Abriss verhindert

Kreuzkirche hat einen neuen Besitzer: So geht es weiter

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Die Kreuzkirche hat einen neuen Besitzer.

Werdohl – Fast 20 Monate nach der Entwidmung der Kreuzkirche kann die Evangelische Kirchengemeinde Werdohl jetzt einen Käufer für das ehemalige Gotteshaus auf der Königsburg präsentieren.

Gekauft hat es ein Handwerksbetrieb aus Werdohl. Dessen Inhaber hat das Gebäude praktisch in letzter Minute vor dem Abriss bewahrt. Ein Abriss wäre für die Gemeinde die letzte Möglichkeit gewesen, sich von den Unterhaltungskosten für die Immobilie zu entlasten und gleichzeitig den Gemeindegliedern aus dem Stadtteil Königsburg und darüber hinaus den dauerhaften Anblick einer verwaisten Kirche zu ersparen. 

Rund ein Vierteljahr nach dem letzten Gottesdienst in der Kreuzkirche am 31. Dezember 2018 bot die Gemeinde die Immobilie über einen Werdohler Immobilienmakler für knapp 200 000 Euro zum Kauf an. Darauf haben sich nach Angaben von Pfarrer Dirk Grzegorek auch einige Interessenten gemeldet. Die hätten ganz unterschiedliche Vorstellungen gehabt, was sie mit dem Gebäude anfangen wollen: Wohnraum zu schaffen oder eine Wohngruppe der Jugendhilfe einzurichten seien nur zwei Ideen gewesen. „Es gab auch eine lose Anfrage für eine gastronomische Nutzung“, berichtete Grzegorek. All das habe sich aber zerschlagen. Ein Interessent zeigte wohl für längere Zeit Interesse, sprang aber letztlich auch ab. 

Abriss schien unausweichlich

Der Abriss der gut 50 Jahre alten ehemaligen Kirche schien unausweichlich. Bei den Überlegungen, was aus dem Gebäude vielleicht noch verwertbar wäre, rief die Kirchengemeinde den Heizungsbauer Daniel Michel aus Kleinhammer zur Hilfe. „Ich sollte die Heizung begutachten, um einschätzen können, ob man die vielleicht woanders wieder einbauen könnte“, erinnert der sich. Da habe er dann mitbekommen, dass der Abrisstermin „praktisch schon feststand“, berichtet der 26-Jährige. Der Jungunternehmer schaute sich nicht nur die Heizung, sondern das ganze Gebäude an und traf den Entschluss, es zu kaufen. 

Das war aber leichter gesagt als getan, was weniger an einer Einigung zwischen Verkäufer und Käufer lag. „Wir haben uns geeinigt“, sagt Gerd Petersmann, Baukirchmeister der evangelischen Kirchengemeinde, ohne einen Preis zu nennen. Nur so viel verrät er: „Der Abriss hätte 150 000 Euro gekostet.“ Die höhere Hürde als der Kaufpreis waren wohl die Genehmigungen, die die Baubehörden bei der Stadt Werdohl und beim Märkischen Kreis erteilen mussten. Da ging es um Lärmschutz und die Umnutzung des bisherigen Kirchengebäudes. „Das alles hat sich fast ein Jahr hingezogen“, blickt Michel zurück. Seit ein paar Tagen hält er nun endlich die Umnutzungsgenehmigung in den Händen. Den Kaufvertrag muss er zwar noch unterschreiben, aber da ist alles ausverhandelt. 

Unternehmen 2017 gegründet

Die ehemalige Kreuzkirche bietet Daniel Michel, der 2017 in Kleinhammer ein Sanitär- und Heizungsbauunternehmen gegründet hat, die Möglichkeit zu expandieren. Denn sie bietet Platz satt: Mehr als 500 Quadratmeter Nutzfläche stehen zur Verfügung, hinzu kommt ein Grundstück von rund 2200 Quadratmetern. 

Der Installateur und Heizungsbauermeister Daniel Michel wird die Kreuzkirche kaufen und zu einem Lager für seinen Betrieb umbauen.

Daniel Michel will aber noch nicht sofort das ganze Gebäude nutzen. Pläne hat er zunächst nur für die untere Etage, wo sich früher die Gemeinderäume befunden haben. „Dort richte ich auf gut 200 Quadratmetern ein Lager ein, weil der Bereich mit Lieferfahrzeugen gut erreichbar ist“, gibt er Einblick in sein Vorhaben. Zu diesem Zweck müsse allerdings ein bisschen umgebaut werden. Beispielsweise solle die bisherige Eingangstür durch ein Rolltor ersetzt werden, erklärt Michel. Im Interesse einer ungehinderten Zufahrt sollen auch die Stufen verschwinden. Innen müsse die Elektroinstallation teilweise erneuert werden. 

Früherer Kirchenraum bleibt zunächst erhalten

Was mit dem Teil des Gebäudes wird, in dem die evangelischen Christen von der Königsburg zwischen dem 30. Oktober 1966 und dem 31. Dezember 2018 unzählige Gottesdienste gefeiert haben, ist noch offen. „Der obere Teil wird zunächst erhalten bleiben“, sagt Daniel Michel über den eigentlichen früheren Kirchenraum. Vielleicht könnten in der früheren Kirche später einmal Wohnungen entstehen, sinniert der Unternehmer. Festlegen will er sich darauf aber noch nicht. 

Teilweise abgebrochen wird der freistehende Glockenturm, der wegen seiner markanten Architektur im Volksmund scherzhaft „Raketenabschussrampe“ genannt wird, aber auch zu einem Markenzeichen für die Königsburg geworden ist. Die vier aufstrebenden und sich nach oben verjüngenden Betonpfeiler und die Glockenstube werden zurückgebaut, sodass am Ende nur der kleine Versammlungsraum im Erdgeschoss übrig bleiben wird. „Ursprünglich wollte ich den Turm nicht abreißen lassen, aber nun bin ich eigentlich froh, dass der obere Teil wegkommt. Wer weiß, was der vielleicht einmal für Sanierungskosten verursacht hätte“, gibt Michel Einblick in seine Überlegungen. Was er mit dem übrig bleibenden Raum anfangen wird, lässt er offen. „Dafür finde ich schon noch einen Verwendungszweck“, ist er aber sicher. 

Glockenturm verschwindet aus dem Stadtbild

Der Kirchengemeinde ist auch ganz recht, dass der Glockenturm aus dem Stadtbild verschwindet. Er hätte doch immer wieder an die aufgegebene Kirche erinnert und alte Wunden aufgerissen. Auch der Schriftzug „Kreuzkirche“ werde noch verschwinden, kündigte Baukirchmeister Petersmann an. 

„Das Landeskirchenamt hat verfügt, dass nichts mehr den Eindruck eines sakralen Ortes erwecken darf“, erklärt er. Unterm Strich, versichert Gerd Petersmann, sei die Gemeinde mit der jetzt gefundenen Lösungen aber sehr zufrieden: „Wir sind froh, dass die ehemalige Kreuzkirche nicht abgerissen werden muss.“

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