Kreuzkirche: Darum ist die Orgel bald in Polen zu hören

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Gut verpackt werden die Einzelteile der Pfeifenorgel, damit sie die rund 1000 Kilometer lange Reise möglichst unbeschadet überstehen.

Der Abschied von der Kreuzkirche auf der Königsburg geht weiter. In diesen Tagen wird die Orgel abgebaut. Kleiner Trost für die Werdohler: Das Instrument wird in einer anderen Kirche wieder Gottesdienste begleiten.

Das Aus für die Kreuzkirche, den modernen Sakralbau mitten im Wohngebiet Königsburg, ist längst besiegelt. Am 30. Dezember 2018 hat dort der letzte Gottesdienst stattgefunden, anschließend wurde die Kirche entwidmet. Trotzdem ist es für die evangelischen Christen ein Abschied auf Raten, denn was aus der Kirche einmal werden soll, steht immer noch nicht fest. 

In dieser Woche wird der nächste Schritt zur endgültigen Säkularisierung des einstigen Gotteshauses vollzogen: Die Orgel wird ausgebaut. Über einen Wuppertaler Händler für Gebrauchtinstrumente hatte die Evangelische Kirchengemeinde die 1968 von der Dresdner Firma Jehmlich gebaute Pfeifenorgel zum Kauf angeboten. Zugeschlagen hat ein auf Gebrauchtorgeln spezialisiertes Unternehmen aus Polen. Am Montag haben fünf Mitarbeiter damit begonnen, die Orgel zu demontieren. 

Drei bis vier Tage Arbeit

Drei bis vier Tage, schätzt Piotr Antos, Mitarbeiter der polnischen Firma In Plenum, werde es dauern, bis die Orgel in ihre Einzelteile zerlegt und sorgfältig verpackt zum Abtransport bereit ist. Immerhin verfügt das Instrument über 20 Register und 1476 Pfeifen, und auch das hölzerne Gehäuse muss ja sorgfältig zerlegt werden, damit es später wieder zusammengebaut werden kann. 

So soll die Jehmlich-Orgel aus der Kreuzkirche einmal in die Kirche in Tychy eingebaut werden

Doch die fünf Polen haben Erfahrung in diesen Dingen. 200 bis 250 Orgeln aus West- und Nordeuropa hat das Unternehmen nach Antos’ Angaben bereits in osteuropäische Länder verfrachtet. „Im Osten gibt es zwar viele Kirchenneubauten, aber die Gemeinden haben nicht so viel Geld. Und Orgeln sind teuer“, erklärt Antos, warum viele christliche Gemeinden in Polen, Ungarn der Slowakei und anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks lieber auf Pfeifen aus dem Angebot setzen. 

1000 Kilometer lange Reise

Auch die Werdohler Orgel wird Ende dieser Woche auf eine knapp 1000 Kilometer lange Reise Richtung Osten gehen. In der 130000-Einwohner-Stadt Tychy (deutsch: Tichau) in der Woiwodschaft Schlesien im Süden Polens wird sie eine neue Heimat bekommen. Die katholische Pfarrei vom Heiligsten Herzen Jesu in Tychy suchte eine neue Orgel für ihre in den 1960er-Jahren erbaute Kirche. „Die bisherige Orgel ist alt und klein“, erklärt Antos. Das kam das Angebot aus der Werdohler Kreuzkirche gerade recht. „Die Orgel hier ist in sehr gutem Zustand, das macht Freude“, attestiert Antos dem Instrument eine ausgezeichnete Verfassung. 

Stück für Stück verschwindet in diesen Tagen also ein weiteres Stück Kreuzkirche in Luftpolsterfolie, Kartons und Kisten, denn alle Einzelteile werden natürlich sorgfältig eingepackt, damit sie den Transport nach Polen möglichst unbeschadet überstehen. Nachdem die Orgel dann auch gereinigt worden ist, soll sie in Tychy, das übrigens durch das in den Fürstliche Brauereien hergestellte und auch in Deutschland vertriebene Bier Tyskie bekannt ist, wieder aufgebaut werden. „Das wird aber erst im nächsten Jahr passieren“, verrät Piotr Antos und macht sich wieder an die Arbeit.

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