstättenbelegung nach Schließung der Jahnturnhalle. Dem Bericht zufolge sei alles glatt gelaufen, es gebe weiterhin freie Hallenkapazitäten in Kleinhammer und auf der Königsburg. 

Sybille Böddecker, Sprecherin für alle Grundschulen im Schulausschuss, bat um eine Anhörung ihrer Kollegin Christel Kringe von der katholischen Grundschule St. Michael. Böddecker sprach schon von „katastrophalen Zuständen“ seit Schließung der Jahnturnhalle. Die Kleinen seien in der Köstersberghalle schlecht empfangen worden. Christel Kringe hielt sich mit Kritik nicht zurück. Die ersten Monate mit Erfahrungen lägen hinter ihr und den Kolleginnen. 

"Schlimme Schimpfwörter", "spucken und schubsen"

Realschüler würden die Grundschüler mit „schlimmen Schimpfwörtern“ belegen, die Älteren würden die Kleinen abwerten und beschimpfen. Kringe sprach wortwörtlich von „spucken und schubsen“. Ihrer Aussage nach „möchten die Erst- und Zweitklässler nicht mehr zum Sportunterricht gehen“. Kringe sprach weitere Schwierigkeiten an. 

Schulleiterin Kringe führte harte Beschwerde gegen das Verhalten von Realschülern gegenüber Erstklässlern.

Wenn zwei Drittel der Dreifachturnhalle mit 40 bis 50 Realschülern belegt seien, könne in dem verbliebenen Drittel mit den Grundschülern kein geregelter Unterricht mehr stattfinden. Die älteren Kinder seien so dermaßen laut, dass die Kraft der Stimme der Lehrerin nicht ausreichen würde, die Grundschüler zu erreichen. Mit der Planung der Sportstunden in Zusammenarbeit mit der Realschule und den Belegungszeiten gebe es allerdings keine Probleme. 

Voßloh und Grabs nahezu fassungslos 

Vor allem Bürgermeisterin Silvia Voßloh und Fachbereichsleiter Michael Grabs zeigten sich nahezu fassungslos, als sie von diesen massiven Beschwerden hörten. Grabs in einer ersten Reaktion an Kringe: „Ich kann nicht nachvollziehen, warum Sie nicht früher etwas gesagt haben. Ich bin total überrascht.“ So drückte sich auch Bürgermeisterin Voßloh aus, die durch eine Kieferoperation sichtlich gehandicapt war. Sie bat darum, bei so einem Problem nicht bis zu einer Ausschusssitzung zu warten, sondern unverzüglich anzurufen. 

Es sei „traurig und schade“, dass sich Christel Kringe nicht früher an sie gewandt habe. Auch der neue Realschulleiter Sascha Koch fiel aus allen Wolken. Von diesen Problemen habe er nichts gehört, er habe noch vor Kurzem mit seiner Stellvertreterin über die Umverteilung der Stunden gesprochen: „Ich hatte nachgefragt, mir wurde gesagt, dass es keine Probleme gebe.“ Grundsätzlich könne er sich solche Probleme vorstellen: „Mir ist bewusst, wie sich Realschüler zum Teil benehmen.“ 

"Dramatik" hätte vermieden werden können

Grabs und Voßloh waren bemüht, die Sache aus dem Licht der Öffentlichkeit herauszubekommen. Grabs sprach davon, dass „man diese Dramatik“ hätte vermeiden können. Kringe habe schon einmal im Ausschuss Klage geführt, dass der Weg von der Grundschule zur Köstersberghalle eigentlich nicht zumutbar wäre. Davon sei jetzt keine Rede mehr. 

Gleichwohl bemühte er sich darum, Kringe keine Schuld in der Sache zuzuweisen. Sicher sei im Sinne der katholischen Grundschule eine Lösung zu finden. Sybille Böddecker merkte an, dass die Schulleitungen sehr belastet seien. Eine Sitzung aller Schulleitungen sei von der Stadt abgesagt worden, deshalb hätten die Schulleiterinnen den Ausschuss als Anlaufstelle genutzt. 

Eine politische Reaktion gab es nur vom Ausschussvorsitzenden Jansen (SPD): Selbstverständlich gehöre so ein Thema in den Schulausschuss, stellte er unwidersprochen fest.

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