So krass nicht erwartet

+
Gesamtschülerin Katrin beim Aufprall mit „nur“ elf Kilometern pro Stunde auf dem Gurtschlitten. ▪

WERDOHL ▪ Für die Schüler der Jahrgangsstufe 12 der Albert-Einstein Gesamtschule gab es eine interessante, aber auch sehr nachdenkliche Alternative zum normalen Unterricht. Die Verkehrswacht Hagen und die Drogenberatungsstelle des Märkischen Kreises luden zu einem Verkehrssicherheitstag.

Langsam gerät der große Schlitten ins Rutschen. Die beiden angeschnallten jungen Frauen auf den Sitzen lachen. Dann folgt der dumpfe Aufprall. Die Arme und Beine fliegen nach vorne, die Köpfe nicken heftig. „Das hätte ich echt nicht erwartet“, sagt Katrin (18).

Ulrich Schmitz von der Hagener Verkehrswacht hatte den Gurtschlitten ausgelöst. „Der kommt nur auf elf Kilometer pro Stunde“, betonte Schmitz und sieht die ungläubigen Blicke der Schüler. Auch Lea (18) saß in der zweiten Reihe auf dem Schlitten und erklärt: „So krass hätte ich das nicht erwartet“. Schon bei einem Aufprall in diesem Tempo und bei nicht oder nicht richtig angelegtem Gurt, könne es schon zu Verletzungen an den Rippen, Halswirbeln oder den Knien kommen, fügt der Mann von der Verkehrswacht an.

Andrea Crico vom Märkischen Kreis hat zu diesem Thema die nötigen Zahlen. Im Kreisgebiet verursachten die 17- bis 24-Jährigen im vergangenen Jahr 24 Prozent aller Unfälle. Dabei machen sie nur acht Prozent der Autofahrer aus. „Vor allem bei schweren Unfällen sind die jungen Fahrer dabei“, betont Schmitz und führt dies vor allem auf Imponiergehabe und noch unsichere Fahrweise zurück.

In drei weiteren Klassenräumen wurde das Thema Fahrsicherheit weiter behandelt. Ergreifend waren für die Schüler die Schilderungen von Andreas Keilig, der vor 15 Jahren bei einem schweren Unfall seine Frau und seine Großmutter verlor. „Es gibt Bilder und Situationen, die uns nie wieder loslassen“, betonte auch die anwesende Seelsorgerin Ingeborg Schmermbeck. Jan Nesselrath (Rechtsanwalt) und Martin Campulka (Sozial-psychiatrischer Dienst) informierten die Schüler über die Gefahren und Konsequenzen des Fahrens unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Mit sogenannten Promille-Brillen wurden die Schüler dabei in einen vermeintlichen Rauschzustand versetzt. Interessante Erkenntnisse steuert der Rechtsanwalt bei: „Alkohol kommt bei meinen Fällen recht selten vor. Drogen stehen da mehr im Mittelpunkt.“ Nesselrath würde sich vor allem in diesem Bereich mehr Aufklärung wünschen.

Nur zwei Mal im Jahr tourt der Verkehrssicherheitstag dank Landesförderung durch den Märkischen Kreis. „Das heißt, es kommen jährlich nur zwei Schulen in den Genuss dieser Arbeit“, weiß Andrea Crico und würde sich über einen Ausbau der Förderung freuen. Zum Nachdenken regten die Angebote an diesem Tag die Schüler in Werdohl auf jeden Fall an. Bleibt die Hoffnung, dass sie sich als Fahranfänger auch entsprechend verhalten. „Ich wäre glatt vor den Baum gefahren“, kam für einen jungen Mann jedenfalls die schnelle Erkenntnis nach der Anprobe der Promille-Brille. ▪ David Schröder

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare